Review

Wenn Vanilla Ninja (gibt es die überhaupt noch?) Nachhilfe bei Lita Ford und Doro bekommen hätten, dann könnte das Ergebnis davon auf den Namen Adrenaline Rush hören.

Die schwedische Band um Frontfrau Tave Wanning besteht zwar nicht aus weiblichen Bandmitgliedern und auch ist der Pop-Anteil in den elf Songs ihres selbstbetitelten Albums eher gering ausgefallen, und doch kommt – zumindest mir – unwillkürlich die Assoziation eben dieser Kombination auf. Dies ist allerdings durchaus als Kompliment zu verstehen, denn nimmt man die kommerziell erfolgreichen Hits der Vanilla Ninjas und die (heavy) Rock-Elemente sowie den 80er-Touch der weiblichen Szene-Urgesteine Ford und Pesch, so ist die Summe dieser Zutaten absolut hörenswert. Und das ist „Adrenaline Rush“ im Großen und Ganzen auch.

Mit „Black N‘ Blue“ und der Single „Change“ eröffnen gleich zu Beginn zwei temporeiche Songs den Silberling des Stockholmer Quintetts. Markant springt dem Hörer die sehr helle, mädchenhafte Gesangsstimme zu den rockigen Gitarren ins Ohr. Insbesondere der jeweilige Refrain setzt auf eingängige Melodien und umgehend mitsingbare Vocals.

Am Anfang von „Generation Left Behind“ fügt man der Stimme von Tave Wanning leichte Verzerrungen hinzu, was im Folgenden aber mehr und mehr Gestalt annimmt. Auch hier ist es wieder der Mitsingfaktor im Refrain, der gefällt und sich mit seinen Backingvocals scheinbar an Klassikern wie „School’s Out“ von Alice Cooper orientiert.

Adrenaline Rush (Copyright: Adrenaline Rush)

Adrenaline Rush (Copyright: Adrenaline Rush)

Purer Girls-Rock prescht mit „Girls Gone Wild“ aus den Boxen. Genau solche Tracks sind es auch, die wie die Faust aufs Auge zu Adrenaline Rush passen. Da wirkt ein ruhigeres „When We’re Gone“ eher unspektakulär. Weil in den balladesken Gesangspassagen die Stimme logischerweise im Vordergrund steht, ist hier der individuelle Geschmack des Hörers gefragt, denn die immer gleich klingende, wenig facettenreiche Stimmfarbe Taves muss man mögen, um mit ihr auf die Dauer von knapp 43 Minuten zurechtzukommen.

Es ist nicht neu, was Adrenaline Rush auf ihrer CD von sich geben, insgesamt macht das gleichnamige Album dieser Melodic Rock Band aber großen Spaß. Die Songs des Rundlings verbreiten gute Laune und man hört den Musikern ihre Spielfreude deutlich an. Vielleicht hätte der CD hier und da noch ein wenig mehr Abwechslung bzw. weniger ähnliche Songs gut getan, dafür macht es bei so viel versprühter positiver Energie nichts, dass Adrenaline Rush modern klingendes Altbekanntes präsentieren. Wer sich also von der fröhlich-rockigen Stimmung anstecken lassen möchte, der sollte sich „Adrenaline Rush“ ruhig einmal zu Gemüte führen.

Video

Tracklist

01 Black N‘ Blue
02 Change
03 Generation Left Behind
04 Girls Gone Wild
05 When We’re Gone
06 Want It All
07 Too Young To Die
08 Oh Yeah!
09 No No No
10 Playin‘ To Win
11 Hit You Like A Rock

Details

Adrenaline Rush – Homepage
Adrenaline Rush – Facebook

Label: Frontiers Records
Vö-Termin: 22.08.2014
Spielzeit: 42:22

Copyright Cover: Frontiers Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde