Review

Für vier Fälle kehrt Brenda Blethyn als Vera Stanhope in der britischen Krimiserie „Vera: Ein ganz spezieller Fall“ auf die hiesigen Bildschirme zurück, denn „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 9“ erscheint im Heimkino.

Nicht ganz so speziell

Fans des Genres dürfen sich dabei auf eine 356-minütige spannende Krimi-Unterhaltung freuen, die zwar mit schön drapierten Leichen aufwarten kann, in Sachen Kreativität jedoch dieses Mal ein wenig gemäßigt ausfällt. So wirkt der Ideenreichtum hinsichtlich der Morde und Todesursachen ein wenig ausgeschöpft und repetitiv, darüber hinaus wird diesbezüglich nichts Spektakuläres geboten. Das hat man in vorausgegangenen Staffeln von „Vera“, zuletzt Staffel 8, bereits deutlich einfallsreicher erlebt.

Einzig die letzte Folge namens „Das Seagull“ sticht auffallend heraus, da hier ein Zeitsprung in das Jahr 1995 erfolgt, ein alter Fall aufgerollt und damit die Vergangenheit der Titelfigur tangiert wird.

Um Abwechslung bemüht

Dennoch ist man sichtlich um Abwechslung bemüht und die Folgen à ca. 89 Minuten werden inhaltlich gut ausgefüllt. Durch die gewohnte sich steigernde Komplexität und die damit einhergehenden überraschenden Wendungen ist für ausreichend Spannung gesorgt und beliebte wie bekannte Themen und Motive wie Drogen, Bandenkriminalität, Betrug und ein Mord aus Leidenschaft bleiben auch trotz einer gewissen „Abnutzung“ über die Dauer einer Episode interessant.

Dies ist nicht nur der Tatsache zu verdanken, dass die Ermittlungsarbeit in ständiger Bewegung bleibt, sodass es auch den Hobbyermittlern vor den Bildschirmen nicht allzu leicht gemacht wird, vorschnell zu einer Lösung des jeweiligen Falls zu gelangen. Zugleich lassen die raue, schöne Kulisse inklusive netter Landschaftsaufnahmen und die schrullige Protagonistin die Zuschauer am Ball bleiben. „Vera“ schaut man sich somit in vielerlei Hinsicht einfach gerne an.

Nichtsdestotrotz hätten gerade die trockenen Sprüche der Hauptfigur in Staffel 9 derber, ironischer, „britischer“ und damit lustiger ausfallen können. Dies betreffend hat man Vera Stanhope schon schlagfertiger und unterhaltsamer sowie die Serie als solche – über die Dialoge hinaus – humorvoller gesehen. Und das, obwohl die aktuelle Staffel dank eines ausgewogenen Verhältnisses von Kriminalfällen und privaten Handlungsebenen rund um die Hauptrollen geradezu prädestiniert dafür scheint.

Brenda Blethyn als Vera Stanhope auf der Suche nach der Todesursache in „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 9“. | Copyright: Helen Williams / itv Studios / Edel:Motion

Ausgewogen fällt zudem die Darstellung der titelgebenden Figur aus. Der Spagat zwischen ihrer Schroffheit und Empathiefähigkeit gelingt hervorragend und bringt der Rolle einige zusätzliche Sympathiepunkte ein. Schon längst ist jene damit nicht mehr so unnahbar und polarisierend wie etwa in Staffel 2 noch.

Gewöhnungsbedürftig fällt hingegen die deutsche Synchronstimme der einen oder anderen Nebenrolle aus, klingen diese doch dann teils zu künstlich, unpassend oder gänzlich fehlbesetzt. Zu verschmerzen ist dies jedoch insofern, als die Hauptfiguren dieses Schicksal nicht teilen und in gewohnter sowie passender Synchronisation daherkommen.

Fazit

Obschon die aktuellen Folgen nicht ganz so speziell ausfallen, wie von der Serie eigentlich zu erwarten gewesen wäre, überzeugen hier vor allem die Komplexität und Atmosphäre der einzelnen Episoden. Trotz kleiner Kritikpunkte sollten „Vera“- und Krimi-Fans daher auf „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 9“ nicht verzichten.

 

Trailer

Handlung

In Staffel 9 warten vier verzwickte Mordfälle darauf von Vera und ihrem Team aufgeklärt zu werden. Darunter die Leiche einer Kriminalpsychologin, die auf einer Mülldeponie entdeckt wird, ein ermordeter Teenager in der Küstenstadt Payton und eine fröhliche Bootsparty, die mit Betroffenheit und Entsetzen endet. Der letzte Fall wird für Vera persönlich, sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen und in einem Cold Case in ihrer Heimatstadt ermitteln.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Sie wusste zu viel (Blind Spot)
02 Tödlicher Stoff (Cuckoo)
03 Die Bootsparty (Cold River)
04 Das „Seagull“ (The Seagull)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 14.02.2020
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 356 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde