Review

Wenn sich ein Regisseur in einem Film mit 87 Minuten Laufzeit die Themen Weltuntergang, Raumfahrt, BigBrother/Truman-Show und Virtual Reality vornimmt, hat er vielleicht die Vision einer eierlegenden Wollmilchsau, eventuell hat sich aber Regisseur Peter Berg in „Virtuality – Killer im System“ auch einfach zu viel vorgenommen.

Es beginnt zunächst vielversprechend: In nicht allzu ferner Zukunft (die als Extras enthaltenen Interviews verraten, dass es gut 30 Jahre in der Zukunft spielen soll) ist die Technik so weit vorangekommen, dass der erste interstellare Ausflug ins Weltall stattfinden kann. Ein gutes Dutzend talentierter Männer und Frauen werden für diese Mission ausgewählt, sie sollen sich mit dem Raumschiff Phaeton auf die Suche nach Ressourcen und außerirdischem Leben machen. Finanziert wird das Unternehmen über eine ganz besondere Idee: Alles, was die Crew auf ihrer 10-jährigen Reise erlebt, wird von Überwachungskameras aufgezeichnet, von einem Crew-Mitglied moderiert und, nachdem der Boardpsychologe alles zu Episoden zusammengeschnitten hat, als Unterhaltungsformat an die Erde gefunkt.

Nach sechs Monaten Reise erfährt die Mission jedoch eine dramatische Wendung: Die Welt, wie wir sie kennen, steht kurz vor dem Kollaps! Der steigende Meeresspiegel, Stürme und andere Katastrophen werden nach Vorhersage der Wissenschaftler unseren Planeten innerhalb von 100 Jahren unbewohnbar machen. Die Crew der Phaeton muss also für die Menschen eine zweite Heimat finden.
Während zu Hause also alle Welt auf gutes Vorankommen hofft, sehen sich die Raumfahrer einer anderen Bedrohung ausgesetzt. Das zur Unterhaltung dienende virtuelle Programm, das durch das Boardsystem Jean gesteuert wird, weist anscheinend Fehler auf. Die Animationen, die der Crew als Ausgleich dienen sollen, nehmen immer wieder ungeplante und vor allem gefährliche Züge an bis hin zum virtuellen Mord. Und mit allem scheint eine übergreifende digitale Figur, der Virtual Man, in Verbindung zu stehen. Ist der Killer eine reale Person? Oder ein programmiertes Feature? Oder doch ein Virus im System?

Regisseur Peter Berg, der sich mit den kommerziellen Erfolgen „Battlestar“ und „Lone Survivor“ schmücken darf, inszeniert mit dem Drehbuch einen durchaus spannenden Plot, der einige interessante Fragen aufwirft. Leider darf man dieses Konstrukt nicht von der wissenschaftlichen Seite hinterfragen, denn schon hier bleibt einiges offen. Schwerer wiegt dabei aber, dass auch die inhaltliche Offenheit kein Feature, sondern ein Bug ist: Eigentlich ist „Virtuality“ wohl der Pilotfilm zu einer Serie, die jedoch nie gedreht wurde.

Nette Spielereien ... bis ein tödlicher Virus in der virtuellen Welt auftaucht. (Copyright: Koch Media)

Nette Spielereien … bis ein tödlicher Virus in der virtuellen Welt auftaucht. (Copyright: Koch Media)

Das ist zumindest in Bezug auf die Optik nicht sonderlich bedauerlich: Das Setting eines räumlich so begrenzten Raumes interessant zu gestalten, ist sicherlich eine Kunst für sich, dabei haben sich alle Beteiligten aber zumindest bemüht, wenngleich man hier keine Highlights erwarten darf.
Die verhältnismäßig schlecht animierten virtuellen Ebenen dürften sich optisch ruhig stark von „echten“ Szenen unterscheiden, wenn allerdings auch die (vielen) Außenansichten eher nach „Star Trek: Raumschiff Enterprise“-Zeiten aussehen, läuft technisch etwas falsch. Diese schlechten Ansichten stören den Filmgenuss doch erheblich.

Da hilft auch die herausragend gute schauspielerische Leistung des „Game of Thrones“-Stars Nikolaj Coster-Waldau nicht mehr weiter. Als Pilot zu einer Serie wären das ein grandioser Auftakt und die optischen Mängel zu vernachlässigen gewesen. So ist „Virtuality – Killer im System“ aber einfach ein typisches B-Movie, das mehr will, als es liefern kann. Am Thema vorbei, es sei denn, man steht auf offene Fragen. Viele offene Fragen.

Handlung

Zwölf Besatzungsmitglieder des ersten interstellaren Raumschiffes, der Phaeton, befinden sich auf der Reise zu einem anderen Sonnensystem. Um die lange Reisezeit besser zu überstehen, steht der Crew Technologie zur Verfügung, mit der sie sich virtuelle Realitäten und verschiedenste Identitäten erschaffen können. Der Alltag der Astronauten wird live in einer TV-Sendung auf der ganzen Welt übertragen. Aber als das Schiff plötzlich in eine kritische Phase gerät und ein tödlicher Virus in der virtuellen Welt auftaucht, kommen Fragen auf: Wird das Projekt absichtlich sabotiert? Sitzt der Killer vielleicht sogar in den eigenen Reihen …

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 09.06.2015
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 88 Minuten

Copyright Artikelbild: Koch Media GmbH



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer