Review

Drei Alben („Night“ von 2014, „Run, Lucifer“ von 2015 und „Closure“ von 2017) kann die Diskografie der schwedischen Wahlberlinerin Adna bereits verbuchen. Mit „Black Water“ präsentiert die Singer-Songwriterin nun ihr neuestes Werk und bewegt sich zehn Songs lang im melancholischen Dark Pop.

Die Songs 

Dabei fängt die Künstlerin ihr Album jedoch nicht mit einer Eigenkomposition an. Vielmehr eröffnet der Titel „Kad Procvatu Behari“ (im Original von Shaderwan Code) auf weltmusikalische, folkloristische Art ihren neuen Silberling. Kürzer als das Original, bringt Adna jedoch den Song auf den Punkt und erzeugt, gesungen in bosnischer Sprache und den Gesang in den Vordergrund stellend, ein gelungenes Intro. Dieses baut eine intime Atmosphäre auf, die mit den folgenden Titeln noch untermauert wird.

Darunter beispielsweise der Titeltrack „Black Water“, mit dem hörbar auf Lana Del Rey-Pfaden gewandelt wird. Melancholisch und doch hoffnungsvoll-fröhlich und somit tröstlich nimmt der Song mehr und mehr an Instrumentierung, Melodik und Intensität zu. Eine Steigerung, die gelungen ist und die Hörer:innen auch nach mehrmaligem Hören noch zu packen versteht.

Mit dem sich anschließenden „Darkness Born In Youth“ verankert sich Adna einmal mehr im melancholischen Lo-Fi-Songwriting. Äußerst reduziert, unaufgeregt, entschleunigt und dabei immer melodisch und stimmungsvoll lädt die Künstlerin zum Träumen und Abschalten ein.

Ist der letzte Ton ihrer zarten, oft zerbrechlich wirkenden Stimme und der hier noch dominant zu hörenden Akustikgitarre verklungen, wird es mit „Don’t Know“ ein wenig poppiger. Doch auch in diesen allzu poppigen Momenten, die für ein wenig mehr Drive auf „Black Water“ sorgen, bleibt die anfangs aufgebaute Atmosphäre bestehen.

Adna (Copyright: Greta Maria Asgeirsdottir)

Diese bricht auch im folgenden „You Are“ nicht ab, wenngleich dieser Song erstmals nicht ganz so intensiv bei den Hörer:innen ankommt. Die vielen Wiederholungen auf textlicher Ebene lassen den Titel ein wenig eintönig erscheinen, sodass der Song zwar angenehm, aber eher belanglos vor sich dahinplätschert.

Im Gegensatz dazu kann „November“ gerade durch seine repetitiven Textzeilen überzeugen. Dennoch folgt in der zweiten Albumhälfte ein kleines Auf und Ab. Während „Bloom“ schön klingt, aber emotional nicht ganz packen kann, weiß „Color“ in seiner Reduktion wieder Gänsehaut zu verursachen. Ähnlich ergeht es auch den beiden letzten Titeln „Elsewhere“ und „This Now Here“. Indem die Atmosphäre zunehmend weniger variiert, klingen die Songs letztlich ähnlich und stehen sich nicht selten selbst im Weg. So kann sich der/die Zuhörer/in den durch die Tracks vermittelten Gefühlen zunehmend schwerer hingeben und sich in die Musik fallenlassen.

Fazit

Mit „Black Water“ präsentiert Adna insgesamt ein eher „introvertiert“ klingendes Album, das dafür aber umso intensiver und intimer wirkt. Gleichzeitig wird diese Introvertiertheit dem Werk in der zweiten Hälfte zum Verhängnis, da Gänsehautmomente vermehrt ausbleiben. Eine starke erste Albumhälfte macht dies jedoch mehr als wett.

Kurzum – und um es mit dem Namen des letzten Titels des Albums zu sagen: This! Now! Here!


Black Water

Video

Tracklist

01 Kad Procvatu Behari
02 Black Water
03 Darkness Born in Youth
04 Don’t Know
05 You Are
06 November
07 Bloom
08 Color
09 Elsewhere
10 This, Now, Here

Details

Adna – Homepage | Adna – Facebook | Adna – Instagram

Label: Despotz Records  / Rough Trade
Vö-Termin: 17.09.2021
Spielzeit: 34:15

Copyright Cover: Despotz Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde