Review

Das neue Epos von Tobias Sammet’s Avantasia ist unter dem Namen „Ghostlights“ herausgebracht und sorgte sowohl im Vorfeld (mit der Ankündigung, durch den Song „Mystery Of A Blood Red Rose“ einen Beitrag zum ESC-Vorentscheid zu leisten), als auch Tage nach der Veröffentlichung (mit dem Einstieg in die Charts direkt auf Platz 2) für Gesprächsstoff. Zu Recht? Zu Recht! Denn „Ghostlights“ besitzt alles, was zu erwarten war und macht auch mit dem x-ten Hördurchgang noch eine Menge Spaß.

Die große Frage war zunächst, welchen stilistischen Weg schlägt Avantasia mit dem siebten Studioalbum ein? Nach Ausflügen in den eher Pop geschwängerten Rock und Metal wie zu „The Scarecrow“-Zeiten hat Tobias Sammet mit seinen zahlreichen renommierten Gastmusikern, die für „Ghostlights“ abermals ins Boot geholt wurden, wieder den Weg zurück zum überzeugenden Rock-/Metal-Oper-Genre gefunden. Entsprechend fallen die insgesamt zwölf Titel des Albums mal eher rockig, mal eher metallisch aus, minimieren allesamt jedoch die von vielen kritisierten Pop-Nuancen einiger vergangener Veröffentlichungen.

Großes Augenmerk wurde bei „Ghostlights“ stattdessen auf die Gitarrenarbeit gelegt. Zahlreiche Gitarrensoli, in nahezu allen Songs vorhanden und gut nach vorne gespielt, wirken in ihrer nicht uninspirierten Art besser gelungen als auf so manch Power Metal Album, die normalerweise derartige virtuose Sechssaitersoli für sich beanspruchen.

Zudem sticht erneut die Melodiehaftigkeit der Titel, eine kompositorische Stärke Sammets, ins Auge respektive Ohr.
Alle Songs fräsen sich umgehend in die Gehörgänge, trotz der (im positiven Sinne zu verstehenden) Sperrigkeit, die einige Tracks ziert. Die Hörer bleiben am Ball und verlieren auch nach mehrmaligem Konsum nicht das Interesse an „Ghostlights“.

Den Einstieg in das Album, das als Fortführung des Vorgängers „The Mystery of Time“ verstanden werden soll, macht „Mystery Of A Blood Red Rose“. Kurz und eingängig mit solider Entwicklung in Sachen Spannung und Tempo rechtfertigt allein die kompakte Spielzeit und der Ohrwurmcharakter das Auskoppeln des Songs als erste Single. Inwieweit Avantasia mit dem Titel auch den ESC-Vorentscheid rocken, bleibt abzuwarten. Zu wünschen ist allerdings, dass zwischen all dem Schlager- und Pop-Einheitsbrei ein „Mystery Of A Blood Red Rose“ herauszustechen vermag.

Konträr zum knappen Opener folgt mit „Let The Storm Descend Upon You“ bereits der längste Track der Scheibe. Ganze zwölf Minuten und zehn Sekunden lang präsentiert man mit Jorn Lande, Ronnie Atkins und Robert Mason nicht nur die ersten Gäste am Mikro, auch dezente progressive Parts finden in der ansonsten abermals bombastisch und opulent angelegten Soundkulisse ihren Platz. Eine mutige und ungewöhnliche Entscheidung, ein solches Mammutwerk gleich zu Beginn des Albums zu platzieren, aber keine Entscheidung, die es zu bereuen gilt.

Apropos Bombast und Opulenz: Daran sparen Avantasia auf „Ghostlights“ nicht. Dicht, soundgewaltig und produktionstechnisch einwandfrei dringen die Tracks aus den Boxen und es bilden sich Assoziationen zu Savatage und dem Trans-Siberian Orchestra in Wacken 2015 vor dem inneren Auge. An anderer Stelle meint man Meat Loaf- und musicalartige Strukturen herauszuhören. Welches Kopfkino die Soundgewalt und die Kompositionen auch bei einem hervorrufen werden, Fakt ist, alle Songs passen zum Albumtitel und beschwören eine leicht düstere Atmosphäre herauf.

Tobias Sammet / Avantasia (Copyright: Tobias Sammet)

Tobias Sammet / Avantasia (Copyright: Alex Kuehr)

In „Draconian Love“ greift man diese Stimmung zudem musikalisch auf etwas abweichende Art auf, indem der Titel mit Gesang von Tobias Sammet und Herbie Langhans fast schon in einem Gothic Metal Gewand daherkommt. Langhans passt diesbezüglich perfekt ins musikalische Bild, während Sammet mit eher hohen und hellen Vocals einen guten Gegensatz dazu bildet.

Insgesamt muss man sagen, dass Tobias Sammet auf „Ghostlights“ sehr präsent ist. Weniger stark als noch auf den Vorgängern hört man daher teilweise die weiteren Gastsänger heraus. Ein Nachteil ist dies allerdings nicht, denn Sammet macht seine Sache sehr gut und umso mehr überzeugen die Momente, in denen seine Gäste in den Vordergrund treten.

Eine runde Sache und eine Meisterleistung im Rock-/Metal-Oper Bereich. „Ghostlights“ dürfte nicht nur Avantasia-Fans glücklich machen.

Video

Tracklist

01 Mystery Of A Blood Red Rose
02 Let The Storm Descend Upon You
03 The Haunting
04 Seduction Of Decay
05 Ghostlights
06 Draconian Love
07 Master Of The Pendulum
08 Isle Of Evermore
09 Babylon Vampyres
10 Lucifer
11 Unchain The Light
12 A Restless Heart And Obsidian Skies

Gastmusiker

01 Mystery Of A Blood Red Rose
Lead vocals: Tobias Sammet
Lead guitar: Sascha Paeth

02 Let The Storm Descend Upon You
Lead vocals: Tobias Sammet, Jorn Lande, Ronnie Atkins, Robert Mason
Lead guitar: Oliver Hartmann

03 The Haunting
Lead vocals: Dee Snider, Tobias Sammet
Lead guitar: Sascha Paeth

04 Seduction Of Decay
Lead vocals: Geoff Tate, Tobias Sammet
Lead guitar: Sascha Paeth

05 Ghostlights
Lead vocals: Michael Kiske, Tobias Sammet, Jorn Lande
Lead guitar: Sascha Paeth, Oliver Hartmann

06 Draconian Love
Lead vocals: Herbie Langhans, Tobias Sammet
Lead guitar: Sascha Paeth

07 Master Of The Pendulum
Lead vocals: Marco Hietala, Tobias Sammet
Lead guitar: Sascha Paeth

08 Isle Of Evermore
Lead vocals: Sharon Den Adel, Tobias Sammet

09 Babylon Vampyres
Lead vocals: Tobias Sammet, Robert Mason
Lead guitar: Bruce Kulick, Oliver Hartmann, Sascha Paeth

10 Lucifer
Lead vocals: Jorn Lande, Tobias Sammet
Lead guitar: Bruce Kulick

11 Unchain The Light
Lead vocals: Tobias Sammet, Ronnie Atkins, Michael Kiske
Lead guitar: Sascha Paeth, Oliver Hartmann

12 A Restless Heart And Obsidian Skies
Lead vocals: Bob Catley, Tobias Sammet
Lead guitar: Bruce Kulick

Details

Avantasia – Homepage
Avantasia – Facebook
Avantasia – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 70:21

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde