Review

Ob wirklich nicht alles Gold ist, was glänzt, finden wir heute im Review zum 22Lights Album „Gold“ heraus. 22Lights kommen aus Wien, haben sich während des Studiums kennengelernt und jeder einzelne bringt die unterschiedlichsten Einflüsse aus persönlichen Präferenzen mit. Ein elektronisches Grundgerüst mit Ausflügen in den Pop- und Rockbereich prägt den Sound auf „Gold“. Dabei steuern 22Lights mit ihren Klängen oft gegen den bekannten Mainstream.

Empfangen wird man auf der Platte mit dem Titeltrack „Gold“. Ein pulsierender Bass und punkige Riffs legen sofort los, den Hörer vom Stuhl zu reißen. Durch den dazu weiblichen Gesang fällt es schwer, nicht gleich an Bands wie Paramore zu denken. Dennoch bilden 22Lights einen stärkeren Kontrast zwischen poppigem Elektro und einem rockigen Refrain.

Die Riffs und Rhythmen auf „Gold“ lassen vor allem die Herzen jener höher schlagen, die auch Wert auf ein wenig Indie legen. Die Riffs auf „Children In The Rain“ sind so richtig schön groovig und finden sich gut in den elektronischen Hintergrund ein. „The World Became Still“ profitiert von einem knarzigen Synthi mit einem abgehackten Gitarrenriff, das sich im Verlauf des Songs immer weiter in sich selbst hineinsteigert.

Auch viele der Effekte flößen den Titeln eine Menge Leben ein. Die Clap-Beats auf „Players“ sind beispielsweise eine tolle Ergänzung zum Beat. Zusammen mit den pumpenden Drums und variierenden Saiten erinnern die Songstrukturen auf „Gold“ an jene, wie sie bei Bloc Party zu „Silent Alarm“ und fortschreitenden Arbeiten vorkamen.

22Lights (Copyright: Lux & Lumen/ Marlene At Fröhlich)

22Lights (Copyright: Lux & Lumen/ Marlene At Fröhlich)

Nun aber zu einem Kritikpunkt, der den Hörer des Albums oft ein wenig abschweifen lässt. Der weibliche Gesang ist poppig, rockig und manchmal liegt ein gewisser Soul in der Stimme. Und nein, das wird an dieser Stelle nicht kritisiert. Es ist vielmehr so, dass Gesang und Rest der Band oft auseinanderdriften. Denn gesanglich erwartet man oft nur einen reinen Pop-Song, was dem Alternative in der Musik oft im Weg steht und andersrum. Das bedeutet, wenn der Hörer den elektronischen Indie genießt, spielt die Stimme nur eine Nebenrolle. Auf der anderen Seite wiederum spielt dieser dem Pop-Gesang an vielen Stellen nicht in die Hände. Zudem sind die Texte sehr vorhersehbar.

Es gibt aber auch genug Passagen, an denen Band und Sängerin nahtlos ineinanderfließen und der Pop-Effekt einen netten Beigeschmack hinterlässt. Geschmackssache, aber „Buy Me“ und „Ruins“ klingen zu streng nach Vorschrift konstruiert. Im Vergleich zu den restlichen sieben Titeln repräsentieren diese Songs „Gold“ nur teilweise.

Aber diese sieben Titel bieten dem Hörer ein ganzes Repertoire an Variationen, interessanten Ideen und einer Menge Zugänglichkeit. Die elektronischen Beats auf „Gold“ sind klasse, genauso wie das Arrangement der Saiteninstrumente den Hörer direkt anspricht. Abgerundet durch einen soliden weiblichen Gesang, der die Platte weniger wie eine weitere Alternative-Band mit verschiedenen Einflüssen wirken lässt. Clubtauglich aber auch für Beschallung beim Warten auf den Zug geeignet. Abschließendes Fazit: 22Lights lassen ihr „Gold“ glänzen.

Video

Trackliste

01 Gold
02 Players
03 Children In The Rain
04 The World Became Still
05 Creeping Over
06 Closer To Solitude
07 Buy Me
08 Ruins
09 Unavailable

Details

22Lights – Homepage
22Lights – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 06.03.2015
Spielzeit: 39:17

Copright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher