Review

Die herbstliche und nahende winterliche Zeit lädt regelrecht zum Konsum ruhigerer Klänge ein. Bestens bedienen Amaranthe aus Schweden ihre Hörer mit derartigem musikalischem Futter, denn die B-Seiten Compilation „Breaking Point: B-Sides (2011-2015)“ umfasst gleich sechs Akustikversionen ihrer Songs, die – gemäß Untertitel der EP – von den bisherigen Alben „Amaranthe“ (2011), „The Nexus“ (2013) und „Massive Addicitive“ (2014) stammen und somit eine kleine und vor allem beschauliche Reise durch die Diskografie der Band unternehmen.

Neu ist das Material auf „Breaking Point: B-Sides“ logischerweise – insbesondere für eingefleischte Amaranthe Fans – nicht. Jeder einzelne Titel fand sich in der hier präsentierten Form bereits auf einer Single oder im Rahmen von Bonusmaterial auf einer Special Edition-Ausgabe ihrer Alben. Eine gute Übersicht, wo schon was veröffentlicht wurde, bietet der Menüpunkt „Releases“ auf der Homepage der Band.

Unabhängig davon, dass Amaranthe insgesamt und augenscheinlich also nur wenig Arbeit mit der Veröffentlichung von „Breaking Point: B-Sides“ hatten, und sich ein wenig der Eindruck aufdrängt, hiermit leichtes Geld verdienen zu wollen, können sich die Titel dennoch hören lassen.

Akustikgitarren, Streichersequenzen, eine partielle folkige Instrumentierung und ein duettlastiger Gesang ohne die bekannten gutturalen Elemente wie die Growls oder Screams von Sänger Henrik zeichnen die „Acoustic Versionen“ der Songs „Hunger“, „Afterlife“, „Amaranthine“, „Burn With Me“, „Trinity“ und „True“ aus. So werden aus den vorrangigen Uptempo-Nummern Balladen, die durch ihr akustisches, reduziertes Arrangement den Duett-Charakter intensiver als in den „herkömmlichen“ Fassungen fokussieren.

Überraschenderweise fällt der männliche Gesang, für den sich Bandmitglied Jake E verantwortlich zeigt, eine Spur wärmer und gefühlvoller aus als jener von Sängerin Elize, die besonders in den hohen Tonlagen für eine Akustikvariante doch sehr energisch und oft schreiend ans Werk geht. Diesbezüglich hätte der Fokus – für noch mehr Gefühl – weniger auf stimmliche „Technik“ und mehr auf Emotionalität liegen können.
Insgesamt harmonieren beide Stimmen jedoch auch in diesen ruhigen Versionen sehr gut zusammen.

Mit „Amaranthine“ und „Burn With Me“ finden sich zwei Songs auf „Breaking Point: B-Sides“, die in der Originalversion schon balladesk sind und nun als „Acoustic Version“ noch weiter reduziert wurden. Jetzt also ohne E-Verstärkung, allerdings auch mit hörbar weniger Durchschlagskraft.

Zudem sind sich die instrumentalen Arrangements der Akustiktracks sehr ähnlich. Da dies betreffend wenig Variationen geboten werden, plätschern die Songs schön, aber ohne nennenswerte Highlights über die Hörer hinweg.

Die ans Ende der EP platzierten „regulären“ Songs „Breaking Point“ und „Splinter In My Soul“ lassen den Silberling schließlich im typischen Amaranthe-Stil, der sich irgendwo zwischen Modern Melodic Metal und Metalcore einordnen lässt, ausklingen. Hier finden schließlich auch die bewährten Growls/Screams ihren Platz, und während der titelgebende Song „Breaking Point“ auf ganzer Linie sowie mit Ohrwurmpotenzial überzeugt, nimmt „Splinter In My Soul“ im Vergleich dazu eher einen Lückenfüller-Status ein.

Amaranthe (Copyright: Patric Ullaeus)

Amaranthe (Copyright: Patric Ullaeus)

Bleibt abschließend die Frage nach der Zielgruppe von „Breaking Point: B-Sides (2011-2015)“.
Die eingefleischten Fans von Amaranthe werden neben den regulären Alben sicherlich auch etwaige Singles und Special Editions ihr Eigen nennen und somit bereits in den Genuss der hier gebotenen Tracks gekommen sein. Für Gelegenheitshörer ist die EP ebenfalls nur mäßig interessant, es sei denn, jene haben eine ausgeprägte Vorliebe für Balladen und Akustiknummern. Demnach ist „Breaking Point: B-Sides“ eine Sammlung für Sammler. Diese müssen jedoch damit leben, dass es sich bei der B-Seiten Compilation lediglich um eine digitale Veröffentlichung handelt. Das hat allerdings den Vorteil, bisher versäumte Titel auch separat erwerben zu können.

Video

Tracklist

01 Hunger (Acoustic)
02 Afterlife (Acoustic)
03 Amaranthine (Acoustic)
04 Burn With Me (Acoustic)
05 Trinity (Acoustic)
06 True (Acoustic)
07 Breaking Point
08 Splinter In My Soul

Details

Amaranthe – Homepage
Amaranthe – Facebook
Amaranthe – Twitter

Label: Spinefarm Records
VÖ-Termin: 30.10.2015
Spielzeit: 27:47

Copyright Cover: Spinefarm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde