Review

Always Wanted War ist die Band, die ein Step-Aerobic-Video zu ihrem Song „Derry“ zum Besten gegeben hat. Das reicht an Einleitung, denn diese Choreo war einfach zu gut.

Die scheinbar Unkaputtbar-Truppe aus Cuxhaven legt sich auch nach diversen Split-Releases, EPs, einem Album und einer Cover-Platte nicht auf die faule Haut. Dieses Jahr will das Trio wieder ran und mit ihrer Hardcore-/Punk-/Screamo-Attitüde erneut sämtliche Hörer aus der Fassung bringen. Zwölf Songs haben es auf das selbstbenannte Album geschafft, die alle gleichermaßen die Durchschlagskraft und kreativen Ausschweifungen von Always Wanted War unter einen Hut bringen.

Begrüßt wird man sogleich vom Kometenriff des Titels „Alone In The Dark 6“, das nur so auf die Ohren niederprasselt. Die Wogen glätten sich zunächst mit dem darauffolgenden „Wherever You May Roam“. Dezenter Bass- und Gitarreneinsatz unterstreichen hier das hysterische Gebrüll. Und auch der Refrain beruhigt sich rasch und mündet in melodischen Parts, die die Ohren umschmeicheln.

Wenn die Jungs eins gut können, dann aus den gegebenen Mitteln das bestmögliche herauszuholen. Saiteninstrumente und Schlagzeug arbeiten wie ein unaufhaltsames Uhrwerk zusammen. Außerdem geht es bei den Titeln nicht immer nur darum, möglichst viele Töne gleichzeitig zu einer groben Masse zu vereinen, sondern sich auch mal Zeit für das eine oder andere dynamische Riff zu nehmen.

Definitives Highlight der Platte ist „Harvest Moon“. Allein die Komposition dieses Songs weiß zu begeistern. Das fängt mit dem Sample zu Beginn an und hört mit dem leicht doomigen Charakter noch lange nicht auf. Überraschend wird es dann ab dem Mittelteil, wo Always Wanted War ihre musikalischen Ärmel hochkrempeln und den Hörer in ihren seichten Groove versinken lassen, bevor es dann wieder ordentlich was auf die Ohren gibt.

Überschattet wird das Ganze von einer leicht verschobenen Produktion. An so manchen Stellen scheint es, als würde das Schlagzeug den übrigen Instrumenten wegrennen. Auch die Vocals rutschen oft in den Hintergrund. Man hat dann zwar das Gefühl, in einer Live-Session zu sitzen, aber häufig endet alles in einem akustischen Durcheinander, besonders wenn Always Wanted War richtig Gas geben.

Always Wanted War (Copyright: Always Wanted War)

Always Wanted War (Copyright: Always Wanted War)

Und auf dieser Platte wird regelmäßig Gas gegeben; für die letzten beiden Titel „Same Time / Same Place“ und „Pale Grey“ manchmal schon ein wenig zu viel. Aber abgesehen davon glänzt das Trio mit einer Menge Differenzierung innerhalb ihrer Titel. Hier wird dann auch nicht davor gescheut, immer mal wieder das Tempo rauszunehmen und sich ganz den melodischen Klängen zu widmen.

An Abwechslung mangelt es „Always Wanted War“ so gut wie nie, vor allem weil man die Dinge auch durchaus diszipliniert angeht. Klar, lassen sich die Jungs manchmal von ihrer eigenen musikalischen Wut treiben, aber es gibt genug Punkte, in denen sie sich einer kreativeren Seite besinnen. Zu „Always Wanted War“ wird man immer wieder zurückkehren, weil man das Gefühl hat, noch nicht alles von den Geschehnissen mitbekommen zu haben, sobald es einen einsaugt und wieder ausspuckt.

Video

Tracklist

01 Alone In The Dark 6
02 Wherever You May Roam
03 Night Cathedral
04 Harvest Moon
05 Bruchteil
06 Kufte
07 Black Current
08 A Bucket Full Of Noes
09 Rembering
10 Babylon Swing
11 Same Time / Same Place
12 Pale Grey

Details

Always Wanted War – Facebook

Label: Moment Of Collapse Records
Vö-Termin: 01.04.2016
Spielzeit: 39:59

Copyright Cover: Moment Of Collapse Records



Über den Autor

Christopher