Review

A Nice Play to Stay – so könnte man denken, wenn man sich das Album „Reversion“ vornimmt. Tatsächlich handelt es sich aber um den Bandnamen eines italienischen Trios, das unter dieser optimistischen Namensgebung sein Debüt veröffentlicht.
Und da A Nice Play to Stay sogleich mit einem recht sperrigen Song ihr Album beginnen, hat der Hörer nicht unbedingt das Verlangen, den Bandnamen als Credo für den Silberling anzusehen.

Angepriesen als neuen instrumentalen Rock, der die Hörer in die Soundlandschaften des „3rd Millennium“ entführen und dabei sowohl elektronische Samples als auch genreübergreifende Elemente zum Einsatz bringen möchte, schüren die drei Musiker zunächst ein Interesse, das hypnotisch-traumhafte Melodien und ruhige, aber auch ein wenig spacige Klanglandschaften erwarten lässt. Selten bieten A Nice Play to Stay aber genau das dem Hörer. Vielmehr agiert man progressiv, experimental und sogar ein wenig Art-rockig. Elementen dieser Genres sollte der Hörer daher unbedingt aufgeschlossen gegenüber stehen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Insofern ist es gut, dass der unzugänglichste Track bereits den Anfang macht, denn anhand von „3rd Millennium Army“ kristallisiert sich schnell heraus, ob man mit „Reversion“ warm wird oder nicht. Was als mutige Entscheidung seitens der Urheber zu werten ist, kann für die Hörer aber ein umgehendes Aus für den Silberling bedeuten, denn in ein recht lautes, von (teils verzerrten) E-Gitarren dominiertes musikalisches Grundgerüst betten A Nice Play to Stay disharmonisch wirkende, arhythmische elektronische Samples, die einen Potenzial besitzenden Titel fast unhörbar machen.

Besänftigender kommt dann schon „Mars in Perspective“ aus den Boxen; schade also, wenn nach „3rd Millennium Army“ die ersten Hörer schon abgeschaltet haben. Hier wäre eine alternative Songanordnung eindeutig die bessere Wahl gewesen.

A Nice Play to Stay (Copyright: Antonella Ruberto)

A Nice Play to Stay (Copyright: Antonella Ruberto)

Denn dadurch entgeht dem Hörer zudem „Mission to the Unknown Origin“, das nach einem (durch Wiederholungen des immer gleichen Motivs hervorgerufenen) zähen Anfang den Charme einer 80er Jahre Action-Serien-Titelmelodie versprüht. Deutlich erkennt man an diesem Track jedoch die Entwicklung, die ein Song aus dem Hause A Nice Play to Stay durchmachen kann, wenn man die elektronischen Elemente sinnvoll und harmonisch in den Songablauf integriert.

Insgesamt besteht die Mehrheit der Songs auf „Reversion“ aus immer wiederkehrenden Melodiefolgen, die sich meist in repetitiven Gitarrenriffs äußern. Das bedeutet nicht gerade viel Abwechslung innerhalb der einzelnen Tracks. Die lauten Gitarren und die elektronischen Samples lassen den Hörer zusätzlich verwirrt und unzufrieden zurück.

Außerdem tut die meist ausgedehnte Songlänge den jeweiligen Titeln nicht gut, denn gerade in Momenten, in denen laute und wirre Töne dominieren, ziehen sich die Tracks allzu sehr in die Länge.

Die Erwartungen an „Reversion“ waren hoch, denn ein reines instrumentales Rockalbum wäre eine schöne Alternative in der eigenen CD-Sammlung, um einmal ein wenig zu entspannen, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sich ganz und gar auf die Musik zu konzentrieren, ohne durch Lyrics oder stimmliche Darbietungen abgelenkt zu werden. Dies schaffen A Nice Play to Stay mit ihrem Debütalbum nicht. Hier regiert das zugegeben durchdachte, aber dennoch nicht wegdiskutable klangliche Chaos für all jene, die nichts mit Art-Rock, Experimental oder zumindest Progressive Rock anfangen können. Doch selbst jene, die diese Stilrichtungen favorisieren, müssen sich in „Reversion“ erst einmal einhören.
Handwerklich gut gemacht, im Ergebnis aber zu gewöhnungsbedürftig, als dass es viele Hörer erreichen dürfte.

Video

 

Tracklist

01 3rd Millennium Army
02 Mars In Perspective
03 Mission To The Unknown Origin
04 Envelopes
05 Lost And Confused
06 Living In A Nice Play To Stay
07 Cows On The Moon (Experiment #1)
08 The Sound Of A Freezing Dawn (in A New World)

Details

A Nice Play to Stay – Facebook

Label: ANPTS Records / Believe Digital
Veröffentlichung: 20.06.2014
Spielzeit: 49:29 Minuten

Copyright Cover: ANPTS Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde