Review

Erst im Januar 2016 erschien ihre „Termination Redux“-EP und schon bringen Aborted ein neues Album auf den Markt. „Retrogore“ heißt das gute Stück und damit legt die Band wieder massiv vor. Ihr seit Jahren bekannter Extreme Brutal Death Metal wird auf der ganzen Welt gefeiert; gerade in Deutschland freut man sich auf die Livekonzerte der Band. Nach „Global Flatline“ (2012) und „The Necrotic Manifesto“ (2014) ist in 2016 nun also „Retrogore“ das Maß des Brutal Death?

Nach einigen Durchläufen macht sich vor allem Ernüchterung breit. „Global Flatline“ und „The Necrotic Manifesto“ besaßen mit Songs wie „The Origin of Disease“ oder „Necrotic Manifesto“ wirklich gute Titel, die im Ohr blieben. Auf „Retrogore“ fehlen solche Momente.

Stattdessen gibt es jedoch die gewohnte Aborted-Keule – und die direkt ins Gesicht -, während auch hinsichtlich der BPM scheinbar zugelegt wurde. Doch das allein reicht natürlich nicht und so startet „Dellamorte Dellamore“ als Intro mit lässigem Beat, fluffigem Gesang und einem abschließenden Stöhner, das zusammengenommen auf das bevorstehende Gewitter vorbereiten soll.

Titeltrack „Retrogore“ fällt in die Kategorie „einmal gehört, sofort geliebt“. Er kommt recht groovend daher, was zum einen an den guten Riffs und zum anderen an der Schlagzeugarbeit liegt.

Mit den darauf folgenden Tracks versuchen Aborted dann aber scheinbar aus ihrem gewohnten musikalischen Schaffen hervorzustechen. So klingen die Riffs teilweise deutlich anders; noch verspielter und gerade die Soli erinnern auch an richtige Soli. Das will allerdings nicht so ganz zum Album passen.
Dafür fühlt sich der Hörer mit „Cadaverous Collection“ an Obscura oder Nevermore erinnert, während „Divine Impediment“ noch mal einen Anspieler wert ist. Ein Track, in dem Aborted etwas tiefer und dichter wirken und der den Anschein erweckt, als würde mit ihm eine Geschichte erzählt werden. Einer der wenigen Titel, die komplett überzeugen können.

Aborted (Copyright: Aborted)

Aborted (Copyright: Aborted)

„In Avernus“ bildet mit seinem gewaltigen Groovegewitter schließlich den Abschluss der aktuellen Platte. Hier wiederum fühlt man sich an eine ruhigere Version von Rivers of Nihil erinnert. Selbst die Blasts kommen lässig daher.

Soundtechnisch kann man an „Retrogore“ nichts beanstanden. Aborted lieben es gewaltig und das spiegelt auch das Album mit seinem brachialen Schlagzeug und den fräsenden Gitarren wider. Trotzdem springt der Funke im Großen und Ganzen nicht über. Viel bleibt nicht hängen und der Wiederspielwert ist nicht groß. Obwohl die Band wie immer einen guten Job macht und mit einigen hervorragenden Parts aufwartet, überwiegen leider die gleichen Pattern sowie die stumpfe Brutalität, die einst schon mal hörenswerter war.

Fans sollten hier erst ein paar Tracks Probe hören, „ungeübte“ Aborted Hörer sind mit den Vorgängern deutlich besser versorgt.

Video

Trackliste

01 Dellamorte Dellamore
02 Retrogore
03 Cadaverous Banquet
04 Whoremageddon
05 Termination Redux
06 Bit by Bit
07 Divine Impediment
08 Coven of Ignorance
09 The Mephitic Conundrum
10 Forged for Decrepitude
11 From Beyond (The Grave)
12 In Avernus

Details

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Label: Century Media
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 43:14

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Marcus
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