Review

Dämonen manifestieren sich auf der EP der Darmstädter Band 8kids auf verschiedene Art und Weise. Atemlos beschwört sie das Trio musikalisch und lyrisch in den fünf Songs auf „Dämonen“ herauf. 8kids verpacken ihre Musik in dynamischen Post-Rock, der bis zum Post-Hardcore hinreicht und gelegentlich sogar zum Indie-Rock zurückfindet. Textlich gibt man sich vor allem Themen hin, die das Selbst zerreißen, seien sie nun positiv oder negativ.

„Dämonen“ legt gleich mit zwei signifikanten Titeln los, die den Sound der Band sehr gut widerspiegeln. Darunter der Titeltrack, der viel mit Metaphern arbeitet, deren tieferer Sinn sich erst im Laufe des Tracks entwickelt. Die Saiteninstrumente in den Versen bauen sich ‚gen Refrain auf, der sich mit einer catchigen Rock-Attitüde in die Ohren krallt.

Wo es laut wird, ist auch das Geschrei nicht weit. 8kids verfahren hier nach dem klassischen „ich-brüll-mir-meine-Kehle-wund“-Prinzip. Allerdings spielt man mehr mit dem heiseren Organ und so drückt man stellenweise die Wörter bis zum Anschlag heraus, nur um dann wieder melodisch erschöpft zu klingen. Auch der verlangsamte Charakter von „Alles löst sich auf“ profitiert davon und ergibt so eine gelungene Einleitung in die EP.

Das anfangs noch sehr ansprechende Riff von „2-1-0“ wird schnell von Beats abgelöst, die schon fast an Dubstep erinnern. Obwohl 8kids im Grunde sehr vorausschauend agieren, gestaltet sich dieser Stilwechsel doch recht gewöhnungsbedürftig. Auch lyrisch zeigt sich die Band hier nicht allzu spektakulär, zumal die Hook zu gewollt und generisch klingt. Neben all der (nüchtern authentischen) Melodramatik zuvor könnte man meinen, hier würde viel zu viel Optimismus drin stecken.

8kids (Copyright: 8kids)

8kids (Copyright: 8kids)

Danach überrascht ein Cover des Songs „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer. An sich eine runde Interpretation des Songs, der jedoch kaum Highlights aufweist, die im Gedächtnis bleiben. Aber immerhin eine gute Idee, die ins Konzept passt und, wie schon erwähnt, eine angenehme Überraschung.

Dafür geht „Schatten an der Wand“ zum Abschluss mit interessantem Arrangement der Melodien ordentlich nach vorne. Hier wird sich der Hörer auch erst mal des abwechslungsreichen Drummings bewusst, welches durch die komplette EP hinweg präsent ist.

Im Nachhinein bleibt vor allem der Gedanke, dass da noch eine Menge Luft nach oben ist, besonders wenn es um das Ausreizen der Grenzen geht. Hängen bleiben aber auch viele positive Dinge wie zum Beispiel die drückende Stimmung, die die Songs ausstrahlen, die abwechslungsreiche Spielart und die modernen Ansätze. Daher zeugt „Dämonen“ insgesamt von einer Menge musikalischer und kreativer Substanz.

Video

Trackliste

01 Alles löst sich auf
02 Dämonen
03 2-1-0
04 Der Weg
05 Schatten an der Wand

Details

8kids – Homepage
8kids – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 20:10

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Christopher