Review

Beim Poetry Slam war Armin Sengbusch bisher nie nur Sieger der Herzen, sondern u.a. Hamburger Meister und zweimaliger Halbfinalist der deutschsprachigen Meisterschaften. Herz ist aber das Stichwort, wenn man sich mit seinem Debütalbum „Ich kann fühlen, dass du einsam bist“ beschäftigt, denn mitten in dieses Organ des Hörers treffen seine darauf zu findenden elf Songs.

Armin Sengbusch selbst spricht von „Stimmungshits zum Mitweinen, Nachdenken und Genießen“. Und recht möchte man ihm geben, denn der Wortakrobat, der sich auf diesem Album im Singer & Songwriter-Bereich aufhält, fabriziert keine leeren Worthülsen, sondern er hat etwas zu sagen und sollte entsprechend auch gehört werden. Schade nur, dass sein Stil vermutlich zu keinem Zeitpunkt die breite Masse ansprechen wird, denn sehr speziell und leise versucht sich der Musiker hier Gehör zu verschaffen.

Im Zentrum seiner Musik stehen selbstverständlich die Lyrics, und diese werden durch die reduzierte Instrumentierung auch in den Vordergrund gerückt.
Mal als Sprechgesang, mal als vertonte Lyrik, in den meisten Fällen aber mit warmer Stimme gesungen, fluten die bedeutungsschwangeren Worte auf den Hörer ein und beschäftigen ihn auch lange nach dem letzten Ton von „Ich kann fühlen, dass du einsam bist“ noch.

Die Stimmung und Interpretation der Tracks erinnern oftmals an den Musiker Gregor Meyle. Es geht in der Mehrheit der Songs sentimental, ruhig und nachdenklich zu, außerdem schwingt häufig eine subtile Melancholie in den Songs mit.
Hervorgerufen wird dies abermals durch die Texte, aber auch die Streicher der „geheimen Sinfoniker“ sowie die Gitarre des Sängers selbst tragen zur Atmosphäre des Albums bei.

Armin Sengbusch (Copyright: Armin Sengbusch)

Armin Sengbusch (Copyright: Armin Sengbusch)

Daneben sorgt Armin Sengbusch jedoch auch das eine oder andere Mal für Überraschungen, denn „Stille“ beispielsweise, von dem man zunächst annimmt, dass dieser Track ebenfalls die Ruhe selbst transportiert, bricht mit Fanta 4-artigen Klängen à la „Tag am Meer“ aus dem musikalischen Gesamtkontext heraus, ohne allerdings den roten Faden ganz aus den Augen zu verlieren.

„Ich kann fühlen, dass du einsam bist“ ist ein Album, das man nicht nebenbei hören kann; dafür packt einen Armin Sengbusch einfach zu sehr und der Hörer kann gar nicht anders, als jedem seiner Worte intensiv zu lauschen. Dass man nicht durch vielschichtige Arrangements oder facettenreiche Instrumentierungen vom Wesentlichen des Albums abgelenkt wird, ist dabei positiv hervorzuheben, auch wenn gerade dies vielen auf Dauer zu monoton erscheinen mag. Wer den Poeten jedoch nicht nur auf der Poetry Slam Bühne erleben, sondern ihn auch musikalisch agieren hören möchte, der muss sich das Album dringend zulegen. Auch Fans von Gregor Meyle sollten ein Ohr riskieren.

Video

Tracklist

01 Rechts & Links
02 Denkmal
03 Anonym
04 Christine
05 Stille
06 Gedankenbäume
07 Flockwerk
08 Hallo Gott
09 Lass Los
10 Kein Glück und kein Segen
11 Traumfrau

Details

Armin Sengbusch – Homepage
Armin Sengbusch – Facebook
Armin Sengbusch – Twitter

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 12.12.2014
Spielzeit: 43:45

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde