Review

Mit ihrem sechsten Studioalbum „Manifest“ stehen Amaranthe in den Startlöchern, um ein neues Kapitel zu ihrer speziellen Metal und Pop/Dance verbindenden musikalischen Mixtur zu schreiben.

Die Songs

Der Opener „Fearless“ bildet den perfekten Einstand in das neueste Werk. Der bewährte gesangliche Dreiklang von Elize Rys, Nils Molin und Henrik Englund Wilhelmsson (Female clean voice, Male clean voice und Growling) sowie der eingängige Euro-Dance-Refrain tragen die typische Handschrift von Amaranthe. Weitere Titel wie „Scream My Name“ und „The Game“ überzeugen in derselben Weise und verleiten unweigerlich zum heimischen Mitbangen.

Mit „Archangel“ und „Do Or Die“ trumpfen Amaranthe in der zweiten Albumhälfte sogar noch mit zwei härteren und düsteren Stücken auf. Entsprechend aggressiv fallen hier die Gesangsparts in den Strophen aus. Dem Sog dieser Titel kann man sich ebenfalls nur schwerlich entziehen.

Aufgelockert wird die Riege der schnelleren Songs durch die eher rhythmusorientierten Stücke „Make It Better“ und „Viral“, die sich nicht minder in die Gehörgänge bohren und derart zu gefallen wissen.

Im Titel „Strong“ wird dann komplett auf männlichen Gesang verzichtet. Der Song ist vielmehr ein Duett von Elize Ryd und Noora Louhimo (Battle Beast), die gemeinsam zeigen, was stimmliche Frauenpower ist.

In „Cristalline“, der einzigen Ballade auf dem Album, hört man Elize Ryd mit ungewohnt zarter Stimme, nahezu klassisch agieren. Erst mit Nils Molins Einstieg entwickelt sich das Lied ab der zweiten Strophe dann zu einer kraftvollen Metal-Ballade, die durch ihre emotionalen Momente zu begeistern weiß.

Einzig „Adrenaline“ und „Die And Wake Up“ verblassen demgegenüber etwas. Beiden Songs fehlt das spezielle Highlight, um auf dem Album in irgendeiner Weise herauszustechen.

Und dann gibt es noch einen Titel namens „BOOM!1“, der aus dem musikalischen Kontext des Albums doch irgendwie herausfällt. Der Song ist reinster Metalcore, somit quasi eine Soloshow von Henrik Englund Wilhelmsson und erinnert dadurch stark an „GG6“ vom letzten Album. Allerdings wird er an einigen Stellen – nennen wir es mal – „übertrieben“. Toleranz oder Humor der Fans werden dabei sehr auf die Probe gestellt. Somit ist „BOOM!1“ wohl eher mit einem Augenzwinkern zu hören.

Resümee

„Manifest“ besteht fast ausnahmslos aus kurzen, knackigen und vielmals einprägsamen Songs, die ein unverwechselbares Trademark der Schweden sind, und trotzdem oder gerade deswegen auch keinen Hörer enttäuschen werden.

Amaranthe (Copyright: Johan Carlen)

Amaranthe finden mit ihrem aktuellen Silberling nach den eher schwachen Veröffentlichungen „Maximalism“ und „Helix“ zu alten Stärken zurück.

Viel Power, (endlich wieder) mehr Metal, weniger elektronische Spielereien und Experimente sowie ein hohes Maß Melodik sind genau die Komponenten, die „Manifest“ auszeichnen. Dabei fällt einzig der Song „BOOM!1“ aus dem musikalischen Rahmen.

Fazit

Ansonsten präsentieren die Schweden eine rundum gelungene Scheibe, die auch textlich Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen (z.B. Klima- und Umweltschutz, Corona und Lockdown) herstellt.

„Manifest“ ist in allen Belangen somit ein Schritt in die richtige Richtung und manifestiert Amaranthes Status in der Szene.

Video

Tracklist

01 Fearless
02 Make It Better
03 Scream My Name
04 Viral
05 Adrenaline
06 Strong
07 The Game
08 Crystalline
09 Archangel
10 BOOM!1
11 Die And Wake Up
12 Do Or Die

Details

Amaranthe – Homepage | Amaranthe – Facebook | Amaranthe – Twitter

Label: Nuclear Blast
VÖ-Termin: 02.10.2020
Spielzeit: 40:13

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde