Review

Apocalyptica können es allen nur schwer recht machen. Veröffentlichen sie ein Album mit Fokus auf die Instrumentierung, während nur wenige Gastsänger ihre Vocals beisteuern, heißt es: Warum nicht mehr davon? Dominiert auf einem Album dann aber der Gesang und die Celli treten in den Hintergrund, passt vielen dieses Konzept auch nicht. Ähnlich wird es „Shadowmaker“ ergehen, dem aktuellen Album der Finnen; mit einem Unterschied: die hier vorkommenden Vocals wurden dieses Mal nicht von verschiedenen Gastsängern übernommen, sondern Apocalyptica verpflichteten Franky Perez (ex-Mitglied bei Scars On Broadway sowie solo unterwegs) als exklusiven Sänger für ihre Songs. Perez wird darüber hinaus auch die Tournee der Band am Mikro begleiten.

Recht abwechslungsreich verspricht das nicht gerade zu werden, dafür präsentieren Apocalyptica ein ansprechendes Gleichgewicht zwischen Songs mit und ohne Gesang. Das ist man von ihnen inzwischen gewöhnt und das bekommt man auch 2015 von ihnen geboten.

Nach dem ersten Hördurchgang ist jedoch zweierlei klar; zum einen bedarf es mehrerer Durchläufe, um sich an den hier präsentierten Sound zu gewöhnen, zum anderen ist jener sehr „amerikanisch“ ausgefallen.
Produzent Nick Raskulinecz (u.a. verantwortlich für seine Arbeit mit Foo Fighters und Mastodon) lässt die einstige finnische Melancholie weichen und macht damit Platz für druckvoll in Szene gesetzten (Alternative) Metal amerikanischer Prägung. Das zu mögen, ist Voraussetzung, um Gefallen an „Shadowmaker“ zu finden, denn dominant sticht dieses Merkmal des Albums ins Ohr.

Auch dass die Celli oftmals zu sehr in den Hintergrund gerückt werden, ist ein Umstand, der den Hörer ab und an zweifeln lässt, es hier tatsächlich mit einem Apocalyptica Album zu tun zu haben. Daneben werden die Streichinstrumente derart facettenreich bespielt, dass E-verstärktes Saitenbearbeiten ebenso zur Tagesordnung gehört wie die klassische Spielvariante.

Hin und wieder werden die unterschiedlichen Celli-Spielarten mit gewöhnungsbedürftigen Beats begleitet, wie „Riot Lights“ zeigt. Im Stile von Lindsey Stirling entfernt man sich vom Metal und den damit einhergehenden härteren Klängen und setzt auf Tempo sowie poppige Beats. Stirling bereitete den Weg für diese Stilmixtur, dass Apocalyptica sich jener aber bedienen, war wohl nicht zu erwarten. Überraschung – ob jedoch positiver oder negativer Natur, liegt in der Hand des jeweiligen Hörers.

Apocalyptica (Copyright: Apocalyptica)

Apocalyptica (Copyright: Apocalyptica)

Immerhin gibt es auch die Tracks, die wieder mit hervorragender Melodie aufwarten und an die Wurzeln der Finnen erinnern. Insbesondere dann, wenn es instrumental zugeht oder die Stimme mehr in den Hintergrund rückt.

Franky Perez kann man seinen Job allerdings nicht schlecht reden, er liefert eine gute Arbeit ab, die zum Stil von „Shadowmaker“ passt. Dabei beherrscht er sowohl die ruhigen als auch die aggressiveren Töne. Trotzdem wirkt das Ganze auf Albumlänge häufig zu beliebig. Kein Song sticht mit ihm am Mikro nennenswert heraus, mehr noch büßen Apocalyptica auf ihrem aktuellen Silberling etwas von ihrem Wiedererkennungswert ein.

Schade muss man da sagen, denn obwohl sie mit vielen Songs Potenzial zu Radiohits aufweisen, könnten sich Fans der „Band“ hin und wieder vor den Kopf gestoßen fühlen. Somit hinterlässt „Shadowmaker“ einen zwiespältigen Eindruck. Es bleiben dennoch „empfehlenswerte“ 3,5 Punkte, geschuldet dem unumstrittenen musikalischen Talent der Finnen. Apocalyptica-Kenner werden das Album jedoch eher im 2- bis 3-Punkte-Bereich ansiedeln.

Video

Tracklist

01 I-III-V Seed of Chaos
02 Cold Blood
03 Shadowmaker
04 Slow Burn
05 Reign of Fear
06 Hole in my Soul
07 House of Chains
08 Riot Lights
09 Come Back Down
10 Sea Song (You Waded Out)
11 Till Death Do Us Part
12 Dead Man’s Eyes

Details

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Label: Harmageddon Records  / OMN Label Services
Vö-Termin: 17.04.2015
Spielzeit: 67:17

Copyright Cover: Harmageddon Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde