Review

Vom Comic auf die Leinwand

Als am 12. Dezember 1969 der erste Comic über den kleinen naturliebenden Sioux-Jungen Yakari erschien, ahnten seine Schöpfer, André Jobin (Text) und Claude de Ribaupierre (Zeichnungen), auch bekannt als Job und Derib, wohl noch nicht, zu welch großer Marke ihr kleiner Abenteurer heranwachsen würde.

Auch 2020 ist die Begeisterung für die Figuren aus dem „Yakari“-Kosmos ungebrochen und so folgte nach zwei TV-Serien, einem Musical und diversen Spielzeugfiguren von Schleich und Playmobil ein Film für die große Leinwand – und schließlich für das Heimkino: „Yakari – Der Kinofilm“.

Zurück zu den Anfängen

Das Spielfilm-Animationsabenteuer, unter der Regie von Xavier Giacometti, der bereits über 200 Folgen der TV-Animationsserie verantwortete, und Toby Genkel, geht zu den Anfängen des Indianerjungen zurück und erzählt die Geschichte, wie dieser zu seiner Fähigkeit kommt, mit den Tieren sprechen zu können, und wie er Freundschaft mit dem Pony „Kleiner Donner“ schließt.

Insgesamt ist „Yakari – Der Kinofilm“ eine Geschichte über Freundschaft, Selbstvertrauen, Mut und die magische Verbindung der Hauptfigur zur Natur. Thematisiert werden entsprechend das Zusammenleben von Mensch und Tier sowie der Umgang des Menschen mit seiner Umwelt. Zudem geht es um den Wert echter Freundschaft, die alle Hürden überwindet. Oder um es mit den Worten von Xavier Giacometti zu sagen:

YAKARI ist eine zutiefst menschliche Geschichte, die erzählt, wie ein Kind die Welt entdeckt; sie hält die Balance zwischen Action, Abenteuer, Entdeckungen, Wissen und Comedy. Dabei sind die Abenteuer unseres jungen Helden durchzogen von einem tiefgehenden Sinn für Freiheit und dem Respekt vor den Tieren und der Natur.

Xavier Giacometti, Drehbuch & Regie

Klassischer Zeichentrick

Eingefangen wird dies in idyllischen Bildern, die als klassischer Zeichentrick und nicht als CGI-Animation daherkommen. Damit orientiert man sich nah an den Comicvorlagen und greift deren (nostalgischen) Charme auf.

Die Landschaften sind weit, die Farben freundlich und kräftig und die einzelnen Charaktere ausdrucksstark und liebevoll gestaltet. So wirken auch bedrohliche Momente kindgerecht dargestellt. Auf allzu viele grafische Details – gerade im Hintergrund einer Landschaftsszene – muss indes verzichtet werden. Einzug halten dafür Traumsequenzen, die mitunter eine Frage des persönlichen Geschmacks sein könnten, jedoch nötig sind, um die Beziehung zu Yakaris Totem zu verdeutlichen.

Das alles erinnert optisch ein wenig an „Die Abenteuer von Wolfsblut“, reicht emotional aber leider nicht an dessen Stärke heran. Obschon auf emotionaler Ebene sehr viel Potenzial vorhanden ist, lösen die einzelnen Szenen weniger tiefe Gefühle beim Zuschauer aus als gedacht. 

Eine besondere Freundschaft, zu sehen im Animationsabenteuer „Yakari – Der Kinofilm“. (Copyright: Leonine Kids)

Ebenso bleibt die teils märchenhaft wirkende Handlung sehr einfach und (nicht nur, wenn man die Comics kennt) stets vorhersehbar. Für Auflockerungen sorgen allerdings ein zielgruppengerechter und damit eher kindlicher Humor und einige spannende Actionsequenzen, die jedoch – gemäß der Altersfreigabe ab 0 Jahren – mehr durch Tempo als durch Dramatik erzeugt werden.

Die Lebensweise und Kultur der Indianer werden auf den knapp 82 Minuten oberflächlich und auf etwas romantisierende Art gestreift, was aber bei einigen jüngeren Zuschauern sicherlich ausreicht, um die Neugier zu wecken, sich intensiver mit indigenen Völkern beschäftigen zu wollen.

Als SprecherInnen sind unter anderem Diana Amft, Hans Sigl und Patrick Bach zu hören, die ihren Figuren passend Leben einhauchen. Einzig Protagonist Yakari klingt sehr weiblich, was mitunter etwas verwirrend erscheint, will die Stimme doch nicht permanent zu dem Indianerjungen passen.

Fazit

Da „Yakari – Der Kinofilm“ äußerst kindgerecht inszeniert wurde, ist er letztlich nur bedingt ein Film für die ganze Familie. Erwachsenen mag diese Adaption daher oftmals zu kindlich erscheinen, das junge Zielpublikum kommt indessen voll auf seine Kosten und wird unserer Wertung definitiv einen Punkt hinzuaddieren wollen. Für sie lohnt ein Blick in das neueste Werk aus der Welt des kleinen Indianerjungens, der es hier einwandfrei versteht, erstrebenswerte ethische Werte und moralische Botschaften zu vermitteln.


Yakari – Der Kinofilm [Blu-ray]

Trailer

Handlung

Yakari hat einen Traum: Er möchte eines Tages auf Kleiner Donner reiten, dem Wildpferd, das noch von keinem Sioux gezähmt werden konnte. Als die Jäger seines Stammes eine Herde Mustangs einfangen, kann Kleiner Donner mit einem mächtigen Sprung wieder entkommen. Yakari folgt dem jungen Pferd und befreit es, als es seinen Huf unter einem Felsen eingeklemmt hat. Für diese mutige Tat verleiht ihm Großer Adler, Yakaris Totemtier, die Gabe, mit Tieren zu sprechen. Auf der Suche nach Kleiner Donner gerät Yakari in einen reißenden Fluss. Er klammert sich an einen Baumstamm, stürzt aber dennoch einen Wasserfall herab und treibt den Fluss hinunter, weit weg von seiner Heimat. Nun ist es Yakari, der die Hilfe von Kleiner Donner braucht: Gemeinsam machen sie sich auf den weiten und abenteuerlichen Rückweg durchs Gebirge. Dabei treffen die beiden nicht nur viele verschiedene Tiere, es machen ihnen auch Kälte und Hunger zu schaffen. Dazu sind ihnen Jäger eines feindlichen Stammes auf der Spur und ein Sturm droht, Yakaris Eltern, die auf der Suche nach ihrem Sohn sind, in Gefahr zu bringen …

(Quelle: LEONINE)

Details

Bildformat: 1,85:1 (1080p/24)
Tonformat: DTS-HD MA 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 0 Jahren
Studio: LEONINE Kids
Erscheinungstermin: 21.05.2021
Spieldauer: ca. 82 Minuten
Extras: Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte / Die Arbeit im Synchronstudio / Interviews mit den Synchronsprechern Diana Amft, Hans Sigl & Patrick Bach / Making Of / Orignal Kino-Trailer

Copyright Cover: © 2021 LEONINE Kids



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde