Review

Es ist schlimm für eine Mutter, das Kind entführt, tot und den Täter ungefasst zu wissen. Die damit einhergehende Tragik steigert sich dann noch zusätzlich, wenn die Verjährungsfrist zur Aufklärung der Straftat abzulaufen droht.
Dieses Schicksal ereilt die junge Mutter Ha-kyung und Kommissar Cheong-ho, denn 15 Jahre schon versuchten sie vergeblich, den Entführer ausfindig zu machen. Nun läuft ihnen die Zeit davon, und wie es aussieht, hat der Täter erneut zugeschlagen …

Und damit ist der Zuschauer schon mittendrin in der neuen Veröffentlichung namens „Verjährung“ aus dem Hause Edel:Motion, die mit diesem Film nicht zum ersten Mal einen koreanischen Thriller auf den deutschen Markt platzieren wollen.

Fern von Hightech gestützten Ermittlungsarbeiten. (Copyright: Edel:Motion)

Fern von Hightech gestützten Ermittlungsarbeiten. (Copyright: Edel:Motion)

Rückblenden, mit denen der Zuschauer erst einmal noch nicht viel anfangen kann, sowie wenige Dialoge und eine gewisse Dominanz der koreanischen Sprache auf verschiedenen Requisiten, die mit deutschen Untertiteln versehen ist, lassen den Zuschauer zunächst im Ungewissen unter anderem darüber, ob eine andere Spracheinstellung hätte vorgenommen werden müssen, während damit gleichzeitig viel Platz für eigene Gedanken und Vermutungen eingeräumt wird. Ein ungewöhnlicher, vielleicht sogar gewöhnungsbedürftiger Anfang des Films, der im Folgenden jedoch das Thema Verjährung von Straftaten ebenso in den Vordergrund stellt wie die zunehmenden spannenden Thriller-Elemente.

Das inhaltliche Konzept hinter „Verjährung“, allen voran der Wettlauf gegen die Zeit, bei dem der Täter den Ermittlern stets eine Nasenlänge voraus zu sein scheint, ist nicht neu oder gar innovativ, vielmehr setzt Regisseur Geun-seop Jeong in seinem Erstlingswerk auf bewährte Ideen. Für den deutschen Zuschauer sind es daher vor allem das Setting und das schauspielerische Agieren, kurz, das für unsere Sehgewohnheiten Exotische, das diesen koreanischen Thriller so interessant werden lässt. Dabei weist die koreanische „Filmkultur“ sowohl viele Parallelen als auch attraktive Unterschiede zu uns bekannteren Produktionen auf.

Die emotionale Seite des Films, hervorgerufen durch die Verzweiflung der Mutter, den einfühlsamen, engagierten Ermittler, Kinder als Opfer und die insgesamt deprimierende Ausgangslage, wird ausgiebig dargestellt. Damit garantiert „Verjährung“ ein Auf und Ab in Sachen Tempo und Intensität.
Diese Emotionalität weitet Geung-seop Jeong zudem auf den vermeintlichen Täter und die Tathintergründe aus, ohne jedoch dem Zuschauer zu früh zu viel über dessen Identität zu verraten. Dadurch und durch die überraschenden Wendungen, die letztlich das mühsam aufgebaute emotionale Gerüst zum Einsturz bringen, bleibt „Verjährung“ bis zur letzten Minute spannend. Gleichzeitig wird verhindert, dass der Thriller allzu verweichlicht erscheint. Und das, obwohl es kein nennenswertes Blutvergießen gibt, was die Kennzeichnung „FSK 12“ schon erahnen lässt. Eher subtil als visuell offensichtlich arbeitet man die Thriller-Komponenten heraus und zeigt auch in Sachen Ermittlungsarbeit glaubwürdige, realistische Handlungen.
Ohne vom Ende zu viel zu verraten, aber hier trifft man auf eine weitere Überraschung, die moralische Fragen aufgreift und ein wenig zum Nachdenken anregt.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit, im Wettlauf gegen die Zeit. Für ihre Rolle in "Verjährung" wurde die junge Schauspielerin mit Preisen ausgezeichnet. (Copyright: Edel:Motion)

Auf der Suche nach Gerechtigkeit, im Wettlauf gegen die Zeit. (Copyright: Edel:Motion)

Die Darsteller, von denen einige bereits Erfahrungen in diesem Genre durch ihre Rollen in Filmen wie „Memories of a Murder“ gesammelt haben, agieren teils sehr hektisch, hektischer, als es die Situationen verlangen würden. Solch ein zackiges Spiel erinnert an Jackie Chan-Filme und kann als sympathische Eigenheit des koreanischen Thrillers verbucht werden.

Wer es gerne noch authentischer hat, der kann „Verjährung“ ebenfalls auf Koreanisch mit wahlweise ein- oder ausgestelltem deutschen Untertitel anschauen. Dies und ein interessantes „Making-of“ sind neben einer bewährten Trailershow jedoch die einzigen zusätzlichen Features, die die DVD-Version bietet.

Ist im Überangebot an Krimis und Thrillern in Kino und Fernsehen noch Platz für weitere Filme? „Verjährung“ gibt darauf eine überzeugende Antwort, denn der Exot, der 2013 in Korea in die Kinos kam, weiß auch dem deutschen Publikum zu gefallen und füllt als Neuentdeckung eine Nische aus, die thematisch vielleicht nichts Neues präsentiert, in der Umsetzung Genrefans aber durchaus begeistern kann. Vielleicht für unsere Breitengrade kein episches Kinoformat, eine spannende Fernseh- und Heimkino-Unterhaltung aber allemal.

Trailer

Handlung

Ha-kyungs Tochter wurde vor 15 Jahren entführt und ermordet. Kommissar Cheong-ho setzte alles daran, den Entführer zu fassen und für Gerechtigkeit zu sorgen – jedoch erfolglos. Nun, fünf Tage vor Ablauf der Verjährungsfrist, wird eine Rose am Tatort gefunden. Könnte das die entscheidende Spur sein?
Kurz darauf verschwindet ein weiteres Mädchen. Die erstaunlichen Parallelen zu den Ereignissen von vor 15 Jahren deuten darauf hin, dass es sich um denselben Täter handelt. Von Neuem beginnt ein nervenzerreißendes Katz- und Mausspiel. Cheong-ho ist wie besessen davon, den Fall zu lösen. Wird es ihm gelingen, den Entführer zu schnappen, bevor es zu spät ist?

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 02.05.2015
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 116 Minuten
Extras: Making-of

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde