Review

Einer, der in der inoffiziellen Top-Designer-Reihe von Koch Media nach „Valentino“ nicht fehlen durfte, ist mit Sicherheit Yves Saint Laurent. Mit den nun auch für Frauen salonfähigen Hosenanzügen oder den Etui-Kleidern, die von Bildern des niederländischen Malers Piet Mondrian inspiriert wurden, kreierte er moderne Klassiker, und steht den anderen Vertretern dieser Reihe wohl in nichts nach. Zusammen mit seinem Partner Pierre Bergé schuf er außerdem ein Unternehmen, das über den Tod des Künstlers hinaus Bestand hat.

Ausnahmekünstler Yves Saint Laurent (Copyright: Koch Media)

Ausnahmekünstler Yves Saint Laurent (Copyright: Koch Media)

Dennoch ist es nicht nur die Mode, die Yves Saint Laurent zu einem unvergessenen Künstler werden ließ. Schon die Verfilmung der Lebensgeschichte des Ausnahmekünstlers, welche 2014 unter dem schlichten Titel „Yves Saint Laurent“ auch in unseren Kinos zu sehen war und von uns hier besprochen wurde, zeigte Drama und Mode im Leben von Yves. Lohnt dann überhaupt noch ein Blick in die Dokumentation „Yves Saint Laurent – L’Amour Fou“?

L’Amour Fou, also leidenschaftliche Liebe für die Mode als auch für den Genuss, zeigen sowohl der Spiel- als auch dieser Dokumentarfilm. Beide beginnen am Ende; nach dem Tod von Laurent zeigen sie Pierre Bergé und die Auflösung der gemeinsamen Kunstsammlung. Außerdem bieten beide Formate einen grundlegenden Überblick über die Karriere des Modeschöpfers von seinen Wurzeln, über die Gründung des eigenen Modehauses bis zu den späten Jahren.
Interessanterweise bestehen in den Details zwar durchaus einige Unterschiede, insgesamt ist die Schwerpunktsetzung aber doch ähnlich: Beispielsweise widmen beide Filmmacher den Piet Mondrian-Kleidern einen besonderen Platz. Auch der labile Gemütszustand, der Einzug in die Armee mit dem anschließenden Aufenthalt in der Psychiatrie und die Beziehung zu Bergé werden sehr ähnlich beschrieben. Für mich schon mal ein Zeichen für die gute Arbeit des Spielfilmteams, die sich natürlich an der Doku aus dem Jahr 2010 orientieren konnten.

Doch den Dokumentarfilm auf Spielfilmrecherche zu beschränken, würde der Sache nicht gerecht. Während die zweite Umsetzung mit außerordentlich gut gecasteten Schauspielern und einer großen Zahl an originalen Entwürfen punktet, liegen die Stärken der hier vorliegenden Doku in der Authentizität.

Yves Saint Laurent bei der Arbeit (Copyright: Koch Media)

Yves Saint Laurent bei der Arbeit (Copyright: Koch Media)

Bei den 99 Minuten Laufzeit handelt es sich um ein mit Originalfilmaufnahmen und Fotos gespicktes Interview mit Pierre Bergé, der seine Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle unvermittelt mit dem Zuschauer teilt. Bewegend, wie er allein inmitten der unzähligen Kunstwerke steht und veranlasst, dass die Sammlung durch eine Auktion bei Christies aufgelöst wird, dabei immer in Gedanken bei seinem Freund und Partner. Im Auflösungsprozess durchschreitet er gedanklich den gemeinsamen Lebensweg – bis am Ende die edlen Kunststücke, die zum Teil mit so vielen Erinnerungen verknüpft sind, unter den Hammer kommen.

Während mir dieser persönliche, sensible Aspekt bei „Valentino – Der letzte Kaiser“ fehlte, bringt das Team um Regisseur Pierre Thretton persönliche Nähe und Kunst derart zusammen, dass Yves Saint Laurent und Pierre Bergé nicht wie zweidimensionale Filmfiguren wirken, sondern als Menschen porträtiert werden.

Am Ende birgt „Yves Saint Laurent – L’Amour fou“ keine Achterbahnfahrt der Gefühle, sondern ein ehrliches und einfühlsames Porträt über einen Künstler und einen Mann, der einen Freund verloren hat.

Trailer

Inhalt

Eine leidenschaftliche Liebe und gelebte Leidenschaft für die Welt von Mode und Kunst: „Yves Saint-Laurent – L’amour fou“ lässt mit Pierre Bergé den lebenslangen Partner und Liebhaber der gefeierten Mode-Ikone zu Wort kommen. Ausgehend von der längst legendären Christies-Auktion, bei der beider Kunstsammlung zu exorbitanten Preisen versteigert wurde, folgt die Dokumentation dem Lebens- und Karriereweg eines Ausnahmekünstlers, dessen gesellschaftliche Existenz mindestens ebenso aufregend war wie seine extravagante Kreationen.

Gleich zwei Aufsehen erregende Produktionen haben sich 2014 dem Leben der großen Modeikone Yves Saint-Laurent gewidmet und damit auf den Filmfestivals von Berlin bis Cannes für sensationelle Schauwerte gesorgt. Die wahre Geschichte hingegen liefert Pierre Thoretton mit seiner für den César nominierten Dokumentation, die durch die Augen von Schlüsselfigur Bergé ein halbes Jahrhundert Revue passieren lässt.

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0, 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0, 5.1) / Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Infoprogramm
Studio: Koch Media GmbH – Film
Erscheinungstermin: 09.10.2014
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 99 Minuten
Extras: Diverse Behind-the-Scenes Specials (ca. 55 Minuten)

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer