Review

Ich würde mich nicht gerade als großen Hardcore Fan bezeichnen, doch immer wieder gibt es Bands in diesem Genre, die mich positiv überraschen und für diese moderne härtere Form des Metal begeistern können. Eine davon ist Annisokay.

Der Name sagte mir zunächst nichts und so fragte ich Google um Rat. Die allseits beliebte Suchmaschine schlug mir dann prompt ein Video der Band vor, das ich mir sofort ansah. Dabei handelte es sich um eine Coverversion des Miley Cyrus Hits „Wrecking Ball“ und obwohl die fünf Jungs aus Mitteldeutschland keine Abrissbirne nackt bereiten, weiß die Interpretation des Liedes durchaus zu gefallen und macht neugierig auf ihr aktuelles Album „The Lucid Dream[er]“.

Auf diesem findet man zwar leider nicht das Cyrus-Cover, dafür aber satte 14 eigene Songs, die Annisokay von ihrer besten Seite zeigen. Quantitativ überzeugt das Debüt des Quintetts also schon einmal, umso schöner, dass die Songs auch qualitativ nicht viel Anlass zum Meckern bieten.

Druckvoll schmettern die Titel in amerikanischer Prägung aus den Boxen und walzen den Hörer mit treibenden Rhythmen sowie schlagkräftigen Drums nieder.
Besonders die Kombination aus Christoph Wieczoreks fast schon mädchenhaften Klargesang (dies ist unbedingt positiv zu verstehen!) und Dave Grunewalds dunkel-aggressiven Shouts beeindruckt und wird skurrilerweise trotz ständiger Präsenz nicht langweilig.

Annisokay (Copyright: Annisokay)

Annisokay (Copyright: Annisokay)

Die saubere Produktion, welche die Energie der Band gut widerspiegelt, erinnert an amerikanische Szene-Größen. Gleichzeitig weist der Sound von Annisokay dadurch wenig Ecken und Kanten auf, was anspruchsvollen Genre-Fans allerdings missfallen könnte.
Auch der Rauswurf, eine Remixversion des Songs „The Final Round“, sorgt diesbezüglich nur bedingt für Aufhorchen; und das, obwohl man sich hier dem Dubstep verschrieben hat. Denn der „HoppiTronic Remix“ baut auf Dubstep Elementen auf und ist damit nur für jene interessant, die auf diese derzeit angesagte Stilmixtur können. Aber Remixe sind ja sowieso immer eine Sache für sich.

Wer dennoch für elektronische Finessen im Hardcore zugänglich ist, der wird auf „The Lucid Dream[er]“ nicht enttäuscht, weil sich immer wieder unaufdringliche Synthie-Einsätze bemerkbar machen. Diese in Verbindung mit dem nicht abzustreitenden Händchen für großartige Melodien macht den Rundling gerade für Hardcore-Neulinge interessant.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Bandmitglieder von Annisokay noch sehr jung sind und mit vorliegender Scheibe ihr Debütalbum präsentieren, darf man – sofern sie sich weiterhin treu bleiben und das mit „The Lucid Dream[er]“ vorgelegte hohe Niveau halten – zukünftig noch auf Großes hoffen!

Video

Tracklist

01 The Final Round
02 Sky
03 Anniversary
04 Firewalk
05 Monstercrazy
06 Who Am I
07 The Believer
08 Insanity
09 Ghost Of Me
10 By The Time
11 Where Do I Start
12 Day To Day Tragedy
13 Wasted & Useful
14 The Final Round (HoppiTronic Remix)

Details

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Annisokay – Twitter 

Label: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 30.05.2014
Spielzeit: 53:30 Minuten

Copyright Cover: Steamhammer / SPV



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde