Review

King of Comedy

Dass Anchorman“Regisseur Adam McKay noch weit mehr als Klamauk und derbe Kalauer beherrscht, hat er bereits mit The Big Short“ gekonnt unter Beweis gestellt. Nicht nur brüllend komisch, sondern auch informativ und leichtfüßig inszeniert McKay in diesem – für das beste adaptierte Drehbuch oscarprämierten – Film die weltweite Finanzkrise.

In eine ähnliche Richtung geht sein schwarzhumoriges Biopic „Vice – Der zweite Mann“.
Sein zweiter Film, der auf realen Begebenheiten basiert, wurde bei der Oscarverleihung 2019 immerhin mit acht Nominierungen bedacht, auch wenn er am Ende des Tages lediglich in der Kategorie „Bestes Make-up und beste Frisuren“ ausgezeichnet wurde.

Vice rekonstruiert den Werdegang des ehemaligen US-amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney.

Der Weg zur Macht

Als junger Mann ist Dick Cheney (Christian Bale) ein Taugenichts und Trunkenbold. Als der Arbeiter eines Tages nach einer Kneipenschlägerei von der Polizei in Gewahrsam genommen wird, hat seine Frau genug. Die machthungrige Lynne Cheney (Amy Adams) setzt ihrem Ehemann die Pistole auf die Brust: Er möge sein Leben überdenken und nach mehr streben oder sie werde ihn für einen erfolgreicheren Gatten in den Wind schießen.

Daraufhin wandelt sich das Leben des Dick Cheney. Erste politische Erfahrungen sammelt er als Praktikant von Donald Rumsfeld (Steve Carell) im Weißen Haus als Mitarbeiter der Regierung Richard Nixons. Rumsfeld fördert und fordert seinen Lehrling, desillusioniert ihn jedoch auch. In der Folgezeit wird Cheney unter Präsident Gerald Ford zum jüngsten Stabschef des Weißen Hauses der Geschichte. Im Kabinett von George Bush senior wird der immer abgezocktere und selbstbewusstere Cheney zum Verteidigungsminister ernannt. Zu einer eigenen Präsidentschaft reichte es jedoch nicht. Zu groß war die Sorge, dass die Medien sein Privatleben und insbesondere seine lesbische Tochter Mary (Alison Pill) in den Fokus nehmen und attackieren.

Seine Chance auf vollkommene Macht wittert der ambitionierte Cheney jedoch, als ein gewisser grünschnabeliger George W. Bush (Sam Rockwell) für das Amt des Präsidenten kandidieren will. Als Denker und Lenker will Cheney die Geschicke aus dem Hintergrund lenken. Zu diesem Zeitpunkt hat ihn der Jurist Antonin Scalia längst mit der „Theorie der einheitlichen Exekutivmacht“ vertraut gemacht, die Dick Cheney sich zu Nutzen zu machen weiß.

Bitterböse Abrechnung

In „Vice – Der zweite Mann“ rechnet Adam McKay mit der US-Politik der jüngeren Vergangenheit und ganz besonders mit Dick Cheney ab. McKay zeichnet dabei ein Bild verkommener und machthungriger Bürokraten, die um der Macht willen Menschen, Menschlichkeit und – zur Not sogar – die eigene Familie zu opfern bereit sind.

Cheney entpuppt sich als der eigentliche starke Mann im Kabinett von George W. Bush, der mit seinen Ideen und insbesondere außenpolitischen Entscheidungen der US- und Weltpolitik seinen Stempel aufgedrückt hat. Dabei kommt der Film über den mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten freilich nicht gänzlich ohne Zynismus aus. So fragt etwa der junge Praktikant Dick Cheney seinen Mentor Rumsfeld zu Beginn seiner politischen Laufbahn, woran sie als Republikaner wirklich noch glaubten, woraufhin jener bloß in schallendes Gelächter ausbricht. Für Idealismus ist hier kein Platz.

Glänzende Inszenierung

Filmtechnisch ist „Vice“ – ebenso wie „The Big Short“ – von McKay schlicht brillant und virtuos inszeniert. Die Geschichte des machtgierigen Politikers ist rasant erzählt und bietet immer wieder einfallsreiche Arten des Inszenierungsstils. Ob nun ein Abspann nach knapp der Hälfte der Spielzeit, der ein Szenario à la „Was wäre wenn…?“ bzw. „What if?“ durchspielt, oder ein Kellner (der wunderbare Alfred Molina), der den einflussreichen Politikern die denkbaren Instrumente der Macht kredenzt, welche diese daraufhin begierig alle auf einmal bestellen – Adam McKays Lust auf ungewöhnliches und eigenwilliges Erzählen ist wieder allgegenwärtig.

Starensemble

Für sein schwarzhumoriges Biopic konnte der Autorenfilmer darüber hinaus ein immenses Starensemble versammeln: Hier treffen sich unter anderem Christian Bale, Amy Adams, Steve Carrell, Sam Rockwell, Tyler Perry, Jesse Plemons, Eddie Marsan und noch einige mehr.

Christian Bale verwandelt sich in Dick Cheney, in „Vice – Der zweite Mann“. (Copyright: Universum Film)

Dabei ist der Film primär natürlich eine große Christian Bale-Show. Das konnte man schon erahnen, als die ersten Bilder vom Set im Internet die Runde machten. In „Vice – Der zweite Mann“ ist der ultimative Gestaltwandler Christian Bale mal wieder voll in seinem Element. Nach seinen drastischen Verwandlungen, insbesondere in „Der Maschinist“, „Batman Begins“ oder vor allem „American Hustle“, wird Bale hier schlicht zu Dick Cheney und verkörpert den Politiker herausragend. Daneben glänzen besonders die wunderbar bissige Amy Adams als Ehefrau Lynne Cheney und der nicht minder wunderbare Sam Rockwell in der Rolle des einfältigen Präsidenten.

Fazit

Adam McKays Zeit der Klamauk-Filme scheint nunmehr endgültig vorüber zu sein. Stattdessen widmet er sich komplexen und brisanten Themen auf seine ganz eigene, humorvolle, bisweilen zynische Art. „Vice – Der zweite Mann“ hat dabei das Potenzial, die Massen – gerade in den USA – zu spalten.

Hochaktuell, rasant, informativ, aber sicher nicht frei von Polemik und Übertreibung.

Trailer

Inhalt

Er gilt als einer der mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten: Dick Cheney. „Vice – Der zweite Mann“ beleuchtet die sagenhafte Karriere des Bürokraten und Washington-Insiders, der an der Seite von George W. Bush zum einflussreichsten Politiker der Welt wurde und seine Macht zu nutzen wusste: Cheneys Entscheidungen prägen das Land noch immer, sein außenpolitisches Wirken ist bis heute spürbar.

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 28.06.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 134 Minuten
Extras: Deleted Scenes / Gaming The System: the Making of Vice / The Music of Power

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)