Review

Die Schweden, die können es einfach, denn (Pop)Musik, die uns aus dem östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel erreicht, schneidet international meist erfolgreich ab und steht oftmals für Eingängigkeit und den Zuspruch einer breiten Hörerschaft. Da sollten auch Ashbury Heights keine Ausnahme bilden, und wirft man das aktuelle Album des Duos, „The Looking Glass Society“, in den Player seines Vertrauens, wird klar, dass man mit der Vermutung richtig liegt, und mehr noch, dass die Mehrheit der Titel wohl nicht nur für die heimische Anlage wie geschaffen ist, sondern zudem in dem einen oder anderen Club gespielt werden dürfte.

Geschuldet ist dies den zwölf pumpenden Electropop Songs im futuristischen Klanggewand, denen es auch an 80er Charme zeitweise nicht mangelt.

Nur wenige Male stößt man beim Konsum von „The Looking Glass Society“ auf einzelne Tracks, die zunächst lediglich an einem (auf zugegeben angenehme Weise) vorbeirauschen, ohne auf Anhieb – und trotz teils innovativer Klangzusammensetzungen – längerfristig im Ohr zu bleiben. Diese besagten Titel sind dennoch vom Prinzip her nicht schlecht, benötigen jedoch den einen oder anderen zusätzlichen Hördurchgang, um es über eine solide Grundgefälligkeit hinaus zu schaffen.

Umso deutlicher fallen dann die Tracks auf, die sofort und vor allem nachhaltig zünden. Glücklicherweise steigt man mit solchen Songs auch ins Album ein. So ist die komplette erste Hälfte von „The Looking Glass Society“ anspieltippwürdig.

Ashbury Heights konzentrieren sich dabei auf bequeme, simple Melodien, repetitive Phasen, die Verschmelzung von klassischem Charts-Pop mit new-wavigen, synthpoppigen Strukturen, Lyrics nach dem Motto „weniger ist mehr“ und erleichtern dem Hörer damit, sowohl schnell Bekanntschaft mit der neuen Sängerin Tea F. Thieme zu machen, als auch einen umgehenden Zugang zu „The Looking Glass Society“ zu finden.

Nachdem sich Opener „Masque“ schon als Ohrwurm entpuppt hat, legt man ein wenig „dunkler“ mit „Heart of Darkness“ nach.
„Glow“ startet mit einer Streicher-„Simulation“ und betont einen Klassik-Pop-Touch, der im weiteren Verlauf mehr in den Hintergrund rückt. In den Hintergrund rücken hier zudem die weiblichen Vocals, denn jene gehen in der vollen Electro-Ladung unter. Gut, dass zu „Glow“ bereits ein Video gedreht wurde, sodass Sängerin Tea in diesem Song wenigstens visuell als nettes Beiwerk fungiert. Stören tut dies allerdings auch nicht weiter, denn Ashbury Heights Gründer und Sänger Anders Hagström bewältigt den Song auch ohne hörbare weibliche Verstärkung.

Ein kleines Highlight, das mit seinem rahmenbildenden „barocken“ Elementen beinahe burtonesk wirkt bzw. für dessen Filme durchaus als Soundtrack dienen könnte, ist der Song „Hollow“. Cembaloartig zu Beginn und am Ende, 80er Feeling in den Strophen, entwickelt der Titel jedoch zunehmend eine Dominanz zum Dance und Trance.

In „Phantasmagoria“ konnten bereits all die reinhören, die den Sampler „Electrostorm – Volume 6“ ihr Eigen nennen, denn dort war der Song bereits vertreten.
Dringend hören sollte man zudem „Starlight“, der – nach Ausflügen in die Welt des Sounds eines David Guetta – wieder die dunkle Seite von Ashbury Heights hervorbringt, damit „szenetauglicher“ ausgefallen ist und sogar einiges an Atmosphäre zu bieten hat, statt zu „glattgebügelt“ und retortenartig zu wirken.

Ashbury Heights (Copyright: Josefine Jönsson, 2014 | www.josefinejonsson.com)

Ashbury Heights (Copyright: Josefine Jönsson, 2014 | www.josefinejonsson.com)

Apropos: auch wenn Ashbury Heights oftmals den Weg in die Dance-Trance-Ecke einschlagen, verlieren sie sich zu keinem Zeitpunkt in belanglosem Pop. Ein gewisser Anspruch sowie kreative und innovative Ideen sind stets anzutreffen. Schade nur, dass hin und wieder der Gedanke aufkommt, dass einige Songs gewisse Ähnlichkeiten untereinander aufweisen.

Von einer seichten Version von Blutengel über Elemente, die ein David Guetta nicht besser hätte in seine Songs integrieren können, geben sich Ashbury Heights mit einer starken Pop- und Dance-Ausrichtung auf „The Looking Glass Society“ massenkompatibel, ohne sich die Möglichkeit zu verspielen, auch die dunkle Szene anzusprechen. Ein Spagat, der immer dann, wenn es zu Guetta-mäßig (wie beispielsweise zu hören an den Zwischenbeats in „Leave Off At Seven“) oder schlageresk (wie in „Ghost Spirit Mother“) wird , zu leichten Zerrungen führen kann, im Großen und Ganzen jedoch – insbesondere durch die unbestrittene Eingängigkeit – gut gemeistert wird.

Auch wenn hin und wieder der Eindruck entsteht, viele Songs von „The Looking Glass Society“ wären besser bei The Dome und Co. statt auf den Festivals und in den Clubs der dunklen Szene aufgehoben, sei das Album all jenen Electro-Fans empfohlen, die es auch mal bunter als nur schwarz mögen. Schließlich kann man dem Album vor allem nach mehrmaligem Hören nur ein „großartig“ bescheinigen.

Video

Tracklist

01 Masque
02 Heart Of Darkness
03 Glow
04 Hollow
05 Phantasmagoria
06 Piano
07 Leave Off At Seven
08 The Number 22
09 Gravitational Man
10 Ghost Spirit Mother
11 Starlight
12 November Corrosion

Details

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Label: Out of Line
Vö-Termin: 24.07.2015
Spielzeit: 57:19

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde