Review

Armin Sengbusch und die geheimen Sinfoniker verkündeten unlängst: „Ich kann fühlen, dass du einsam bist“. 2016 gibt sich der Singer-Songwriter nun „Zeitlos“, denn seinem Stil verpasst Sengbusch gemeinsam mit Christof Osburg eine deutlich poppigere und elektronische Nuance. Entsprechend treten die Künstler nun unter dem Namen Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker auf, und dass es den kreativen Köpfen nicht an Ideen mangelt, davon zeugen gleich satte 20 Titel, die auf der Doppel-CD „Zeitlos“ ihren Platz gefunden haben.

Im Infotext zur Veröffentlichung heißt es dazu: „Liedermacher-Kultur trifft Elektronik, Pop und Tiefsinn“. Und wer „Ich kann fühlen, dass du einsam bist“ bereits kennt, der wird gerade Letzteres auch hier erwarten. Umso spannender die Frage, wie Armin Sengbusch & Co. die stilistisch neue Kombination gelingt.

Nach dem ersten Hördurchgang wird zweierlei schnell klar:
Zum einen bewahrt sich Armin Sengbusch tatsächlich die Tiefe der Texte und seine Wortakrobatik.
Zum anderen fällt es schwer, das Doppelalbum „Zeitlos“ im Laufe seiner Spielzeit als reine Musik-CD zu kategorisieren. Während zu Beginn noch der Wechselgesang aus männlichen und weiblichen Vocals dominiert, nimmt im weiteren Verlauf der Sprechgesang sowie eine pure Vertonung der Lyrics zu, gebettet auf eher meditativ wirkenden musikalischen Arrangements, die dezent als Begleitung im Hintergrund vernommen werden, während die Inhalte, man möchte schon sagen die Poesie, an Gewicht gewinnen und im Mittelpunkt stehen. Von einer Musik-CD zur Hörbuchfassung entwickelt sich „Zeitlos“ somit und wird trotzdem oder gerade deswegen seinem Namen gerecht.

Ob als Ausflug in die Bandbreite der synthetischen Klänge, die akustisch und musikalisch bis in die 80er Jahre zurückführen und in „Blauwal“ beispielsweise Assoziationen zu Welle:Erdball oder Retro-Videospiel-Soundtracks wecken, mit „Kein Problem“ einen Hauch NDW versprühen oder als „gesungener und gesprochener Poetry Slam“, der oftmals an Autor Dirk Bernemann erinnert (wie u.a. in „Punkt Punkt Punkt“), wahrgenommen werden – „Zeitlos“ gibt sich insgesamt sehr abwechslungsreich.

Dass Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker dabei nicht immer den emotionalen Ton des akustisch geprägten Vorgängerwerks treffen, bedeutet nicht, dass die Texte spurlos am Hörer vorbeigehen. Im Gegenteil, denn ein Song wie „Dunkles Geständnis“ könnte seitens des Musikers persönlicher nicht sein und das hört auch der Konsument deutlich heraus. Das hier aufklärende Aufmerksammachen auf das Thema Depression bzw. Dysthymie ist Sengbusch aufgrund seiner eigenen Betroffenheit ein Anliegen und in Anbetracht der Unwissenheit vieler Menschen eine Notwendigkeit, um das Thema nicht länger zu tabuisieren.

Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker (Copyright: Armin Sengbusch)

Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker (Copyright: Armin Sengbusch)

Konträr dazu platzieren Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker zudem einige auflockernde Tracks auf „Zeitlos“, die dem Zuhörer das eine oder andere Schmunzeln entlocken. „Keine Ahnung“ sei diesbezüglich als Beispiel genannt, das nicht nur inhaltlich unterhält, sondern auch auf musikalischer Ebene für einige Überraschungen sorgt, indem das Vorgetragene stets passend mit teils bekannten Melodien untermalt wird. So schiebt sich mal das „Pirates of the Caribbean“-Theme in den Kontext ein, mal die Titelmelodie von „Star Wars“. Die Gründe dafür seien an dieser Stelle aufgrund von Spoileralarm nicht genannt, es lohnt sich aber, hier genauer hinzuhören.

Man sollte vorab wissen, dass Armin Sengbusch und die geheimen Synthetiker Wege bestreiten, die inhaltlich als auch musikalisch kaum der Norm entsprechen, für einige Ohren eventuell sogar unbequem erscheinen könnten. Dies macht sich vor allem in der Überschreitung von Genregrenzen bemerkbar, wenn jene denn mal zum Zuge kommen. Darüber hinaus weist das Doppelalbum „Zeitlos“ einen hohen und insbesondere zunehmenden Anteil Hörbuch-Charme auf, dem man jedoch auch mehrmals gerne frönen möchte.

Video

Tracklist

CD 01:
01 Krieger des Lichts
02 Damals
03 Vermissen
04 Blauwal
05 Kein Problem
06 Das Manifest
07 Mittendrin
08 Menschen
09 Auf dem Dach der Welt
10 Treffer
11 Punkt Punkt Punkt
12 Wetterbericht
13 … und dann kommt nur noch Stille

CD 02:
01 Wenn du mit mir sprichst
02 Zwischen den Mächten
03 Keine Ahnung
04 Im Wasser
05 Auf der Suche
06 Dunkles Geständnis
07 Randgruppe

Details

Armin Sengbusch – Homepage
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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 26.08.2016
Spielzeit: 44:41 + 42:18

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde