Review

Nordic Noir in Berlin?!

An diesen Versuch wagt sich der Agententhriller „West of Liberty“ von Regisseurin Barbara Eder und erscheint sowohl als zweiteiliger Fernsehfilm als auch in internationaler Langfassung mit sechs Episoden für das Heimkino.

Letztere Variante der Verfilmung des gleichnamigen Romans vom schwedischen Schriftsteller Thomas Engström liegt dieser Rezension zugrunde. Sie umfasst neben einer Gesamtlaufzeit von 262 Minuten jedoch keinerlei Bonusmaterial.

Schade, hätten Einblicke in die Arbeit von namhaften Schauspielern wie Wotan Wilke Möhring (u.a. „Steig. Nicht. Aus!“, Winnetou-Remake, „Tatort“), Lars Eidinger („Babylon Berlin“, „Werk ohne Autor“, „Personal Shopper“), Matthew Marsh („Humans“, „Dunkirk“, „The Crown“) und Michelle Meadows („Darling“, „Der Kommissar und das Meer“), die hier allesamt in tragenden Rollen zu sehen sind, sicherlich eine Bereicherung der Heimkinoveröffentlichung dargestellt.

Doch worum geht es in der Romanadaption mit deutscher, schwedischer und britischer Beteiligung?

Zum Inhalt

Eine längere Antwort liefert folgende Inhaltsangabe, die auch auf dem Klappentext der DVD zu finden ist:

Ludwig Licht, ein ehemaliger Stasi-Spitzel und Doppelagent, ist seit der Wende ins Abseits geraten und betreibt eine Kneipe in Berlin-Kreuzberg. Das allerdings mehr schlecht als recht, denn sein bester Kunde ist er selbst.

Doch das ändert sich schnell, als Licht von seinem alten CIA-Kollegen GT Berner rekrutiert wird. Er soll die Amerikanerin und ehemalige Sprecherin des Whistleblower-Netzwerks „Hydraleaks“ namens Faye Morris überwachen und schützen, um so den untergetauchten Gründer des Netzwerks Lucien Gell zu finden. Gell steht nicht nur auf allen nationalen und internationalen Fahndungslisten, sondern wird auch bezichtigt, in einen brutalen Mord an drei Amerikanern in Marrakesch involviert zu sein, bei denen Morris zugegen war und nach eigener Aussage nur knapp entkam. Im Gegenzug für Gells Kopf verlangt Morris Immunität für ihre früheren Taten sowie das Recht auf eine Rückkehr in ihre Heimat, die USA. Licht ist die schöne, aber unberechenbare Frau nicht geheuer. Was hat sie wirklich vor, und wie viel weiß sie wirklich über den Hydraleaks-Gründer?

Eine Antwort in aller Kürze muss somit lauten: Vor allem um Zeitaktuelles.
Das unterstreichen sowohl die jüngsten respektive noch nicht allzu lang zurückliegenden Geschehnisse (Stichworte, die diesbezüglich fallen müssten, wären Julian Assange und WikiLeaks sowie die NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden), als auch die daraus resultierende Aussage von Produzent Gunnar Carlsson, der während der Dreharbeiten feststellen musste:

„Es ist geradezu unheimlich, wie die Realität die Fiktion imitiert.“

Aber wie schneidet die Fiktion in Form von „West of Liberty“ ab?

Die Umsetzung

Zunächst einmal ist „West of Liberty“ die filmische Adaption des ersten Teils der insgesamt vier Bände umfassenden Romanreihe. Dafür bietet die Verfilmung jedoch schon allerhand Figuren und Handlungen auf – Schauplatzwechsel und einen möglicherweise erschwerten Zugang zur Serie inklusive. Da die Komplexität zudem von Folge zu Folge zunimmt, wird dies auch im Folgenden nicht leichter werden.

Jene komplexer werdende Handlung steht gleichzeitig aber im starken Gegensatz zu den anzutreffenden langatmigen Stellen. Ein Umstand, der zusätzlich nicht gerade das Interesse an den sechs Folgen aufrechterhält.

Zwar können die Ideen von „West of Liberty“ grundsätzlich punkten, insbesondere durch die bereits erwähnte Aktualität, indem jedoch die Realität scheinbar schneller zu sein scheint als die Fiktion, wirkt die Handlung längst nicht mehr so kreativ und innovativ wie sie es noch vor ein paar Jahren getan hätte. Der Spannung tut dies an sich keinen Abbruch, vorausgesetzt man kann sich prinzipiell für diese Art Agententhriller begeistern und von Folge 1 an am Ball bleiben.

Die Hauptakteure in dem Agententhriller „West of Liberty“. (Copyright: Edel:Motion)

Dies betreffend ist eindeutig der persönliche Geschmack gefragt. Auch was Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring abgeht. So kann es vorkommen, dass einige Zuschauer ihm die Rolle des Ludwig Licht nicht ganz abkaufen, unter Umständen sogar sein Schauspiel nicht glaubwürdig oder zu eindimensional finden werden.

Auch die schauspielerische Leistung seiner Kollegin Michelle Meadows reduziert sich auf repetitive Handlungsmuster der Figur, während diese zudem äußerst monoton und emotionslos synchronisiert wurde.

Einzig Lars Eidinger sticht durch seine emotional stets passende Darbietung positiv heraus und hinterlässt zudem einen bleibenden Eindruck.

Fazit

Im Nachhinein gelingt es „West of Liberty“ lediglich visuell, einen Hauch von Nordic Noir-Flair nach Berlin zu katapultieren, darüber hinaus hapert es aber an zu vielen Stellen, dass ein Vergleich mit etwaigen Genre-Größen gerechtfertigt wäre oder überhaupt infrage käme. Wen die erste Folge bereits packt, der kommt auch bis zum Schluss auf seine Kosten. Auf wen dies nicht zutrifft, der wird sich durch die weiteren Episoden eher durchquälen (oder greift besser zur Buchvorlage). Wem es gefällt.

 

Trailer

Handlung

Ludwig Licht (Wotan Wilke Möhring), ein ehemaliger Stasi-Spitzel und Doppelagent, ist seit der Wende ins Abseits geraten und betreibt eine Kneipe in Berlin-Kreuzberg. Das allerdings mehr schlecht als recht, denn sein bester Kunde ist er selbst.

Doch das ändert sich schnell, als Licht von seinem alten CIA-Kollegen GT Berner (Matthew Marsh) rekrutiert wird. Er soll die Amerikanerin und ehemalige Sprecherin des Whistleblower-Netzwerks „Hydraleaks“ namens Faye Morris
(Michelle Meadows) überwachen und schützen, um so den untergetauchten Gründer des Netzwerks Lucien Gell (Lars Eidinger) zu finden. Gell steht nicht nur auf allen nationalen und internationalen Fahndungslisten, sondern wird auch bezichtigt, in einen brutalen Mord an drei Amerikanern in Marrakesch involviert zu sein, bei denen Morris zugegen
war und nach eigener Aussage nur knapp entkam. Im Gegenzug für Gells Kopf verlangt Morris Immunität für ihre früheren Taten sowie das Recht auf eine Rückkehr in ihre Heimat, die USA. Licht ist die schöne, aber unberechenbare Frau nicht geheuer. Was hat sie wirklich vor, und wie viel weiß sie wirklich über den Hydraleaks-Gründer?

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 06.12.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 262 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde