Review

Mit den Stichworten Japan und Metal verbinden die meisten wohl umgehend die Senkrechtstarter Babymetal. Doch dass im „Land der aufgehenden Sonne“ auch noch andere Formationen die Szene aufmischen können, beweisen beispielsweise Ancient Myth.

Die Symphonic Metal Band wurde erst kürzlich zum diesjährigen XIII Metal Female Voices Fest nach Belgien eingeladen und stellt sich den Hörern unserer Breitengrade mit der Veröffentlichung „Aberration“ vor.
Jene erscheint unter dem Zusatz „Ag“, „Pt“ und „Au“ in drei Versionen. Während „Aberration: Ag“ die englische und „Aberration: Au“ die japanische Variante bildet, die beide als Download zu erwerben sind, kommt „Aberration: Pt“ als zweisprachige Mixtur auf einem handfesten Silberling daher. Und um genau diese Version geht es auch in diesem Review.

Noch vor dem Konsum der darauf enthaltenen 13 Songs fällt das gelungene Artwork der Veröffentlichung positiv auf. Ein Eyecatcher ist damit schon mal gesetzt, und auch für einige Earcatcher sorgen Ancient Myth in den folgenden 55 Minuten.

Instrumental startet die Band mit dem Track „Awaken“ das Hörerlebnis, das zunächst mystisch und rituell gehalten wird, während Streicher für zusätzliche Stimmung sorgen.
Im Folgenden fällt „Aberration“ vorrangig durch seinen prägnanten Bombast auf. Auch gelungene Melodien sind in jedem Song zu vernehmen, bis jene richtig zünden und sich im Ohr festsetzen, muss der Silberling jedoch die eine oder andere zusätzliche Runde im Player drehen. Ob dies an der Zweisprachigkeit oder an der gebotenen Opulenz liegt, ist schwer zu beurteilen, Fakt ist aber, dass „Aberration: Pt“ mit jedem weiteren Durchlauf mehr begeistert.

Dass der mehrmalige Konsum des Albums nicht langweilig oder uninteressant wird, liegt vor allem an der Abwechslung und einigen Überraschungsmomenten, die Ancient Myth ihren Hörern präsentieren. So trifft man in „afterglow“ mal auf gutturale männliche Backingvocals, in „Shade in the dusk (Japanese version)“ sorgt männlicher Klargesang für ein plötzliches Extra und in „Against the fate“ kommen soprane Chöre zum Einsatz und untermauern den sinfonischen Ansatz der Band.

Während sich mit dem ersten eigentlichen Song „Eyes shine like Raspberyl“ an den Drums scheinbar warmgespielt wurde, holt man schließlich mit Folgetrack „Mortal Heaven“ alles aus den Fellen heraus, was geht. Nicht nur, aber besonders in diesem Titel sticht die temporeiche Schlagzeugarbeit hervor.

Ancient Myth (Copyright: Ancient Myth)

Ancient Myth (Copyright: Ancient Myth)

Weder Saiten noch Felle werden also geschont. Die orchestrale Ebene bringt weiteren Bombast. Da wundert es nicht, dass die weibliche Gesangsstimme manchmal ein wenig unterzugehen scheint. Im Kontext der kraftvollen Instrumente wirkt sie häufig zu leise, kommt dafür aber mit fast schon osteuropäischem Touch, sprich harter Artikulation daher.

Immer wieder platzieren Ancient Myth Instrumentalstücke oder Balladen zwischen ihre treibenden, druckvollen und vollgepackten Tracks. Dadurch schafft die Band für sich und ihre Hörer stets Phasen der „Erholung“. Indem die Übergänge zwischen den einzelnen Songs zudem sehr harmonisch und nahtlos arrangiert sind, erweckt „Aberration: Pt“ den Anschein eines in sich geschlossenen Gesamtwerks.

In seiner Bilingualität ist „Aberration: Pt“ nicht nur ein Exot und vermutlich auch ein Kandidat für die Misheard-Lyrics-Rubrik, sondern insbesondere eine interessante Veröffentlichung im Genre des Symphonic Metal. Für Hörer, die in diesem Bereich auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem sind, sind Ancient Myth die richtige Anlaufstelle.

Video

Tracklist

01 Awaken (instrumental)
02 Eyes shine like Raspberyl
03 Mortal Heaven
04 afterglow
05 Aerial Memories: true
06 Jakujo no tsuki, Fukashigi no yuki
07 Against the fate
08 In Vitro (instrumental)
09 Canis
10 Shade in the dusk (Japanese version)
11 LINK (Japanese version)
12 Raven Neamhain Sight
13 Skoal! (Japanese version)

Details

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Label: Fastball-Music / Soulfood
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 55:38

Copyright Cover: Fastball-Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde