Review

Das neue Album „Forsaken Needs“ von der Band Ancient Gods aus dem Saarland fegt über die Metallandschaft hinweg wie ein wütender Orkan und erhebt sich somit lautstark aus dem Untergrund.
Im Auge dieses Sturms platziert man ein Konzept, das sowohl Kritik an unserer leistungsbezogenen Gesellschaft übt als auch die sich verbreitende Uniformität infrage stellt. Systemkritik verpackt in ein interessantes Konzeptalbum, das klassischen Heavy mit Progressive Metal verbindet.

„Forsaken Needs“ spiegelt dabei, verteilt auf neun Songs, die Entwicklung des von Ancient Gods erdachten Protagonisten musikalisch und textlich wider. Die Story und die musikalische Umsetzung gehen dabei Hand in Hand. Insofern geht das hier von Ancient Gods gefahrene Konzept einwandfrei auf.

Das „Problem“ an „Forsaken Needs“ ist jedoch, dass man das Konzeptalbum in der Tat auch als solches hören muss. Zwar gibt es durchaus gelungenen traditionellen und progressiv angehauchten Heavy Metal auf die Ohren, ohne jedoch die Geschichte im Hinterkopf zu haben, wirken einige Songs oft zu eintönig oder speziell, während wieder andere durch narrative Strukturen lediglich im inhaltlichen Kontext des Albums funktionieren.

Auf der anderen Seite wirkt „Forsaken Needs“ durch den dominierenden aggressiven Grundton und das häufig anzutreffende schnelle Gitarrenspiel sehr kurzweilig.

Besonders überzeugend ist zudem nicht unbedingt der Gesang, wie man es von der Mehrheit der Bands gewöhnt ist, sondern die Gitarren- und Drumarbeit. Klasse, wie sich hier duelliert wird und die Instrumente bis zum Äußersten bespielt werden. Singt oder spricht man also nicht, erzählen die Instrumente die Geschichte weiter, allen voran die maschinengewehrsalvenartigen Gitarren und die Doublebass-Gewitter seitens des Schlagzeugers; perfekt schon im Opener „Juggernaut“ zu hören, der darüber hinaus mit Sprachsamples aufwartet. Eindringlichen und abwechslungsreichen Gesang mit Verstärkung durch Backingvocals gibt es außerdem u.a. in der teils balladesken Nummer „Who Can Tell“, die schöne Entwicklungen von ruhigen zu harten metallischen Parts durchmacht.

Während „Learn To Comply“ melodisch und ebenfalls durch die Backingvocals eindringlich und dicht ausfällt, weckt der Song „Sabotage“ ganz entfernt Erinnerungen an Bands wie Biohazard, nicht zuletzt durch die hardcore-artigen Gangshouts im Hintergrund.

Ancient Gods (Copyright: Ancient Gods)

Ancient Gods (Copyright: Ancient Gods)

Die involvierten progressiven Anteile sind meist dezent in die Songs eingebaut und auf den Punkt gespielt. Ancient Gods halten sich somit nicht mit ausgiebigen verspielten Passagen auf, sondern agieren in diesem Bereich zielführend. Die gesamte Bandbreite an Progressive Rock/Metal gibt die Band schließlich im Abschlusstrack „Sere“ zum Besten und geleitet die Hörer auf ruhige und teils sogar psychedelische Weise aus dem aufwühlenden und meist harten Machwerk heraus.

Mit „Forsaken Needs“ erschaffen Ancient Gods ein Album, das zum Nachdenken anregt, gleichzeitig aber auch musikalisch überzeugt. Dass der Silberling hauptsächlich dann zündet, wenn man ihn am Stück hört und als Konzept versteht, ist zu verschmerzen, allerdings hätten einige Songs noch eingängiger ausfallen können, um auch nachhaltig zu wirken. Nichtsdestotrotz werden die Emotionen zum Kochen gebracht. So spannend und unterhaltsam war eine Systemkritik selten.

Video

Tracklist

01 Juggernaut
02 Learn To Comply
03 Pressure To Perform
04 Who Can Tell
05 Suffer No More
06 Be Wolves!
07 Sabotage
08 Rotting In The Sun
09 Sere

Details

Ancient Gods – Homepage
Ancient Gods – Facebook

Label: recordJet
Vö-Termin: 10.04.2015
Spielzeit: 40:57

Copyright Cover: recordJet / Ancient Gods



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde