Review

Mit „This Is No Fairytale“ veröffentlicht das Trio um Sängerin Rose Z Vine sein Debütalbum unter Deep Symmetry Records. Eine Eigenveröffentlichung namens „Frail Tin Beauty“ gab es schon 2009 in den USA und lieferte einiges an Material, das u.a. von Rotersands Krischan Wesenberg neu aufbereitet wurde. Dieser verbindet in seiner eigenen elektronischen Art den charismatischen Gesang und das wavige Understatement von Among The Weeds.

Transzendent eröffnet „Event Horizon“ mit rituellen Drums und sphärischem Gesang das Album und lässt Großes à la Dead Can Dance erwarten.

„Frail“, neben „In The Garden“ und „Lament“ noch aus dem Vorgängeralbum, nimmt die rhythmische Unterlegung dann auch auf, verdichtet die Atmosphäre aber mit eingängigen Gitarren, verzerrt wirkendem Gesang und einigen Soundeffekten ganz in GothRock-Manier.

Die Textzeile „this is no fairytale“ markiert den Titelsong, der sich trotz gefälliger Intonation und entgegen einiger Ankündigungen nicht gerade mit Szenegrößen messen lässt.
Immerhin ist der stilistische Minimalismus abwechslungsreich, denn mit dem nächsten Song „Trap“ gibt es unterkühlte Klangeffekte und eine bedrückende Spannung, die die gesangliche Ausdrucksstärke von Rose durch Atemgeräusche, Wimmern und metallische Drumeinlagen verstärken. Interessant, aber leider nicht nachhaltig, denn mit „Lucid Dreamer“ verlieren sich Among The Weeds in synthiepoppig-seichten Gewässern. Dort sollten sie lieber großen Fischen wie De/Vision das Revier nicht streitig machen, schaffen sie es doch trotz reduzierten Klangbilds und stimmlicher Varianz nicht, wie vorgenannte den richtigen Nerv des geneigten Hörers zu treffen.

Mehr Potenzial gibt es in dystopischer Düsternis, wie sie in „Weakness“ geschaffen wird. Der volle Gesang steigert die Rhythmik, passende Wechsel ruhiger und rockiger Passagen geben eine ansprechend zurückhaltende Komposition puristischen GothRocks ab. Leider nimmt die synthetische Gestaltung Tempo und Spannung und so bleibt der Song eher etwas für die ruhigen Abende zu Hause als für die Tanzfläche.
Dafür würde sich schon eher die rockende „Skinny Bitch“ eignen, der die synthetische Schnelligkeit viel besser steht. Zwischendurch catchy dank rhythmischer Wechsel, wabert aber auch dieser Song durch wenig innovative Synthesizer so vor sich hin und ist ganz unbemerkt auch schon wieder ausgespielt und geht, ziemlich vorhersehbar, wieder in einen ruhigeren Song über.

Among The Weeds (Copyright: Among The Weeds, 2012)

Langweilige Schemata und leere Phrasen holen das Märchen in den grauen Alltag zurück, „Lament“ ist so wavig wie langweilig und hätte doch ein schöner apathischer Song werden können. Gerade so hält man bis zu den Remixen durch und fasst Hoffnung, wenn „Frail“ im Lyronian Clubmix entsprechend clubtauglich aufgewertet werden soll. Aber auch die Spannung versickert in drögen Ansätzen, während der AlaskaHighway Remix sich schon mehr stilistische Veränderung traut und mit Industrial-Anleihen eine effektvolle Instrumentalisierung schafft.
Auch der Kennedy Remix von „Skinny Bitch“ ändert den Songcharakter durch Tempoanpassung adäquat und punktet mit fast schon harscher Tanzflächentauglichkeit. Er hätte fesseln können, aber der Staffelstab wird von der müden Hand des Autoaggression Clubmix‘ von, wer hätte es gedacht, „Frail“ nicht aufgenommen. Zwar wird atmosphärische Dichte aufgebaut, doch versinkt die in wieder allzu platten Beats und zu großem retardierendem Moment ohne Peripetie oder Wende.

Trotz gemeinsamer Auftritte wie zum Beispiel mit Assemblage 23 fehlen Among The Weeds immer noch Tiefgang und Treffsicherheit, um mehr als ein regionales Projekt zu werden, und das veröffentlichte Debüt „This Is No Fairytale“ eignet sich eher als Hintergrundmusik.

Video

Tracklist

01 Event Horizon
02 Frail
03 The Trap
04 Lucid Dreamer
05 Weakness
06 Skinny Bitch
07 Mr Shadow
08 Culture Of Chaos
09 Lament
10 In The Garden
11 Tin
12 Frail (Lyronian Clubmix)
13 Frail (AlaskaHighway Mix)
14 Skinny Bitch (Kennedy Remix)
15 Frail (Autoaggression Clubmix)
16 Frail (Kennedy vs Klangvähig Remix)

Details

Among The Weeds – Facebook

Label: Deep Symmetry Records / Al!ve
Vö-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 67:35

Copyright Cover: Deep Symmetry Records



Über den Autor

Maria
Tunichtgut von Welt