Review

Wir schreiben das Jahr 2014 und die sympathischen Experimental-Rocker aus Manchester veröffentlichen ihr mittlerweile fünftes Studioalbum. Es gibt kaum eine Bandkarriere, die ich in den letzten 10 Jahren mit mehr Respekt verfolgt habe, als die Amplifiers.

Den Anfang nahm sie im Jahr 2004 mit einem atemberaubenden Debütalbum und der Insolvenz des Labels Music For Nations im gleichen Jahr. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung und doch brach die Welt vor den Augen der Band schneller zusammen, als sie sich aufbauen konnte. Sony Music, welche MFN übernahmen, hatten nämlich keinerlei Interesse an kleineren Bands und so mussten Amplifier die Rechte an der eigenen Musik von dem Konzernriesen zurückkaufen und standen kurzerhand wieder ohne Label da. Das deutsche Label SPV erbarmte sich, wiederveröffentlichte das Album ein Jahr später und brachte auch den Nachfolger „Insider“. Aber auch diese Zusammenarbeit endete im Anschluss.

2011 entschied man sich auf eigene Faust weiter zu machen und so folgte die bis dato opulenteste Arbeit der Briten. Mit „The Octopus“ veröffentlichten sie ein Doppelalbum, welches sie letztendlich in den Olymp der „Bands, die niemand kennt, aber jeder kennen sollte“ erhob. Nach dem Folgealbum „Echo Street“ stehen sie nun mit „Mystoria“ wieder auf der Matte. Aber „Mystoria“ ist nicht einfach der nächste Schritt, denn vielmehr findet das Album seinen Ursprung bereits im Jahr 2011, da man die Arbeit daran offenbar parallel zu „The Octopus“ begann. Komplexe Historie für solch eine „junge Band“, nicht wahr? Das passt zur Musik.

Sel Balamir, der kreative Kopf der Band, ist ein Visionär, der eine konkrete Vorstellung vom Sound seiner Band hat, den er über Jahre hinweg aufgebaut und entwickelt hat. Stagnation gibt es nur dem Anschein nach und ein Trademark ist Stilmittel und kein Notnagel. Wenn man ein Konzept von vornherein so anlegt, dass Grenzenlosigkeit oberste Priorität genießt, gibt es weder Verpflichtungen noch das Unmachbare. Amplifier lieben Effekte und Sounds. Rock ist das Grundgerüst und Klangwelten das, was es zu schaffen gilt.

Amplifier (Copyright: Sam Ryley)

Amplifier (Copyright: Sam Ryley)

So kommt es vor, dass eine anfänglich wirkende Jam-Session zu einem Song heranwächst. Dass man schwer wie ein Dinosaurier durch die Landschaft rockt und Sekunden später smooth durchs Weltall gleitet. Auch auf „Mystoria“ ist Amplifiers Sound gewaltig und komplex. Dröhnender Fuzz-Noise trifft auf Groove und Killer-Refrains („Open Up“). Radio-Hymnen auf Ska-Stakkato („Cat’s Cradle“), schnaubender Stadion-Rock auf Wha-Wha-Gitarren („Named After Rocky“). So wütet man in „The Meaning Of If“ mit walzenden Riffs, die an beste Smashing Pumpkins Zeiten erinnern, um anschließend skurrile Kulissen à la Puscifer zu malen („Crystal Mountain“). Am abschließenden „Crystal Anthem“ merkt man jedoch, dass offenbar auch vor einer Band wie Amplifier, Porcupine Tree Einflüsse keinen Halt mehr machen können.

Die Produktion ist drückend, aber dennoch variabel, da genau auf die einzelnen Tracks abgestimmt. Balamirs Klangvision endet schließlich nicht beim Songwriting. Der wuchtig-rollende Bass steht wie immer im Zentrum („Black Rainbow“), während sich der Rest drum herum aufbaut. Die Riffs explodieren einem förmlich im Gesicht, und zwar genau dann, wenn sie es sollen. Hier geht es nicht mehr um Qualität, denn die ist zweifelsfrei geboten, sondern nur noch um Gefallen oder Nichtgefallen.

In der Summe bieten Amplifier mit 10 Tracks und guten 45 Minuten Spielzeit auch anno 2014 wieder exzellenten Stadion-Rock, nur ohne Stadion. Diese Band verdient einfach mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt. Kaufen!

Tracklist

01 Magic Carpet
02 Black Rainbow
03 Named After Rocky
04 Cat’s Cradle
05 Bride
06 Open Up
07 OMG
08 The Meaning Of It
09 Crystal Mountain
10 Crystal Anthem

Details

Amplifier – Homepage
Amplifier – Facebook

Label: Superball Music
Vö-Termin: 08.09.2014
Spielzeit: 45:23

Copyright Cover: Superball Music



Über den Autor

Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison