Review

Woran liegt es, dass „So lange wir noch funktionieren“ derart begeistert? Ist es die Fähigkeit der Band, trotz Abweichungen vom Punk- oder Hardcore-Sound immer noch greifbare Songs zu kreieren? Oder ist es doch der akustische Charme, den Astairre auf ihrer EP ausstrahlen?
Was es auch ist, die Band braucht gerade mal fünf Songs, um ihre eigene Musik stets in andere Richtungen zu lenken.

Mit scheppernden Gitarren leitet „Ich hasse meine Freunde“ die EP ein. Astairre fassen sich hier kurz und knapp. Langes Intro, kurze Bridge bzw. Refrain und krachendes Outro. Ein wenig Punk, ein Hauch Hardcore und schon hat man einen kompakten Song, der getreu dem Albumtitel einfach gut funktioniert.

Nachdem dann das letzte Mal auf die Drums eingeschlagen wurde, folgt ohne Zögern „Cavern Club“. Die Attitüde dieses Titels wird deutlich melodischer. Allgemein wirken Astairre hier im Gegensatz zu den vorausgegangen Klängen weitaus weichgespülter, aber man muss diese leichte Rock-/Pop-Hook einfach lieben.

Ab diesem Punkt geht es den Jungs vor allem darum, möglichst viele Stile in „Solange wir noch funktionieren“ einfließen zu lassen. Ob nun Punk oder vielleicht sogar etwas härtere Passagen, abgerundet mit dem gewissen Indie-Charme – dabei heraus kommen immer zugängliche Songs, bei denen man sich nicht entscheiden kann, welchen man mit der Repeattaste als nächstes ehrt.

Man beachte außerdem die simple, aber doch groovige und pulsierende Basslinie zu Beginn von „Am Punkt“, welche Dynamik aufbaut. Zudem wissen Astairre auch mit guten Texten zu überzeugen; so auch bei diesem Titel. Einzelne Gedankengänge verbinden sich durch Metaphorik oder überwiegend genutzte Wortspiele. „Lässt du mich auch alleine“ stellt diesbezüglich ebenfalls keine Ausnahme dar. Hier wirkt zusätzlich ein wenig der Indie-Touch, aber immerhin gibt man sich auf der EP lyrisch keineswegs plump oder ohne Aussage.

Astairre (Copyright: Anna-Lisa Konrad)

Astairre (Copyright: Anna-Lisa Konrad)

Besonders geradlinig gestaltet sich „1984“, da dem Hörer der Punk nur so ins Gesicht springt. Im Vergleich zu den anderen Songs ist der Track noch einen Tick einfacher gehalten, aber nicht weniger effektiv – nicht zuletzt wegen des variierenden Gesangsstils und des rotzigen Gebrülls im Hintergrund.

Die Energie passt und jeder Ton trifft auf den Punkt genau. Besonders wenn Astairre mal so richtig ihre musikalischen Muskeln spielen lassen, treiben die Instrumente den Sound bis hin zur Spitze. Addiert man dann noch eine ordentliche Portion Menschlichkeit hinzu, entsteht eine Platte, die auch noch nach dem vierten oder fünften Durchgang immer noch verdammt viel Laune macht. Wem also fünf Songs zu wenig sind, stellt „So lange wir noch funktionieren“ in der Anlage auf Endlosschleife und lässt sich stundenlang berieseln.

Video

Trackliste

01 Ich hasse meine Freunde
02 Cavern Club
03 Lässt du mich auch alleine
04 1984
05 Am Punkt

Details

Astairre – Homepage
Astairre- Facebook

Label: Unter Schafen Records
Vö-Termin: 01.04.2016
Spielzeit: 15:36

Copyright Cover: Unter Schafen Records



Über den Autor

Christopher