Review

Jazzige Exkursionen rund um den oberen Teil des Kopfes sowie ein Faible für abstrakte Kunst. Das Quintett aus Frankreich bietet mit ihrer Musik irgendwie beides. Wie man es von diversen Free Jazzern kennt, sind auch Alfie Ryner mit „Brain Surgery“ wieder mit Saxophon und verqueren Rhythmen auf der Jagd nach einem avantgardistischen Sound, der die Hirnwindungen durchknetet. Dabei scheut die Band zudem nicht vor dem einen oder anderen improvisierten Stück zurück.

Dennoch gilt es auf „Brain Surgery“ zu differenzieren, ob die Franzosen ihre Songs wie eine Kreissäge durch die Ohren schieben oder einen gemächlicheren Weg einschlagen. Die Intentionen dieser beiden Seiten bringen Alfie Ryner jedoch gut zum Ausdruck. In beiden Fällen drückt das Saxophon wie eine Quietscheente seine Töne raus. Dem Hörer wird hierbei eine abwechslungsreiche Mischung aus einem Durcheinander und echt groovigen Stücken geboten. Sogar gleich zu Beginn mit „Raging Chicken“.

Der Sound geht sofort direkt ins Ohr. Die Blechblasinstrumente geben episch Gas, mit Klängen, die auch gut in eine Ska-Band passen würden, während sie von smoothen Drums in ihre Schranken gewiesen werden. Gegen Ende des Tracks wird es sogar noch mal eine Spur atmosphärischer.

Doch dann schaltet man erst mal wieder um. Etwas, was „Brain Surgery“ ausmacht und ihm seinen Namen verleiht. Mit „Douanier“ fährt die Band einen durchaus industriellen Sound auf, mit einer Menge metallischer Percussion. Diesmal spielen die Saiteninstrumente die Hauptrolle, während immer wieder Geräusche wie eine Trillerpfeife hineingeworfen werden.

Alfie Ryner bahnen sich den Weg durch ihren eigenen verschachtelten Sound, indem sie zwar auf ihre gegebenen Mittel zurückgreifen, die Instrumente aber immer wieder neu arrangieren. Titeltrack „Brain Surgery“ sticht mit einer Menge hektischem Free Jazz hervor, welcher zum Großteil sehr improvisiert wirkt. „Hypnose“ wird dann mit ruhigerem Charakter und den psychedelischen Gitarren seinem Namen mehr als recht. Dabei darf es auf diesem Silberling auch durchaus etwas härter zugehen.

Alfie Ryner (Copyright: Alfie Ryner)

Alfie Ryner (Copyright: Alfie Ryner)

Allerdings ist es so, dass sich die Band innerhalb ihrer Titel oft wiederholt; sei es nun mit den kreischenden Gitarren oder den Rhythmen, die für manche Parts oft als Füller dienen. Dennoch kann man nicht leugnen, dass der Ideenreichtum der Band durchaus den einen oder anderen Moment erzeugt, der in Erinnerung bleibt.

Es spielt auch bei „Brain Surgery“ wieder eine Menge kreative Freiheit eine Rolle. Wer also nicht unbedingt auf ein abgefahrenes Durcheinander steht, bei dem die Struktur nicht immer sofort klar erkennbar ist, sollte sich dem Material zunächst vorsichtig annähern. Alfie Ryner geben einem als Hörer dennoch die Chance, in ihren Wahn mit einzusteigen, indem sie ihn mit catchigen Klängen buchstäblich einfangen. So bietet dieses Album dazu noch genügend Abwechslung und man kommt dem Ganzen deutlich leichter hinterher. Die Band mag es abstrakt klingen lassen, dies täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass sie auch auf musikalische Zugänglichkeit Wert legen.

Video

Trackliste

01 Raging Chicken
02 Douanier
03 Brain Surgery
04 Hypnose
05 No Hay Mas
06 Gradation

Details

Alfie Ryner – Homepage
Alfie Ryner – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 20.11.2014
Spielzeit: 38:02

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher