Review

ASP setzen mit ihrem aktuellen Album „Kosmonautilus“ ihren bisherigen „Fremder“-Erzählzyklus fort.

Und dies mittels vier unterschiedlicher Formate (darunter die lim. 3CD Box Edition, die lim. Digibook 2CD, 2×12“ Vinyl und digital). Grundlage unseres Reviews bildet die limitierte 2CD Digibook Edition.

Was die Hörer darauf erwarten dürfen, umschreibt die PR-Agentur Another Dimension wie folgt:

Gut erzählte musikalische Geschichten stehen nach wie vor im Vordergrund, und so präzise fabulierte Asp nie zuvor. Es kristallisiert sich deutlich heraus: Obwohl sämtliche Songs gut für sich allein funktionieren, hängt alles irgendwie zusammen. Der ASPsche Kosmos offenbart sich mehr und mehr. Wie Schmetterlings-Zyklus und Fremder verwoben sind, entfaltet sich für alle, die sich darauf einlassen. Für die anderen bleibt es das wohl Gewiefteste und Unterhaltsamste, was der düstere Musikbereich zu bieten hat. Da tummeln sich lebendig gewordene Tattoos und untote Meeresgötter genauso wie ruhelose Geister von in die Irre geführten Seeleuten.

CD 01

„Zurück zum Start“ geht es im Opener „Rückfall“, zu dessen Beginn Frontmann Alexander „Asp“ Spreng, begleitet von Piano und Bass, wiederholt ebenjene Zeile („Zurück zum Start“) singt. Die Stimme verhallt kurz in einem Bass- und Gitarrensolo, um dann in der Strophe erneut zu ertönen. Der Refrain wird indes vom Piano und Streichern dominiert.

Das „Morgengrauen irgendwo“ erwacht anschließend mit einer verzerrten Gitarre. Piano und Bass bekommen in der Hälfte des Songs ein kleines Solo.

Wie von einem anderen Stern klingt die Einleitung des folgenden Songs „Phragmokontrolle“. Zu den sphärischen Klängen gesellt sich erst das Piano hinzu, nach und nach folgen dann Gitarre, Drums und Bass. Der Hörer befindet sich zunächst in der Unterwasserwelt, wo Rochen über ein Schiffswrack gleiten. Die im Songintro gehörte Instrumentierung zieht sich durch den gesamten Track und erzählt die Geschichte über die innere Welt eines Menschen. Zwischendurch werden die Instrumente zurückgefahren, um die Stimmung des inneren Selbst besser zur Geltung zu bringen.

Der Titel „Abyssus“ wird ASP-Fans namentlich schon bekannt vorkommen, gab es „Abyssus 1“ bereits auf dem Album „zutiefst“ zu hören. Auf „Kosmonautilus“ findet jener nun seine Fortsetzungen in Form von „Abyssus 2-5“.
„Abyssus 2 (Musik)“ klingt zunächst mit Glockenklängen und Piano sehr verspielt, um schließlich von verzerrtem Gitarrensound und Drums abgelöst zu werden. In den Strophen wird die Instrumentierung leicht zurückgefahren, was der Geschichte des Titels Raum lässt. Düster und geheimnisvoll startet „Abyssus 3“. Hier wird das Ticken einer Uhr musikalisch nachempfunden, um den Text „Ist der Herzschlag nicht doch ein Ticken?“ zu unterstreichen. Nach eineinhalb Minuten folgt gleich im Anschluss „Abyssus 4“, ein Track, der sich als klassischer Rocksong mit eingängigem Gitarren-Loop entpuppt. Mit düster klingender Gitarre und Bass wird dann „Abyssus 5“ begleitet, was dem Song eine merkliche Schwere verleiht.

Als dunkle Metal-Hymne schließt sich „Tritons Fall“ an. Die Gitarre spielt gewollt schräg und verzerrt, während sich der düstere Klang durch den gesamten Song zieht, unterstützt von Streichern und Piano.

In eine  grausame Winterwelt wird man bei „Eishimmel“ mitgenommen. Klirrende Töne erinnern an Eiskristalle. Die Instrumentierung klingt heimtückisch und man fühlt förmlich, wie der Tod einem die Hand reicht.

Sanfter geht es in „Liebes Licht“ zu, das die Hörer zunächst mit Flöte, akustischer Gitarre und Geige ins Mittelalter versetzt. Eine tragische Geschichte über einen Ertrunkenen wird – mit traurigen Klängen untermalt- voll Schmerz erzählt.

Der elektronische, sphärische Sound, der „Tintakel“ einleitet, bildet dazu einen gelungenen Kontrast und lässt einen typischen Rock-Sound folgen.

Nach „Schatten eilen uns voraus“ und dem vorantreibenden, eingängigen „Kosmonautilus“ bildet schließlich „Bones“ den Abschluss der ersten CD. Windgeräusche, Schellen und Drums leiten den Song ein. Hinzu kommt ein Summen, welches von Rap ähnlichem Gesang abgelöst wird. Die Instrumentierung ist in den Strophen minimal gehalten und wird erst im Refrain aufgefahren, in dem sodann auch der gewohnte Gesang von ASP zu hören ist.

CD 02

Auf der zweiten CD befinden sich zum einen Live-Mitschnitte u.a. von Songs aus dem Album „zutiefst“, aufgenommen in fünf Städten. Zum anderen kommen Hörer in den Genuss von Extras wie Coverversionen und einer orchestralen Inszenierung des Songs „„Abyssus 2“.

Während die Live-Mitschnitte Gesang und Instrumentierung perfekt durch die heimischen Boxen ertönen lassen, vermittelt insbesondere Alexander „Asp“ Spreng durch die Integration des Publikums zu Beginn eines jeden Titels sowie durch seine lebhafte Erzähl- und eindringliche Gesangsweise dem Zuhörer eine hervorragende Liveatmosphäre.

ASP (Copyright: Stefan Heilemann, Heilemania)

Auch die Band Two Minds Collide darf auf „Kosmonautilus“ Hand an einen Song legen. Das Ergebnis ist eine Coverversion des Songs „Tintakel“, die zu Beginn sehr elektrolastig angelegt ist, wohingegegen der Song allgemein eher einen rockigen Charakter besitzt. Stimmlich ist dabei allerdings noch etwas Luft nach oben, klingt der Gesang doch ein wenig schwach.

Episch fällt hingegen das Orchester-Reprise von „Abyssus 2“ aus, das jedoch leider schon nach nur einer Minute am Ende angekommen ist. Hier hätte man gerne noch länger zugehört.

„Bones“ als Bonesaw Shortcut weicht vom Original nur hinsichtlich der Spielzeit ab, wurde der Track doch entsprechend des Versionstitels auf sechs Minuten gekürzt.

Ein hörenswertes Extra liefert letztlich noch „Nessaja“, eine Coverversion des Peter Maffay-Titels, der in typischer ASP-Manier neu interpretiert wird.

Fazit

ASP schaffen es immer wieder, den Hörer in neue Dimensionen und andere Welten mitzunehmen. Sowohl musikalisch als auch gesanglich hat die Band mal wieder ein Meisterwerk geschaffen. Man darf auf die Live-Umsetzung gespannt sein.

Preview

Video

Tracklist

CD 01:
01 Rückfall
02 Morgengrauen irgendwo
03 Phragmokontrolle
04 Abyssus 2
05 Tritons Fall
06 Eishimmel
07 Liebes Licht
08 Tintakel
09 Schatten eilen uns voraus
10 Abyssus 3
11 Abyssus 4
12 Abyssus 5
13 Kosmonautilus
14 Bones

CD 02:
01 Torpedos (Live in Stuttgart)
02 SonaArta (Live in Dresden)
03 zutiefst … (Live in Oberhausen)
04 Astoria verfallen (Live in Heidelberg)
05 Das Kollektiv (Live in Leipzig)
06 Tintakel (Totally Covered by Two Minds Collide)
07 Abyssus 2 (Orchestral Reprise)
08 Bones (Bonesaw Shortcut)
09 Nessaja

Details

ASP – Homepage | ASP – Facebook

Label: Trisol Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 29.11.2019
Spielzeit: 78:05 + 50:30

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Selina
Selina
Carpe Noctem