Review

Ausnahmekünstlerin Agnes Obel zog sich unlängst auf ein Neues in eine selbst auferlegte kreative Isolation zurück, um nach ihrem 2016er Album „Citizen of Glass“ in völliger Abgeschiedenheit ein neues Werk zu erschaffen.

Nach den Vorboten in Form der Singles „Island Of Doom“, „Broken Sleep“ und „Camera’s Rolling“ steht „Myopia“, so der Name des neuen Machwerks, erschienen beim Label Deutsche Grammophon, nun in den Verkaufsregalen – und sollte all jene anlocken, die durch zauberhaftes Klanggut dem Alltag für knapp 40 Minuten entfliehen wollen.

Was erwartet werden darf

Was ist von den zehn Songs der Sängerin, Songwriterin und Musikerin, die bereits zu einigen Serien und Filmen ihre Musik beisteuerte (darunter z.B. die Serien „Dark“, „Der Nebel“ oder „Grey’s Anatomy“), zu erwarten?

Agnes Obel frönt erneut ihrer Experimentierfreude und bleibt dabei doch zugänglich und zu keinem Zeitpunkt sperrig. Und das, obwohl Verzerrungen auf Stimmmodulationen treffen, während auf instrumentaler Ebene u.a. Streicher, Klavier, Celesta und Luthéal-Klavier zum Einsatz kommen. Das Ergebnis mündet in sphärischen, dichten, stimmungsvollen Titeln, die eine Wohlfühl-Atmosphäre heraufbeschwören und gelungen zwischen Leichtigkeit und Schwermut changieren.

Die kreierten Melodien der Songs fallen zwar nicht immer allzu eingängig, dafür aber stets zeitlos schön aus.

Agnes Obel (Copyright: Alex Brüel Flagstad)

Getragen vom bezaubernden Gesang der Musikerin ziehen ihre Lieder die Hörer komplett in den Bann – und in ihre ganz eigene geschaffene Welt. In dieser gibt es viele Details zu entdecken, sodass „Myopia“ auch nach mehrmaligen Durchläufen immer Neues offenbart.

Mag bei dem einen oder anderen während des ersten oberflächlichen Hörens eventuell noch der Eindruck entstehen, „Myopia“ falle monoton oder langweilig aus, so sei der Genuss des Albums dringend unter Kopfhörern empfohlen. Denn dadurch entfalten die Titel einmal mehr ihre Sogkraft und Wirkung – und laden (auch letzte Zweifler) zum intensiven Hinhören ein.

Das Für und Wider der Instrumentalstücke

Einzig die Instrumentalstücke („Roscian“, „Drosera“ und „Promise Keeper“), zwar passend platziert und im Albumkontext nicht zwingend störend, erweisen sich für manch einen eventuell als verzichtbar. Der Grund ist die schlichte Tatsache, dass man der gefühlvollen Stimme von Agnes Obel nur allzu gerne lauscht und davon einfach gerne mehr hören möchte.

Und das ist nur eines der vielen Argumente, die für den Kauf von „Myopia“ sprechen.

 

Video

Tracklist

01 Camera’s Rolling
02 Broken Sleep
03 Island Of Doom
04 Roscian
05 Myopia
06 Drosera
07 Can’t Be
08 Promise Keeper
09 Parliament Of Owls
10 Won’t You Call Me

Details

Agnes Obel – Homepage | Agnes Obel – Facebook | Agnes Obel – Twitter

Label: Deutsche Grammophon
Vö-Termin: 21.02.2020
Spielzeit: 39:53

Copyright Cover: Deutsche Grammophon



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde