Review

1980 erschien erstmals der Roman „Waiting For The Barbarians“ des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee im Original. Den Titel beibehaltend und auf den Inhalt basierend, lieferte der kolumbianische Regisseur Ciro Guerra 2019 dessen Verfilmung, die nun auch im Heimkino angekommen ist.

Die Handlung

Um einen angeblichen Angriff von Barbaren zu unterbinden, reist der für seine brutalen militärischen Methoden bekannte Colonel Joll (Johnny Depp) an den äußersten Rand des Territoriums. Dort trifft er auf den Magistrat des Außenpostens (Mark Rylance) – dieser muss seine Loyalität gegenüber der Nation unter Beweis stellen. Er muss sich entscheiden, ob er die Befehle des Colonels befolgt oder auf sein Gewissen hört und für Gerechtigkeit eintritt.

Angst vor dem Fremden

Der Film verhandelt vor allem das große Thema „Angst vor dem Fremden“ und könnte damit auch heutzutage nicht aktueller und relevanter sein. Als zeitlose Parabel über die Natur des Menschen und im Laufe der Gesamtspielzeit von 114 Minuten immer deutlicher die Frage aufwerfend, wer hier eigentlich die wirklichen „Barbaren“ sind, werden auf sehr entschleunigte Art die menschlichen Abgründe mit rassistischen Tendenzen und gesellschaftlichen Vorurteilen aufgezeigt. Die Botschaft des Films steht somit ausdrücklich im Vordergrund.

Dies vermag Guerras „Waiting For The Barbarians“ sowohl durch die obschon äußerst brutale, aber dennoch stets ruhige Darbietung der Handlung, als auch durch ausdrucksstarke Bilder zu leisten. Der Film gibt sich dabei nicht als Action-Blockbuster, zielt ebenfalls auf keine Effekthascherei durch Spezialeffekte ab und fällt erst recht nicht mainstream-tauglich aus. Wer somit auf epische Kämpfe hofft, sucht jene vergebens. Stattdessen stehen einzelne wenige Figuren im Mittelpunkt; insbesondere ihr Innenleben, Verhalten und (charakterlichen) Entwicklungen.

Der Cast

So foltert Johnny Depp in der Rolle des Colonel Joll blind vor seinem Streben nach Macht und Lebensraum und ganz nach dem Motto „Schmerz ist Wahrheit“ willkürlich die Barbaren, und erhält dabei tatkräftige Unterstützung durch Offizier Mandel, der von Robert Pattinson verkörpert wird, jedoch erst recht spät im Film seinen Auftritt hat.

Solide gespielt, ist es aber nicht an diesen beiden namhaften Akteuren, die „Waiting For The Barbarian“ tragen. Denn zu kurz (oder in Pattinsons Fall auch zu spät) fallen ihre Auftritte aus. Dafür liegt der Fokus auf Schauspieler Mark Rylance, der in seiner Hauptrolle als Magistrat in einen zunehmenden inneren Konflikt gerät und schließlich am Scheideweg zwischen Gehorsam und Gewissen bzw. Gerechtigkeit steht.

In der Ruhe liegt hier die Kraft

Johnny Depp in seiner Rolle als folternder Colonel Joll im Drama „Waiting For The Barbarians“. (Copyright: Constantin Film)

Über allem schwebt zugleich die Frage: Wie würden die Zuschauer an seiner statt reagieren?

Diese erwischen sich jedoch oft dabei, wie sie abschweifen.
Zwar sorgen eindringliche Bilder für emotionale Momente; auch die Tiefgründigkeit der Thematik wird ausreichend deutlich und weiß zu berühren.

Davon abgesehen ist es aber vor allem die Ruhe, die der Film insgesamt ausstrahlt, die man definitiv mögen muss, um mit „Waiting For The Barbarians“ etwas anfangen und sich auf ihn einlassen zu können.

Fazit

Je nachdem, was man von „Waiting For The Barbarians“ erwartet, wird die Bewertung daher schwanken; bei einigen Zuschauern wird der Film eventuell sogar komplett „durchfallen“.

Für Fans des actionreichen und Kampf betonten Kinos gilt: Hände weg! Selbiges gilt für jene, die auf eine hauptfigurtaugliche Screentime Depps und Pattinsons hoffen. Wer allerdings endlich einmal Mark Rylance in einer Hauptrolle sehen will, die der Schauspieler mit bewegendem Leben füllt, der wird bestens bedient. Ebenfalls auf ihre Kosten kommen diejenigen, die sich auf die Geschichte und die Ruhe des Films einlassen (können). Sie werden außerdem mit den wichtigen und gewichtigen Botschaften von „Waiting For The Barbarians“ belohnt.

Trailer

Handlung

Angst vor dem Fremden

Um einen angeblichen Angriff von Barbaren zu unterbinden, reist der für seine brutalen militärischen Methoden bekannte Colonel Joll (Johnny Depp) an den äußersten Rand des Territoriums. Dort trifft er auf den Magistrat des Außenpostens (Mark Rylance) – dieser muss seine Loyalität gegenüber der Nation unter Beweis stellen. Er muss sich entscheiden, ob er die Befehle des Colonels befolgt oder auf sein Gewissen hört und für Gerechtigkeit eintritt.

(Quelle: Constantin Film)

Details

Sprache: Deutsch DTS-HD 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Englisch DTS-HD 5.1
Untertitel: Deutsche UT für Hörgeschädigte
Bildseitenformat: 2.39:1 in 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 05.11.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 114 Minuten

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde