Review

In einem schmucken Digipak präsentieren die Australier Anubis ihr inzwischen drittes Album.
Dieses wurde „Hitchhiking To Byzantium“ getauft und umfasst insgesamt zehn Songs voller Wärme und Atmosphäre.

Schon im Opener „Fadeout“ zeigt sich eine sehr zarte und gefühlvolle Stimme, die zwar erst einmal eher gesprochen als gesungen daherkommt, dafür aber auch im weiteren Verlauf der CD dominierend den Ton angibt.
Zunächst nur begleitet von einer minimalen Instrumentierung, darunter Pauken und dezente Gitarrenanschläge, mausert sich „Fadeout“ zu einem cineastischen Intro, bei dem die Drums mit laufender Spielzeit zunehmen und aus dem ruhigen Anfang einen dichten, allerdings nicht eingängigen Track zaubern.

Das abrupte Ende geht nahtlos in den zweiten Titel „A King with No Crown“ über, der dann schon mehr Gesang aufweist.
Im Stil neuer Amorphis und Anathema spielen Anubis im Refrain mit Melodien, die gefallen, aber weit davon entfernt sind, im Ohr zu bleiben.

Schon jetzt ist klar: „Hitchhiking To Byzantium“ ist kein Album, mit dem die Australier dem Hörer beiläufig die Zeit vertreiben wollen. Vielmehr gilt es, den Titeln aufmerksam zu lauschen und sich auf die dabei gebotene Stilmixtur aus Art- und Progressive Rock einzulassen. Dies funktioniert nicht leicht; es bedarf also einiges an Geduld und Verständnis für ausgiebige Klangerlebnisse, die nicht für die Masse gedacht sind. Bringt man derartige Voraussetzungen allerdings mit und kann sich vor allem für die Bandbreite, die der Artrock und Prog Rock mit sich bringen, begeistern, so stößt man auf handwerklich gut gemachte Titel, die insbesondere durch die Gesangsstimme überzeugen.

Neben gefühlvollen Tönen besitzt der Sänger zudem eine Eindringlichkeit in seiner Stimme, die gerade an den gitarrenlastigen Stellen und gegen das Schlagwerk gut ankommt.

Anubis (Copyright: Timothy J Neill)

Anubis (Copyright: Timothy J Neill)

Ein herausragendes Highlight auf „Hitchhiking To Byzantium“ ist sicherlich der Song „Dead Trees“, der auch Neulingen dieses kunstlastige Genre „Artrock“ näherbringt. Denn durch einen gefälligen Refrain und die berührende Melodie fällt der Titel mit weniger Eigenheiten auf, als beispielsweise ein schnelleres „Blood is Thicker than Common Sense“, das die typischen Markenzeichen des Artrocks schon eher vorweist.
Auch der sanfte, ausgefadete Ausstieg aus „Dead Trees“ scheint hier stimmig.
Die abschließenden (Geräusch)samples muss man hingegen mögen, auch wenn sie inhaltlich zum Kontext passen.

Dass Anubis des Öfteren mit Backingvocals oder zwei- bzw. mehrstimmig agieren, beweist u.a. der Titeltrack.
Weil aber die Zweitstimme in diesem Lied sehr eigen klingt, fällt das Ergebnis nicht ganz so schön aus wie erhofft. Dieser Störfaktor verschwindet jedoch mit einiger Gewöhnung.
Dafür machen sich Klaviermelodien in „A Room with a View“ und „Silent Wandering Ghosts“ breit, die das Album schließlich phasenweise ruhig ausklingen lassen.

Anubis entwickeln jeden ihrer Songs derart, dass sich diese als kleine musikalische Kunstwerke entpuppen.
Dabei ist es nicht unbedingt die Länge der jeweiligen Titel, die dem zuträglich ist, denn eher untypisch für progressive Verhältnisse wirken die Nummern sehr kurzweilig. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie sich die Songaufbauten und -arrangements darstellen, die dazu beiträgt, Atmosphäre aufzubauen, die Lyrics zu entfalten und die Inhalte auf ruhige, fast schon meditative Weise an die Hörer zu transportieren.
Der cineastische Sound zeugt ebenfalls von im wahrsten Sinne des Wortes „großem Kino“, das allerdings nur einer eng gesteckten Zielgruppe gefallen könnte.

Video

Tracklist

01 Fadeout
02 A King with No Crown
03 Dead Trees
04 Hitchhiking to Byzantium
05 Blood is Thicker than Common Sense
06 Tightening of the Screws
07 Partitionists
08 Crimson Stained Romance
09 A Room with a View
10 Silent Wandering Ghosts

Details

Anubis – Homepage
Anubis – Facebook

Label: Bird’s Robe Records / Just For Kicks Music
Vö-Termin: 27.06.2014
Spielzeit: 77:41

Copyright Cover: Bird’s Robe Records / Just For Kicks Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde