Review

Hat man die bisherigen Alben der Stimmgewalten Russell Allen und Jorn Lande, die hinter dem Projekt Allen-Lande stecken, liebgewonnen, so muss man sich womöglich mit ihrem neuen Output namens „The Great Divide“ erst anfreunden, denn es ist nicht länger Magnus Karlsson, der hier für das Songwriting zuständig ist, sondern Timo Tolkki, der fortan musikalisch mitmischt. Das hört man dem Silberling mit seinen insgesamt zehn Tracks auch an, denn jene tragen hörbar die Handschrift des finnischen Musikers und Songwriters.

Es muss bei den genannten Namen vermutlich nicht explizit erwähnt werden, dass – wie auch immer einem die Tolkki-Linie gefallen mag – hier wahre Größen der Metalszene am Werke sind und waren.
So sprechen Allen und Lande mit ihrer jeweiligen Tätigkeit bei Bands wie Symphony X (Russell Allen) oder Masterplan (Jorn Lande) für sich, während auch ex-Mitarbeiter Karlsson durch seine Aktivitäten mit u.a. Primal Fear und Tolkki mit Stratovarius keine Unbekannten sind.
Doch genug der angerissenen Fakten, was erwartet den Hörer auf „The Great Divide“?

Man darf sich einstellen auf kraftvolle Songs, die getragen werden von zwei außergewöhnlichen und gleichsam kraftvollen Stimmen.
Besonders intensiv kommen diese natürlich in den ruhigeren Momenten des Albums beim Hörer an, sprich in den balladesken Titeln wie „Lady of Winter“ oder der Titelsong „The Great Divide“ welche sind, in denen die Instrumentierung etwas zurückgefahren und der Schwerpunkt auf die Stimmen gelegt wurde. Stark, was für Organe hier aufeinandertreffen!
„In the Hands of Time“ zeigt darüber hinaus auch gut die Variabilität des Gesangs. Hohe Töne werden ebenso gemeistert wie die „gemächlichere“ Strophenarbeit. Dabei klingt man stets sehr gefühlvoll, was sich noch besser bei voller Lautstärke oder unter Kopfhörern macht, denn stimmlich gibt es hier ganz großes Kino auf die Ohren. Das war zu erwarten, und diesbezüglich wird der Hörer auch nicht enttäuscht.

Kommen wir daher zur musikalischen bzw. instrumentalen Umsetzung.
Meist sind die Tracks sehr zielführend mit beachtlicher Melodiestärke angelegt. Melodische Gitarrenläufe empfangen den Hörer daher schon im Opener „Come and Dream With Me“. Selten mischen auch progressive Elemente mit, so zum Beispiel in „Lady of Winter“, dem balladesken Titel mit spannender Entwicklung.

Allen-Lande (Copyright: Russell Allen / Jorn Lande)

Allen-Lande (Copyright: Russell Allen / Jorn Lande)

Wert wird immer auf Eingängigkeit gelegt, auch wenn die Musik recht präsent ausgefallen ist, denn insbesondere gegen die fette Instrumentierung, darunter die teils dominanten Keys und Gitarrenwände, muss mehrmals laut angesungen werden. Diesbezüglich wäre es wünschenswert gewesen, die Jungs am Mikro nicht immer so schreien lassen zu müssen. Ich rede hier keineswegs von einem reinen Balladenalbum, nur von mehr Feingefühl (insbesondere in Hinblick auf die durchschlagende Instrumentierung) und weniger angestrengtem Schreien. Denn Stimme überzeugt nicht unbedingt durch Lautstärke, sondern vor allem die leiseren Töne sind es, die das wahre Potenzial des Gesangs zum Vorschein bringen und angenehm anzuhören sind. Dies lässt man auf dem Album jedoch kaum zu, so bombastisch, wie der Sound arrangiert wurde.

Was man Allen-Lande und ihrem Album „The Great Divide“ dadurch jedoch auf keinen Fall vorwerfen kann, ist das Fehlen von Energie oder inbrünstiger Spiel- bzw. Sangesfreude. Die Musiker sind hier mit Herzblut bei der Sache und das weiß zu gefallen. Schöne Melodien motivieren die Hörer, auch mehrmals das Album in den Player zu legen.

Trailer

Video

Tracklist

01 Come and Dream With Me
02 Down From the Mountain
03 In the Hands of Time
04 Solid Ground
05 Lady of Winter
06 Dream About Tomorrow
07 Hymn for the Fallen
08 The Great Divide
09 Reaching for the Stars
10 Bittersweet



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde