Review

Ist es bereits ein gutes Omen, dass die Band Arion aus Finnland kommt, einem Land, das extrem viele gute Bands im Metalsektor hervorbrachte, und einen Frontmann vorweist, der den Nachnamen Holopainen trägt?
Ihr Debütalbum, die zweite Veröffentlichung nach der EP „New Dawn“ aus dem Jahr 2013, scheint dies zu bestätigen, denn was mit dem Silberling namens „Last of Us“ auf Hörer melodischen Metals zukommt, ist ganz großes Kino!

Währt das Quintett die Hörerschaft mit dem knapp 2-minütigen Intro „The Passage“ auf rein instrumentale Art noch in Sicherheit, zeigt damit aber bereits andeutungsweise die Richtung an, die „Last of Us“ einschlagen wird, indem bombastische Orchesterarrangements soundtracktaugliche Melodien hervorbringen, gibt man mit dem anschließenden „Out of the Ashes“, in das nahtlos übergeleitet wird, alles an musikalischem Können preis.

Die auch im Folgenden deutlich hörbaren hellen Keyboardsounds muss man zwar mögen, sie sind aber im Bereich des Symphonic Melodic Metal keine Seltenheit. Dafür begeistern auf ganzer Linie melodische Strukturen, ausgiebige, teils sogar progressiv angehauchte Gitarrensoli und aufwendig scheinende komplexe orchestrale Passagen, die nicht nur in instrumentalen Phasen, sondern auch während der Strophen und Refrains immer wieder als begleitende Elemente (mal mehr, mal weniger intensiv) zum Vorschein kommen.

Eingängigkeit zeichnet dabei alle Titel auf „Last of Us“ aus – abgesehen von „The Passage“, das vielmehr Atmosphäre aufbauen und stimmungsvoll in das Album einleiten soll.
Somit ist es insgesamt äußerst angenehm, sich durch das Album von Arion zu hören, das dann aber viel zu schnell vorbei ist. Dies wundert insofern, betrachtet man die jeweiligen Spielzeiten der Songs. Überwiegend im soliden 4-Minuten-Bereich, mit „Burn Your Ship“, das entsprechend abwechslungsreich ausgefallen ist, auch mal die 7-Minuten-Marke knackend, weisen alle Tracks mehr als genug Spiellänge auf und trotzdem ist „Last of Us“ im Nu am Ende angekommen.

Arion (Copyright: Antti Jussi Savolainen)

Arion (Copyright: Antti Jussi Savolainen)

Jetzt ist es den gelungenen Hooks zu verdanken, dass auch ein wiederholtes Hören geradezu einladend wirkt und selbst mehrere Durchläufe keine Langeweile aufkommen lassen.

Einen großen Beitrag dazu leistet die noch erwähnenswerte Gesangsstimme von Viljami Holopainen. Sehr erwachsen klingt der erst 18-jährige Sänger auf „Last of Us“ und bereichert Arion mit angenehmer Stimmfarbe und facettenreichem Gesang.
Ob in balladesken Titeln wie dem Titeltrack oder dem emotionalen „You’re My Melody“, mit aggressiveren Vocals, die in „Shadows“ hörbar sind, oder mit einer Stimme, die auch in einer kommerziell ausgerichteten Rockband denkbar wäre, Holopainen hört man gerne und immer wieder zu.

Insgesamt merkt man Arion kaum an, dass es sich hier um eine noch sehr junge Band handelt. Dies lässt erahnen, dass uns mit den Finnen noch Großes bevorsteht. Und „Last of Us“ beweist, dass man sich darauf durchaus freuen kann.

Video

Tracklist

01 The Passage
02 Out of the Ashes
03 Shadows
04 Seven
05 Last of Us
06 I Am the Storm
07 You’re My Melody
08 Burn Your Ship
09 Lost
10 Watching You Fall
11 Shadows (Extended Version)

Details

Arion – Facebook

Label: Ranka Kustannus / Soulfood
Vö-Termin: 22.08.2014
Spielzeit: 54:46

Copyright Cover: Ranka Kustannus



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde