Review

Die britische Autorin Ann Cleeves kann einige Erfolge im Kriminalroman-Sektor aufweisen, darunter ihre „Vera Stanhope“-Serie, deren deutsche Übersetzungen im Rowohlt Verlag veröffentlicht wurden. Seit 2011 erobert Cleeves Protagonistin auch die Bildschirme und mit „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 2“ präsentiert Edel:Motion dieser Tage vier weitere Fälle, an denen Detective Chief Inspector Vera Stanhope gemeinsam mit ihrem Team zu knabbern hat.

Obwohl es sich bei „Vera: Ein ganz spezieller Fall“ um eine Krimiserie handelt, ist es nicht zwingend notwendig, die bereits erschienene erste Staffel zu kennen, um hier Fuß fassen zu können. Zwar ist es vorteilhaft, den Background der Protagonistin ein wenig im Hinterkopf zu haben, die einzelnen Fälle, verteilt auf je eine der vier vorhandenen DVDs, sind allerdings in sich abgeschlossen.

Vera Stanhope (Brenda Blethyn) - eine Mischung aus Miss Marple und Paddington Bär?! (Copyright: Edel:Motion)

Vera Stanhope (Brenda Blethyn) – eine Mischung aus Miss Marple und Paddington Bär?! (Copyright: Edel:Motion)

Anders sieht es da schon mit dem Zugang zur Hauptfigur aus. Diesbezüglich entscheidet es sich beim Zuschauer in den ersten Minuten Screentime, die Vera zugestanden werden, ob man mit ihr als Figur warm wird oder nicht.
So rau wie der Schauplatz im Nordosten Englands gibt sich auch die Figur, die von Brenda Blethyn gespielt wird. Am schauspielerischen Talent mangelt es der BAFTA-, Golden Globe- und Empire Award-Gewinnerin nicht, die Frage ist aber, ob ihr gespielter Charakter, der binnen kürzester Zeit polarisieren wird, jedermanns Geschmack ist.

Schroff, unnahbar, selten einfühlsam und in ihren Ermittlungen unkonventionell agierend wackelt Figur Vera als eine Mischung aus Miss Marple und Paddington Bär durchs Bild. Ihr Verhalten ist dementsprechend nicht immer nachvollziehbar und durchschaubar, somit fällt es nicht leicht, umgehend Sympathien aufzubauen. Behindert wird das Ganze ebenfalls durch die schwer zu lesende Mimik der gespielten Protagonistin.

Erwähnte Miss Marple und Paddington Bär haben bereits einen Kultstatus inne. Prädestiniert dafür ist auch die ungewöhnliche Ermittlerin Vera Stanhope aus „Vera: Ein ganz spezieller Fall“, wenngleich nicht für jeden Zuschauer. Wer die ersten Minuten mit ihr gut aushält und sich von der Darstellungsweise des Charakters nicht abschrecken lässt, ja, sogar Gefallen an der schrulligen Figur findet, der wird mit der DVD bestens unterhalten, denn den vier unterschiedlichen Fällen mangelt es nicht an Spannung.

Woran es der DVD-Veröffentlichung jedoch mangelt, ist an Mehrwert. Nach den – zugegeben, ansprechend langen – vier Folgen ist auch schon Schluss. Abgesehen von einer obligatorischen DVD-Vorschau weiterer ähnlicher Veröffentlichungen findet sich keinerlei Bonusmaterial, zusätzliche Features und Einstellungsmöglichkeiten o.Ä. auf den Silberlingen. Hofft man also, auch nach den vier Fällen in Figuren, Hintergründe, Kulissen oder dergleichen abtauchen zu können, ist die Enttäuschung groß. Diesbezüglich wurde nicht nur mit Extras gegeizt, sie wurden einfach komplett ignoriert.

Da die Qualität einer Veröffentlichung aber nicht nur vom Bonusmaterial abhängig ist, sondern insbesondere Figuren und Fälle im Fokus einer Krimiserie stehen, müssen diese überzeugen. Und während man Vera selbst entweder liebt oder hasst, trifft man zudem auf ein sympathisch zusammengewürfeltes Team, das hin und wieder ebenfalls seine Schwierigkeiten mit besagter Vorgesetzten hat. Mit Ausnahme des langjährigen Kollegen DS Joe Ashworth (gespielt von David Leon), nehmen die übrigen Ermittler allerdings eher die Funktion von Nebenrollen ein.

Bei der Arbeit: Vera Stanhope (Brenda Blethyn) und DS Joe Ashworth (David Leon) (Copyright: Edel:Motion)

Bei der Arbeit: Vera Stanhope (Brenda Blethyn) und DS Joe Ashworth (David Leon) (Copyright: Edel:Motion)

Die hier thematisierten Kapitalverbrechen fallen ebenso verschieden aus wie die einzelnen Charaktere. Nicht außergewöhnlich und neu, aber so angelegt, dass selbst der eingefleischte Krimifan den Täter nicht umgehend entlarven kann, wird über die gesamte Folge Spannung erzeugt.
Gute Krimiunterhaltung also, die sich auf eine solide, wenn auch oftmals ungewöhnliche Ermittlungsarbeit konzentriert, ohne CSI-mäßig auf Hightech zurückzugreifen. Ein in sich stimmiges Konzept, das Schauplatz und Figuren entspricht.
Anders als in Staffel 1 kommt dabei jedoch der angekündigte und erhoffte Wortwitz der Protagonistin ein wenig zu kurz.

Alles in allem bringt es der Untertitel der Krimiserie beinahe auf den Punkt: Vera ist eben „Ein ganz spezieller Fall“.

Handlung

Vera ist zurück – die exzentrische Ermittlerin aus der Feder der britischen Erfolgsautorin Ann Cleeves klärt ihre Verbrechen mit sarkastischem Witz, Mut und List auf. Mit ihrem ganz eigenen Sinn für Gerechtigkeit stürzt sie sich fast zwanghaft in ihre Arbeit und versucht so, ihre eigenen Dämonen zu vertreiben. Ihrem langjährigen Kollegen DS Joe Ashworth vertraut sie blind, und er unterstützt sie bei ihren unkonventionellen Ermittlungsmethoden.

Gemeinsam stellen sie sich mit großer Begeisterung und beispielloser Professionalität vier schwierigen und fesselnden Fällen. Dabei bekommen sie es mit einem Brandanschlag sowie den Morden an einer Sozialarbeiterin, einem frisch pensionierten Sergeant und einem jungen Drogenopfer zu tun.

(Quelle: Edel:Motion)

Folgen

01 Phantomschmerz (The Ghost Position)
02 Stummer Schrei (Silent Voices)
03 Sprengfallen (Sandancers)
04 Brückenschlag (A Certain Samaritan)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 24.07.2015
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 356 Minuten

Copyright Artikelbild: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde