Review

Amberian Dawn möchten auch mit ihrem neuen und inzwischen bereits sechsten Album den Thron des Symphonic Metal weiter besteigen. Diesen Versuch unternehmen die Finnen auf „Magic Forest“, so der Name des Rundlings, mit insgesamt zehn Songs und unter der Flagge von Napalm Records.
Rein stilistisch tritt das Quintett damit in die Fußstapfen neuerer Nightwish-Titel, gleichzeitig muss aber festgestellt werden, dass diese noch immer ein bisschen zu groß sind.

Amberian Dawn eröffnen ihre Reise in den „Magic Forest“ zunächst gewohnt melodisch und temporeich. Ein erster Ohrwurm kristallisiert sich durch „Cherish My Memory“ schon gleich zu Beginn heraus und wird zusätzlich mit einem Gitarrensolo garniert.
Der Opener setzt dabei allerdings nicht auf Anspruch, sondern auf einfaches Songwriting und eine breite Keyboardfront.

Hohe Keyboard-Passagen und elektronisch erzeugt wirkende sinfonische Elemente leiten ebenfalls den mit Melodie- und Rhythmuswechsel versehenen Track „I’m Still Here“ ein. Dieser weist stimmlich eher balladeske Züge auf, die auch durch gemäßigteres Tempo und phasenweise zurückgenommene Instrumentierung verstärkt werden.
Der Refrain ist abermals sehr einfach gehalten und dadurch prädestiniert, schnell im Ohr zu bleiben. Zu verhindern wissen dies allerdings die ständigen Melodiewechsel. „I’m Still Here“ ist somit schwer fassbar und besitzt somit keine Hitgarantie.

Immer wieder hört man Doublebass-Attacken aus einzelnen Songs heraus, doch diese sind durch die sehr „zahme“ Produktion ziemlich in den Hintergrund verdrängt worden und besitzen auch soundtechnisch wenig Durchschlagskraft. Diesbezüglich wäre mehr drin gewesen.

Amberian Dawn (Copyright: Jarmo Katila)

Amberian Dawn (Copyright: Jarmo Katila)

Im Vordergrund hingegen steht die Stimme von Sängerin Capri, mit der man nach dem Ausstieg von Heidi Parviainen nun hoffentlich wieder eine Konstante am Mikro gefunden hat.
Lohnenswert wäre dies insofern, da sie sich gut in das Gesamtgefüge Amberian Dawn integriert. Ihr Gesang ist nicht zu klassisch, aber auch nicht zu poppig. Gerade in den tieferen Tönen besitzt sie eine natürliche Rauheit in der Stimme, die zudem als Alleinstellungsmerkmal dienen kann.

Interessant fällt stimmlich aber vor allem „Memorial“ auf. Da sich hier männliche Vocals opernhaft zu Capris klarer weiblicher Stimme gesellen, entsteht ein sehr intensives Duett, das balladeske Momente birgt, allerdings zu keinem Zeitpunkt als reine Ballade angesehen werden kann. Trotzdem wird der Titel polarisieren, denn Operngesang muss man hier zwingend mögen, um die Reise durch den „Magic Forest“ in Form von „Memorial“ fortzusetzen.

Abschließend ist ferner festzustellen, dass dem „Magic Forest“ von Amberian Dawn die Magie fehlt. Bombast, Druck und Epik vermisst man auf dem Silberling, der dadurch im Laufe seiner Spielzeit immer mehr ins Gewöhnliche abdriftet.
Es wird zwar solider female fronted Symphonic (Power) Metal abgeliefert, der ganz klar auf Melodien setzt, gleichzeitig den Spagat zwischen wiedererkennungswürdigen Genrebeitrag und kommerziell ausgerichteten Output nicht einwandfrei schafft.
Die meisten Titel erscheinen sehr kurzweilig und weisen somit eine gewisse Radiotauglichkeit auf. Absicht? Man weiß es nicht, doch auch die sehr künstliche Produktion lässt dies vermuten. Zu steril, zu viel „Plastik“, quasi ein soundtechnisches Popgewand, in das sich der Silberling in seinem Eigensinn und Grundkonzept gar nicht stecken lassen möchte. Schade, hier ist nicht nur Luft nach oben, hier wurde auch einiges an Potenzial (gerade in Sachen Produktion) verschenkt. Dennoch eine solide Leistung, die neueren Fans des Genres durchaus gefallen könnte.

Video

Preview

Tracklist

01 Cherish My Memory
02 I’m Still Here
03 Warning
04 Magic Forest
05 Dance Of Life
06 Agonizing Night
07 Son Of Rainbow
08 Memorial
09 Endless Silence
10 Green-Eyed

Details

Amberian Dawn – Homepage
Amberian Dawn – Facebook
Amberian Dawn – Twitter

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 27.06.2014
Spielzeit: 39:49 Minuten

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde