Review

Nachdem bereits der Vorgänger „Massive Addictive“ aufgrund der zahlreichen EDM-Beigaben ein eher zwiespältiges Echo selbst bei der bis dato treuen Anhängerschaft der Band Amaranthe hervorgerufen hatte, darf man gespannt sein, wohin die musikalische Reise des Sextetts mit dem vierten Studioalbum namens „Maximalism“ geht.

Die Markenzeichen von Amaranthe sind zweifellos die drei Gesangsstimmen – für den Klargesang sorgen Elize Ryd und Jake E. Lundberg und die Growls steuert Henrik Wilhelmsson Englund bei – und die stilistische Kombination aus Metal und poppigen Eurodance-Rhythmen. Diese Zutaten finden sich auch auf „Maximalism“ wieder.

Bereits mit den ersten Songs wird jedoch deutlich, dass sich Amaranthe noch mehr Richtung Pop und Mainstream orientieren. Hatte auf den ersten beiden Alben die stilistische Mixtur durchaus ihren Reiz und einen gewissen Unterhaltungswert, sind diese Aspekte auf „Maximalism“ nun komplett verflogen. Neben den Instrumenten der Metal-Fraktion werden die Songs derart mit EDM-Elementen vollgepackt, dass man meint, die Band hätte sich das Aufnahmestudio mit David Guetta & Co geteilt. Entsprechend steril, langweilig und vorhersehbar klingen die meisten Tracks.

Könnte man den Opener „Maximize“ vielleicht noch als typischen Amaranthe-Song durchgehen lassen, wird man bei den folgenden „Boomerang“ (wer denkt bei dem Titel nicht sofort an die gleichnamige Dance-Pop-Hymne von Blümchen?) und „21“ nur noch den Kopf schütteln. Hier werden einfach diverse musikalische Versatzstücke aus dem Pop-, Dance- und Metal-Sektor nach dem Baukasten-Prinzip lieblos und uninspiriert aneinandergereiht. Und bei „That Song“ (Gruppen-Klatschen? Wirklich?!) oder „On The Rocks“ („na na na nana“ – ernsthaft?!) fragt man sich dann tatsächlich, ob man nicht die falsche CD in den Player gelegt hat. Was hat ein quasi Highschool-Musical-Song auf einem proklamierten Metal-Album zu suchen?

Dass die Verbindung mit Musical-Elementen durchaus funktionieren kann, beweist immerhin der Song „Supersonic“, in dem die Musical-Elemente geschickt in die Bridge eingebaut werden und das gesamte Lied insgesamt recht flott aus den Boxen schallt. Leider sind diese Momente auf „Maximalism“ nur sehr rar gesät.

Bei „Fury“ handelt es sich wahrscheinlich um das bisher schnellste Amaranthe-Stück, dessen Fokus in den Strophen ganz klar auf Metalcore gerichtet ist. Und auch „Break Down And Cry“ setzt mit seinem schleppenden Refrain im Repertoire einen neuen Akzent. Ebenso versucht Sängerin Elize mit einigen rockigen Nuancen im Gesang für Abwechslung zu sorgen, die aber nicht unbedingt gelungen und passend erscheinen.

Amaranthe (Copyright: Amaranthe)

Amaranthe (Copyright: Amaranthe)

Unbestritten hat Amaranthe gute Gesangsstimmen. Daher bleibt es unverständlich, warum dieses Plus nicht ausgeschöpft wird und auf „Maximalism“ stattdessen zusätzlich diverse Zerrsounds und Vocoder zum Einsatz kommen. Statt auf solche überflüssigen Spielereien und den bereits erwähnten übermäßigen Einsatz elektronischer Samples zu setzen, hätte man sich lieber auf das Songwriting konzentrieren sollen. Die meisten Songs bleiben oberflächlich und erzeugen keine sonstige Nachhaltigkeit beim Hörer. Auch dass zwei Lieder („That Song“ und „Endlessly“) unweigerlich Assoziationen zu Songs der Gruppe Queen („We Will Rock You“ und „Who Wants To Live Forever“) aufkommen lassen, spricht nicht gerade für viel Kreativität.

Diejenigen, die bereits mit dem Vorgängeralbum wenig anfangen konnten, können auch um „Maximalism“ einen großen Bogen machen. Für alle anderen gibt es ein minder inspiriertes Eurodance-Pop-Album mit Alibi-Metal-Anleihen, dessen Halbwertszeit zudem nur sehr begrenzt sein dürfte.

Tracklist

01 Maximize
02 Boomerang
03 That Song
04 21
05 On The Rocks
06 Limitless
07 Fury
08 Faster
09 Break Down And Cry
10 Supersonic
11 Fireball
12 Endlessly

Details

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Label: Spinefarm Records
VÖ-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 40:04

Copyright Cover: Spinefarm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde