Review

Legt man das aktuelle Album „When Traces End“ von Arctic Sunrise in den Player, dann sollte man wissen, dass hier nicht unbedingt reine Clubhits – wie für den Synthpop recht typisch – auf den Hörer warten. Vielmehr setzt das Duo auf Atmosphäre. Dieser kommt vor allem der warme, melodische Gesang zugute, durch den man die Tracks auch dann aufmerksam verfolgt, wenn sie an Eingängigkeit verlieren.

Denn – ebenfalls untypisch für das Genre – sind es auf „When Traces End“ nur bedingt potenzielle eingängige Ohrwürmer, die den Hörer in ihren Bann ziehen. Arctic Sunrise bringen stattdessen mit einer tiefgründigen Interpretation des Genres das Eis zum Schmelzen.
Das Zweiergespann aus Mönchengladbach schickt den Konsumenten in seinen elf Songs auf eine Reise, die zuweilen die gesamte Aufmerksamkeit fordert. Fern von 08/15-Strukturen und bereits unzählige Male Gehörtem ist „When Traces End“ selten etwas für zwischendurch, sondern bietet ein Hörerlebnis, das an der Oberfläche kratzt und sie schließlich immer wieder durchbricht. Kein Kurztrip also, sondern eine intensive Beschäftigung mit dem Album ist das Ergebnis.

Obwohl nicht alle Songs umgehend ins Ohr gehen, mangelt es ihnen nicht an Melodiösität. Als Opener servieren Arctic Sunrise mit „Silent Tears“ jedoch zunächst einmal eine Nummer, die den Zugang zum Album umgehend gewährleistet. Es wundert daher nicht, dass „Silent Tears“ auch als erste Single-Auskopplung gewählt wurde; wenngleich sie nur eingeschränkt als Repräsentant für das gesamte Album gilt. Denn schon Folgesong „Tell The Truth“ setzt, das Tempo etwas reduzierend, vermehrt auf Stimmung und Emotionalität.

Den Ansatz der Entschleunigung führt man im anschließenden „Mine Forever“ fort. Sehr reduziert auf wesentliche Bestandteile und sphärische Klänge lädt der Song zum Träumen ein.

Arctic Sunrise (Copyright: deFOTOGRAF)

Hörbar hebt sich letztendlich noch der Titel „A Lifetime To Disagree“ vom Rest des Albums ab. Dumpfer als das Gebotene zuvor klingend, besitzt der Song fast schon einen Remix-Charakter, fügt sich insgesamt aber gut in den Kontext von „When Traces End“ ein.

Angesichts der Tatsache, dass Arctic Sunrise ausschließlich auf Retro-Sounds und analoge Klanglandschaften setzen, klingt „When Traces End“ äußerst modern und zeitgemäß, sodass das Projekt aus Deutschland sogar mit internationalen Bands und Standards mithalten kann.

Wer auf der Suche nach Synthpop der besonderen Art ist und in diesem Genre gerne mal das Tanzbein schonen, sich dafür aber auf andere Weise von der Musik treiben lassen möchte, der sollte dringend zugreifen.

Video

Tracklist

01 Silent Tears
02 Tell The Truth
03 Mine Forever
04 Changing
05 Let It Rain
06 Over Me
07 Forever Yours
08 When Traces End
09 A Lifetime To Disagree
10 The End Of Things
11 Your Eyes

Details

Arctic Sunrise – Facebook

Label: Echozone / Bob-Media / Believe Digital
Vö-Termin: 28.10.2016
Spielzeit: 43:06

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde