Review

Schottland goes Heavy Rock – und zwar durch die Band Attica Rage, die mit ihrem vierten Studioalbum „Warheads Ltd.“ die Szene aufmischen wollen. Komplettiert wird ihre Gratwanderung zwischen Rock und Metal durch Elemente des Southern Rock, Blues und sogar Punk. Das verspricht Abwechslung und die wird über zehn Tracks auch geboten.

Doch zunächst: Zigmal gehörte Gitarrenriffs und Melodien, denen man schon einmal in ähnlicher Art begegnet ist, sprechen mit den ersten Klängen des Openers „Beyond the 45“ dafür, es hier mit einem weiteren durchschnittlichen Heavy Rock Album zu tun zu haben, das die Old School-Einflüsse definitiv nicht leugnen kann und will. Dann aber folgt der Gesang, der gefällig die Lyrics an die Ohren des Konsumenten bringt und zudem mit einigen Variationen auftrumpft.
Das Interesse des Hörers ist damit schon einmal für das Folgende geweckt und auch hier können Attica Rage immer mal wieder überraschen.

Ein schleppender Charakter, zurückgenommenes Tempo und repetitive Strukturen zeichnen somit beispielsweise den Titeltrack „Warheads Ltd.“ aus, der allerdings – und im Vergleich zu anderen weitaus überzeugenderen Tracks – eher schwach ausfällt.

Eine ähnliche Gangart weist „El Chupacabra“ auf, denn auch hier bleibt es schleppend, auch wenn das Tempo wieder ein wenig angezogen wird. Der Titel weist einen hohen Instrumentalteil auf, entsprechend reduziert wirkt der Gesang, der durch Heavy Metal typische höhere Tonlagen zur tiefer gestimmten Instrumentalfront einen guten Kontrast bildet.
Beide Songs, „Warheads Ltd.“ und „El Chupacabra“, erscheinen in ihrer Umsetzung allerdings sehr lang, fast schon langatmig. Da lockert auch das Gitarrensolo im letztgenannten Song nicht viel auf. Klar wird durch die Tracks aber, dass die Stärken der Band vor allem in den treibenden, energiegeladenen Nummern, die die moderne Note eher als den Oldschool Touch betonen, ohne an Genreauthentizität einzubüßen, liegen. Solch ein Beispiel gibt der Song „All Summer Long“ ab. Lässig spielt man sich hin zu einem fast schon Alternative Metal/Rock-Sound, der weder Alter noch musikalische Heimat der Band vermuten lässt. Noch straighter auf den Punkt gebracht wie im Refrain und ohne Abstecher in Breaks und Rhythmuswechsel wie in den Strophen wäre „All Summer Long“ zudem ein durchaus radiotauglicher Rock-Titel.

Förderlich ist diesbezüglich auch die Produktion, die den Sound sehr klar ausfallen lässt und die Instrumente gleichberechtigt zur Geltung bringt.

Attica Rage (Copyright: Calum McMIllan)

Attica Rage (Copyright: Calum McMIllan)

Neben tragenden Titeln und mitreißenden Rocknummern zeigen Attica Rage mit „Lost In Memory“ zudem ihre ruhige Seite und präsentieren eine sich auf 5:43 (!) Minuten erstreckende (Halb)ballade. Langweilig wird dieser Song jedoch nicht, denn zu Akustikklampfen gesellen sich alsbald E-Gitarren und der Wechsel von groovy-chilligen hin zu dynamischen, eingängigen Phasen hält die Hörer bei Laune.

Mit „Into The Ether“ schieben Attica Rage ein Instrumental in das Albumgeschehen ein, das sphärisch, leicht psychedelisch und mit teils hypnotischen Bassläufen daherkommt – aber zugleich auch die Spannung des Albums kappt. Auch das rein instrumental gehaltene „Haunted (Prelude)“, als Atmosphäre schaffende Brücke angedacht, kann nicht überzeugen und besitzt eher verzichtbaren Lückenfüllerstatus, der passender mit schmissigen Rocksongs hätte ersetzt werden können.

Was bleibt, sind teilweise Heavy Rock-Songs von der Stange, teilweise kreative Ideen und Ansätze, durchgehend aber Abwechslungsreichtum – so fällt „Warheads Ltd.“ insgesamt aus und überzeugt vor allem mit seinen treibenden Tracks, wovon es jedoch noch sehr viel mehr hätte geben können und dürfen.

Video

Tracklist

Beyond The 45
02 Falling Down
03 Warheads Ltd
04 El Chupacabra
05 All Summer Long
06 Lost In Memory
07 Into The Ether
08 New World Decay
09 Haunted (Prelude)
10 Haunted

Details

Attica Rage – Homepage
Attica Rage – Facebook
Attica Rage – Twitter

Label: Off Yer Rocka / Cargo
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 44:21

Copyright Cover: Off Yer Rocka



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde