Review

Industrial Metal ist ein Genre, unter dem man sich etwas vorstellen kann. Auch die Band Aborym hat sich dieser stilistischen Richtung verschrieben, ergänzt sie allerdings um weitere Zugaben, die die Zusatzbezeichnung „Experimental“ rechtfertigen. Das Ergebnis dieser Transformation des Ursprungsgenres gibt es nun auf ihrem aktuellen Album „Shifting.negative“ zu hören.

Härte, Groove und elektronische Elemente bringen die Italiener bereits im Opener „Unpleasantness“ in einen harmonischen Einklang. Dadurch weist der Titel viele Zutaten auf, die einen guten Song ausmachen, und eröffnet das Album sehr vielversprechend. Vor allem die teils Placebo-artigen poppigen Parts treiben den Track voran und prägen sich dem Hörer ein.

Darauf verlassen, dass es in dieser Art konsequent weitergeht, sollte jener sich allerdings nicht, denn „Shifting.negative“ repräsentiert den Abwechslungsreichtum der Band. Aborym agieren zunehmend mutiger, setzen mehr auf Atmosphäre und schließlich verstärkt auf ihre experimentelle Ausrichtung.
Dadurch folgt auf „Unpleasantness“ der langsame, mit angenehmer Monotonie versehene und auf den Gesang fokussierte Track „Precarious“, welcher sich zunächst auf die gleiche repetitive Tonlage festlegt, um gen Mittelteil einen Bruch zu vollziehen und die Stimmung des Songs in eine gänzlich andere Richtung zu lenken.

Rockiger (vor allem was die Riffs betrifft) geht es dann in „Decadence in a nutshell“ zu, während „10050 cielo drive“ Core-Züge aufweist und „Slipping through the cracks“ einen leichten Punk- und Marilyn Manson-Charme versprüht.

Aborym (Copyright: Aborym)

Manchmal schlagen Aborym aber nicht nur Song für Song andere Richtungen ein und setzen damit wechselnde Schwerpunkte, sondern auch innerhalb ihrer Tracks stößt der Hörer auf unvorhersehbare Wendungen. Unverhofft kommt auf „Shifting.negative“ somit oft, denn hat man sich gerade erst an eine gegebene Klangkulisse gewöhnt, folgt schon etwas Neues wie etwa Tempobrüche und Noise-Einsprengsel (u.a. in „Big h“ zu hören). Diese gewisse Unberechenbarkeit macht es schwer, eine genaue Zielgruppe anzusprechen, während es die Band mit ihrem Material nicht jedem gleichermaßen recht machen wird. Wer von Aborym das einige Male hörbare konzeptuelle Vorgehen mag, wird eventuell ihre Noise-Ansätze nicht präferieren, bei denen es an allen Ecken und Enden kracht. Die Bewertung müsste demnach für jeden Titel einzeln erfolgen anstatt in einem Gesamturteil zu münden.

Was haben wir hier also? Alles bzw. von jedem Stil ein bisschen. Doch wollen wir das? Sicherlich nicht jeder. Daher werden die einen froh sein, wenn das Album mit dem Abschlusstitel „Big h“ ihr Ende gefunden hat, die anderen werden für die Extraportion Aborym (durch die beiden dort inkludierten Bonustracks „Sukeban“ und „Trauma“) zum exklusiven Box-Set greifen. Während die Hörer ihren Weg wählen, könnte es auch der Band bei all ihren innovativen Ideen nicht schaden, sich deutlicher zu fokussieren, denn immerhin blitzen einige Highlights während des Hörens auf.

Video

Tracklist

01 Unpleasantness
02 Precarious
03 Decadence in a nutshell
04 10050 cielo drive
05 Slipping through the cracks
06 You can’t handle the truth
07 For a better past
08 Tragedies for sales
09 Going new places
10 Big h

Details

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Label: Agonia Records / Soulfood
Vö-Termin: 27.01.2017
Spielzeit: 47:16

Copyright Cover: Agonia Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde