Review

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, doch bei Agonoize scheint man sich zumindest in einem einig zu sein: Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Nichtsdestotrotz ist Chris L., der auch bei Funker Vogt erfolgreich tätig ist (zuletzt „Element 115“), mit seinem Ur-Projekt Agonoize aus der Electro-Szene nicht wegzudenken. Und so lassen sie auch 2021 von sich hören; zunächst in Form der EP „666 Degrees Below“, die die Wartezeit auf ein kommendes Album verkürzen soll.

„Rotzfrech, sozialkritisch und provozierend“ soll die Marschrichtung ihres darauf zu hörenden Hellectro laut Label RepoRecords sein – man weiß also, auf was man sich einzustellen hat.

Etwas Ernüchterung macht sich dann aber bezüglich der Songanzahl breit. Denn von insgesamt sechs Tracks sind vier Titel Remixversionen von auf dem neuen Album erscheinenden Songs. Immerhin legten daran Szenegrößen wie Nachtmahr, Eisfabrik, Klubkind und – stilistische Überraschung! – Nachtblut Hand an.

So klingt der Vorgeschmack auf ein kommendes Album

Bevor es aber die Remixe zu hören gibt, zeigt der Opener und gleichzeitige Titeltrack „666 Degrees Below“ in gewohnt aggressiver Agonoize-Manier, in welche Richtung vermutlich auch das Album gehen wird. Sehr direkt begleiten die Lyrics die von Fans geliebten melodischen Beats. Leider zeigt Chris hier stimmlich wenig Abweichungen von dem üblichen Bekannten.

Ausschließlich positiv kommt „Angst ist Macht“ an. Agonoize setzen damit neue (provokante) Maßstäbe und liefern insgesamt ein wahres Highlight ab.

Der Remix „Faux Amis“ von Eisfabrik kommt mit hervorstechenden Vocals und einer eindringlichen Melodie daher. Außerdem dringen die Beats sofort vom Ohr ins Bein und der Wunsch zu tanzen macht sich breit.

Überraschend gut präsentieren Klubkind ihren Remix von „Komakind“, dem vermutlich neuen Dancefloor-Klassiker von Agonoize. Er überzeugt textlich, musikalisch und gesanglich auf ganzer Linie und macht Neugierig auf das „Original“.

Agonoize live @ M’era Luna Festival 2019. (Copyright: Dagmar Urlbauer / DeepGround Magazine)

Wie nicht anders zu erwarten war, stellt auch der Nachtmahr-Remix von „Dein Gott“ einen wahren Höhepunkt dar. Die charakteristischen Züge beider Projekte kommen hierin zum Ausdruck. Darüber hinaus könnte man fast behaupten, dass sich Thomas Rainer hier selbst übertroffen hat. Das Original wird es schwer haben, da mitzuhalten.

Der Abschluss der EP bekommt schließlich noch einen Hauch Neue Deutsche Härte verabreicht. Nachtblut machen „Komakind“ mit ihrem Sound auch zu ihrem eigenen Hit. Im Gegensatz zum Klubkind-Remix des Songs zeigen sich hier nicht nur elektronische Elemente, zusätzlich stehen die rockigen Anleihen deutlich im Vordergrund. Eine gelungene Version.

Fazit

Man muss kein großer Agonoize-Fan sein, um die EP „666 Degrees Below“ gut zu finden. Auch wenn die Remixe dominieren, können sie immerhin auf ganzer Linie punkten. Man darf auf das neue Album durchaus gespannt sein und hoffen, die Originalversionen mögen die Remixversionen noch übertreffen. Die Abwechslung betreffend darf man bei dem kommenden Album jedoch auf mehr hoffen.


666 Degrees Below (ltd. edition)

Video

Tracklist

01 666 Degrees Below
02 Angst Ist Macht
03 Faux Amis (Eisfabrik Remix)
04 Komakind (Klubkind Mix)
05 Dein Gott (Nachtmahr Remix)
06 Komakind (Nachtblut Remix)

Details

Agonoize – Facebook

Label: RepoRecords
Vö-Termin: 26.02.2021
Spielzeit: 26:14

Copyright Cover: RepoRecords



Über den Autor

Jasmin
Musik ist Balsam für meine Seele