Review

Arogya ist eine Synth-Rock Band aus Indien, die hierzulande mit ihrem neuen, von Chris Harms (Lord of the Lost) produzierten und über Out of Line Music veröffentlichten Album „Genesis“ vorstellig wird.

Das Label gibt zudem Auskunft darüber, was die Hörer inhaltlich und musikalisch von den darauf befindlichen zehn Songs erwarten dürfen. Und das ist Folgendes:

„Genesis“ beschäftigt sich thematisch sowie musikalisch mit der Schöpfungsgeschichte:

Die Vergangenheit manifestiert sich in ihrem vorwärtstreibenden Synth-Rock, der ein 80er-Jahre-Nostalgie-Feeling erzeugt, während waschechter Metal die Gegenwart dominiert und eine feine Prise Dark Pop für die Zukunft steht und ein wahres Fest für die Sinne ist – klanglich wie visuell.

„Genesis“ bietet lyrisch eine Möglichkeit der Katharsis für den Geist und soundtechnisch für den Körper, womit sich auch der Bandname erklärt, der in Sanskrit wörtlich „healer“ bedeutet.

Kleine Notiz am Rande: Arogya die erste indische Synth-Rock-Band überhaupt sowie die erste Band aus Nordostindien, die bei einem internationalen Plattenlabel gesignt ist. Doch nun zu den Songs.

Die Songs

Verzerrte Synthesizer-Klänge leiten den Opener „Sky Afar“ ein. Die Stimme von Frontmann Rain fällt sofort extrem positiv auf. Er bietet einen perfekten Mix aus cleanem und kratzigem, fast schon gescreamtem Gesang. Die Melodie des Titels ist sehr eingängig und die Mischung aus Metal und elektronischen Elementen scheint perfekt ausgewogen zu sein. Auch ein amtliches Gitarrensolo darf nicht fehlen.

Das folgende Stück „Broken“ versprüht durch seine diversen Syntheffekte in den reinen Instrumentalparts einen Hauch 80er-Jahre Sound. Der klare Gesang ist dabei so schön, dass es den Hörern einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Auch die Screaming- und Growling-Parts sind perfekt auf die Instrumentierung abgestimmt und trotz der harten Metal-Elemente wirkt der Song fast schon weich und melancholisch.

Den Eindruck, als sei man in einem 80er-Jahre Arcade Game gefangen, vermittelt „Dust“ anfangs. Gesanglich bietet man ein Wechselspiel zwischen cleanem Gesang und Growls. Auch rein gesprochene Parts sind im Song zu finden. Wie auch die bisherigen Songs ist dieser Track extrem eingängig und super melodisch.

Mit ordentlichem Orgel-Sound wird „Lonely Night Descends“ eingeleitet. Trotz der Synth-Elemente liefert die Band hier einen klassischen Rock-Sound ab, der sich auch im Gesang abbildet. Die Orgel bekommt zusammen mit der Gitarre einen Solopart.

Düsterer, diffuser Sound leitet passend „Dark World“ ein, das in seinen letzten 17 Sekunden mit verworrenem, futuristischem Synth-Sound ausklingt. Dazwischen kommt – insbesondere in den Strophen – die extrem breite gesangliche Range von Frontmann Rain gut zur Geltung.

Ähnlich düster klingt zu Beginn „Misery’s Lair“. Da in den Strophen die Instrumentierung minimalistisch gehalten wird, gibt man der Gesangsstimme viel Raum. Der geloopte Synthesizer-Sound zieht sich unaufdringlich durch den ganzen Song und vermittelt eine gewisse Beständigkeit.

„Charade“ liefert musikalisch eine ordentliche Härte, die gesanglich durch partielles Screaming unterstützt wird. Metal wird hier mit futuristischen Synthesizer-Klängen gepaart und verursacht einen außergewöhnlichen Sound.

Arogya (Copyright: Arogya)

Eine volle Ladung 80er Synthesizer-Sound bekommt der Hörer auch bei „Lies“. In diesem mitreißenden Track sind die Gesangsparts wieder perfekt in Klargesang und Screaming aufgeteilt, was den Eindruck eines Kampfes zwischen Gut und Böse vermittelt.

Positiv und freundlich klingt hingegen „Break Free“. Die Synthesizer vermitteln eine tanzbare Grundstimmung; gesanglich fühlt man sich von Rain in die Arme genommen. Zudem ist es immer noch bemerkenswert, wie es die Band schafft, jeden ihrer Songs auf dieser Scheibe so extrem eingängig zu gestalten.

Das Ende der Schöpfungsgeschichte bildet „Throne“. Diverse Tempiwechsel und unterschiedliche Instrumentierungen vermitteln das Gefühl, als bestehe dieser Song aus verschiedenen Tracks. Hier werden noch mal alle musikalischen und gesanglichen Register gezogen.

Fazit

Man könnte sagen, alles was Chris Harms musikalisch in die Hände nimmt, wird zu Gold. Aber auch die von ihm produzierte Band Arogya arbeitet musikalisch und gesanglich auf ganz hohem Niveau.

Auch wenn das Werk „Genesis“ für manchen Hörer musikalisches Neuland sein mag, da es Elemente aus Synthrock, Dark Rock, Metal und Visual Key vereint und so einen unverwechselbaren Sound erschafft, und sich einem das Gesamtkonzept eventuell nicht beim ersten Hören sofort erschließen könnte, gelingen den Musikern aus Indien extrem eingängige Tracks, mit denen sie international Gehör finden werden.


Genesis

Video

Tracklist

01 Sky Afar
02 Broken
03 Dust
04 Lonely Night Descends
05 Dark World
06 Misery’s Lair
07 Charade
08 Lies
09 Break Free
10 Throne

Details

Arogya – Homepage | Arogya – Facebook

Label: Out of Line
Vö-Termin: 23.04.2021
Spielzeit: 38:03

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem