Review

Die Faszination, vielleicht auch eine dadurch entstandene Liebe zu zwei Städten veranlasste Antoine Villoutreix, seinen Langspieler „Paris Berlin“ zu nennen. Antoine selbst ist für die Arbeit an der Gitarre und den Gesang verantwortlich, wahlweise in französischer oder deutscher Sprache. Zusätzlich dazu hat er sich noch einige weitere Musiker mit ins Boot geholt, die nicht nur ihre verschiedenen Instrumente, sondern auch Einflüsse in die zwölf Songs einbringen.

Das Ergebnis ist ein Singer-Songwriter-Projekt, welches mit vielen Elementen aus Jazz oder sogar Folk seine Musik zusätzlich verfeinert. Tatsächlich bringen Streich- oder Blechblasinstrumente die gewisse Abwechslung mit sich und lenken die Titel stilistisch in verschiedene Richtungen. Besonders im Song „Berlin“ sind die Off-Beats im Reggae-Stil auffällig.

Die Thematik der zwei Städte ist außerdem ein interessanter Aspekt des Albums, da mit Paris sehr viel kulturelle Nostalgie verbunden wird, während es mit Berlin bzw. den deutschen Lyrics etwas rauer zugeht.

Im Fokus des Ganzen steht natürlich Antoine Villoutreix, welcher durch seinen weichen Gesang auf Französisch die Ohren umschmeichelt oder auf Deutsch mit Akzent selbst die weniger fröhlichen Themen immer noch zum Glänzen bringen kann.
Den Gesang betreffend hätte man aber ruhig etwas mehr Abwechslung in Stimmfarbe oder in die Betonung legen können. Mit einem so flexiblen und zugänglichen Organ wäre das durchaus möglich gewesen. Nicht unbedingt bei den deutschen Songs, aber vor allem zusammen mit dem leicht verträumten Sound der französischen Titel kommt so etwas immer gut.

Allerdings muss man die typische Art und Weise, wie man Musik angeht, von „Entends-tu?“ oder „Si le temps“ hervorheben. Sie versprühen auf jeden Fall das Gefühl der Stadt „Paris“, die für so viel Kultur steht. Andererseits gibt es auch noch den Free-Jazz vom Cello in dem Titel „Les boulevards de Paris“, der im Kontrast zu dem Ganzen steht. Daran sieht man, dass man auf „Paris Berlin“ eben nicht nur eingleisig fahren kann.

Antoine Villoutreix (Copyright: Leila Garfield)

Antoine Villoutreix (Copyright: Leila Garfield)

Von dem letzten Titel „Neben dir“ könnte man jedoch etwas mehr erwarten, vor allem weil ein deutscher Song diese Platte abschließt. Aber außer den Klängen des Pianos, die sich durch den kompletten Song ziehen, zieht er im Vergleich zum Rest unspektakulär am Hörer vorbei. Es ist eben ein obligatorisches Lied der Zwischenmenschlichkeit.

Im Gegensatz dazu besticht „Wie wunderschön“ durch viel Dynamik, atmosphärisch arrangierte Streicher und einem Dialekt, der Butter zum Schmelzen bringt. Sehr kompakt und perfekt abgerundet – definitiv ein Highlight des Albums.

Wo man zu Beginn ein eingängiges Akkorde-Schlagen erwartet, entwickelt sich „Paris Berlin“ sehr schnell zu einem durch verschiedene Stile ausgewogenen Werk mit einer Menge Farbe und menschlicher Substanz. Musikalisch einwandfrei, nie aufdringlich und dennoch mit verführerischer Akustik.

Video

Trackliste

01 Alright
02 Des fleurs
03 Wie wunderschön
04 Les boulevards de Paris
05 Mon âme
06 Le jour qui se lève
07 Entends-tu?
08 Berlin
09 Nostalgique
10 Lass uns fahren
11 Si le temps
12 Neben dir

Details

Antoine Villoutreix – Homepage
Antoine Villoutreix – Facebook

Label: Sungroove Records / recordJet / Soulfood
Vö-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 40:02

Copyright Cover: Sungroove Records



Über den Autor

Christopher