Review

Wer ASP kennt, der kennt auch die 2012 erschienene EP „GeistErfahrer; Fremder-Zyklus, Teil 1.1“. Um zwei neue Tracks ergänzt wird jene nun auf einen acht Songs umfassenden Longplayer erweitert und als solcher dieser Tage wiederveröffentlicht. Neu sind jedoch nicht nur die beiden Titel „Strom“ und „Abertausend Fragen“, sondern auch der Schlagzeugsound, der ehemals kurzfristig aus der Dose kommen musste, jetzt aber manuell von Drummer Stefan Günther-Martens eingespielt wurde.

Neuer Klang und zwei neue Titel – lohnenswert auch für jene, die bereits die Original-EP besitzen?
Jein. Wissen sollte man vorab, dass „GeistErfahrer; Fremder-Zyklus, Teil 1.1“ in zwei Versionen veröffentlicht wird: Zum einen die reguläre CD-Fassung mit acht Songs, zum anderen die limitierte 2CD-Variante inklusive Hardcoverbuch und Bonus-CD. Während die herkömmliche Version Basis dieses Reviews ist, geht unsere Empfehlung eindeutig zur limitierten Edition, die gewohnt liebevoll und detailreich aufgemacht wurde und nicht zuletzt dadurch bereits einen hohen Mehrwert besitzt.

Doch widmen wir uns an dieser Stelle dem Inhalt der „einfachen“ Version von „GeistErfahrer“.
Ausnahmslos auf Deutsch werden die Texte gehalten, was dazu führt, dass die Intentionen und Wirkungen der einzelnen Songs direkt beim Hörer ankommen.
Dass die Lyrics eine wichtige Rolle bei ASP spielen, ist nicht neu, schließlich gelten sie als Gründer des Gothic Novel Rock, spielen darüber hinaus aber auch mit sozial- und gesellschaftskritischen Themen und sprechen das aus, was viele bewegt oder sich die meisten nicht zu sagen trauen. Als künstlerisch wertvoll sind daher nicht nur die (Cover)Artworks von ASP anzusehen, sondern auch ihre musikalisch wie stimmlich dargebotenen Inhalte – und die, so beweist „GeistErfahrer“, sind sehr zeitlos. Daher können die Titel der zum Album herangewachsenen ehemaligen EP auch 2016 noch überzeugen und büßen nichts an Aktualität ein. Verpackt in wortgewandte Poesie, die sich auch bereits im zweideutigen Albumtitel widerspiegelt, bescheren ASP stets Material zum Nachdenken. So wundert es auch nicht, dass selbst jene Hörer hier noch neue Gedanken zu „GeistErfahrer“ finden werden, die die EP von 2012 bereits in ihrer Sammlung haben.

ASP (Copyright: ASP)

ASP (Copyright: ASP)

Vor allem aber sorgen die Songs „Strom“ und „Abertausend Fragen“ für genaueres Aufhorchen, denn die im Zuge der Arbeiten an der „Verfallen“-Serie entstandenen Titel sind nicht nur neu, sondern gleichzeitig äußerst gelungen.
So unterschiedlich sie klingen, so homogen fügen sie sich in den Kontext von „GeistErfahrer“ ein. Mit beiden Tracks sind Ohrwürmer vorprogrammiert und auch live sollten die zwei Nummern auf ganzer Linie zünden. Insbesondere „Abertausend Fragen“ lässt den Silberling an dieser Stelle dünn werden, denn die Melodie und die Dynamik des Titels laden zur Dauerrotation ein. Zwei typische ASP-Songs, die nicht enttäuschen werden.

Im direkten Vergleich zur umfangreichen 2CD-Variante büßt die herkömmliche Fassung in der Wertung einen Punkt ein; nicht, weil sie schlechter ist, denn Qualität wird auch hier geboten, sondern vielmehr, weil sie mit der Quantität der limitierten Doppel-CD nicht mithalten kann. Wer also die Wahl hat, der entscheidet sich für das opulentere Paket.

Video

Tracklist

01 GeistErfahrer
02 In Sack und Asche
03 Strom
04 ÜberHärte
05 Carpe noctem
06 Abertausend Fragen
07 Weichen[t]stellung
08 Danach

Details

ASP – Homepage
ASP – Facebook

Label: Trisol Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 04.11.2016
Spielzeit: 48:56

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde