Review

Eben noch im Proberaum – jetzt schon bereit für die ganz großen Bühnen, das bewies Frontfrau Sabina nicht nur bei ihrem Abstecher in der Fernseh-Castingshow „The Voice of Germany“ 2014, sondern das zeigt sie mit ihrer Band Ashby auch auf dem kürzlich erschienenen Debütalbum „Fragmental“. Jenes veranschaulicht anhand von sieben Songs und einer Gesamtspielzeit von über 60 Minuten das gesamte Potenzial der Band aus Mülheim, mit dem man imstande ist, selbst Genregrößen des Prog Rock zu überholen.

Nehmen wir es gleich zu Beginn schon vorweg: So viele Superlative gibt es gar nicht, die man für Ashby und ihr Album „Fragmental“ heranziehen könnte. Herausragend das Songwriting, technisch versiert das Spiel, ein Händchen für Epik und Dramatik – „Fragmental“ selbst kann quasi als derzeitiger Superlativ des Prog Rock gelten.

Dabei strafen die sieben Songs den Albumtitel fast schon Lügen, denn fragmentarisch klingt hier absolut nichts.
Ashby präsentieren mit „Fragmental“ vielmehr ein in sich stimmiges, zugleich abwechslungsreiches, aber insbesondere ausgefeiltes und komplexes Erstwerk, das man als solches gar nicht vermuten würde. Schon der Opener „The Faceless And The Shore“ lässt einen musikalischen und songwriterischen Erfahrungsschatz der Band vermuten, der über das Niveau eines Debüts weit hinausreicht.

Insgesamt halten Ashby (zum Beispiel sehr deutlich in „Ashes Decay“ zu hören) an klassischen Prog-Klängen längst vergangener Tage fest, wirken dafür aber dennoch stets modern – und durch energische Drums zuweilen auch verhältnismäßig hart.

Die Band schickt ihre Hörer regelmäßig vom sehr reduzierten bzw. ins Zentrum gerückten Bass- oder Pianospiel direkt in die Opulenz via Orchester-Arrangements. Diese orchestralen Beigaben sorgen gleichzeitig für Dichte und Atmosphäre und unterstützen die bereits erwähnte Epik und Dramatik der Tracks.

Abwechslung schaffen sowohl das Wechselspiel von sanften und treibenden Passagen als auch die jeweiligen Extras der einzelnen Songs. So gibt sich „Pax“ zeitweise zweistimmig, „Ashes Decay“ weist partiell Van Canto-ähnliche a cappella Strukturen auf und „The Colossal Empire“ startet mit einem ausgedehnten instrumentalen Intro. Doch nicht nur die Tracks untereinander zeugen von der Abwechslung, mit der Ashby hier zu Werke gehen, auch innerhalb der Titel gibt es viele unterschiedliche Details zu entdecken.
Gemeinsam ist den Songs jedoch ihre jeweilige Melodiestärke. Diese ist einem steten Wechsel unterworfen, sodass beispielsweise balladeske Melodiebögen von stark progressiv angehauchten schnelleren Passagen abgelöst werden. Jede hörbar gemachte Melodie verfehlt ihre Wirkung beim Hörer jedoch nicht. Für Gänsehaut- und Überraschungsmomente ist damit ausreichend gesorgt.

Ashby (Copyright: Ashby)

Ashby (Copyright: Ashby)

Obwohl das Tempo auf instrumentaler Ebene hin und wieder angezogen wird, behält „Fragmental“ allerdings eine gewisse ruhige, melancholische Grundstimmung bei. Dieser kommt besonders auch der Gesang von Sabina zugute, die ihr gesamtes Repertoire von rockig-rauchig bis hin zu heiser-sanft auffährt. Die Sängerin versteht es, ebenso Emotionen an die Hörer zu transportieren wie die Tracks in den rockigen Phasen nach vorne zu treiben.

Die Titel selbst sind mit ihren Längen von 5 Minuten bis hin zu knapp 13 Minuten kleine Mammut- und Meisterwerke, denen das Talent Ashbys in jeder Sekunde anzuhören ist.

Nicht verwunderlich also, dass man zu jedem einzelnen Song auf „Fragmental“ eine seitenweise Abhandlung schreiben könnte, doch am besten ist es, die Musik für sich selbst sprechen zu lassen. Und das sollten nicht nur Prog Rock Fans tun, sondern jeder, der auf anspruchsvolle, aber zugängliche Musik steht und normalerweise nichts mit dem hier beackerten Genre anfangen kann, denn Ashby öffnen sich vor allem durch ihre modernen Sounds und ihre Vielseitigkeit innerhalb der gewählten Stilrichtung einem breiten Hörerkreis.

Teaser

Tracklist

01 The Faceless And The Shore
02 Aether – A Lunar Year
03 Ashes Decay
04 Pax
05 The Colossal Empire
06 Holy Water
07 A Question Never Heard

Details

Ashby – Homepage
Ashby – Facebook

Label: Selfrelease
Vö-Termin: 13.11.2015
Spielzeit: 64:27

Copyright Cover: Ashby



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde