Review

Ich persönlich bin mir nicht sicher, wie die sogenannte Jugend von heute so tickt und welche Ansprüche man ihnen in Literatur und Fernsehen zumuten kann oder sollte. Die DVD-Veröffentlichung „Vampire Academy“, eine Verfilmung des Buches „Vampire Academy: Blutsschwestern“ von der amerikanischen Autorin Richelle Mead, deutet allerdings darauf hin, dass den ab 12-Jährigen (so die FSK-Empfehlung) diesbezüglich nicht allzu viel zugetraut wird.

Nun ist es aber auch immer schwer, eine Buchvorlage, die bereits viele Fans gewonnen hat und damit in Hinblick auf eine Verfilmung gewisse Erwartungen weckt, für alle potenziellen Zuschauer adäquat und zufriedenstellend filmisch umzusetzen.
Und schnell ist auch im Falle von „Vampire Academy“ klar, dass der Film (insbesondere die Zielgruppe der Teenager) sicherlich polarisieren wird. Die eine Gruppe wird – wie schon bei „Twilight“ – nach jedem bewegten Bild ihres Lieblings lechzen, andere – insbesondere diejenigen, die die Buchvorlage kennen und das Talent der Autorin Richelle Mead schätzen gelernt haben – werden eher enttäuscht sein, sowohl den Inhalt als auch die Besetzung betreffend.

Rose (Zoey Deutch) lässt sich von Drohungen nicht einschüchtern. (Copyright: Universum Film)

Rose (Zoey Deutch) lässt sich von Drohungen nicht einschüchtern. (Copyright: Universum Film)

Insgesamt hat man das Gefühl, als wolle man die Zuschauer mit „Vampire Academy“ nicht überfordern.
Entsprechend einfach fallen die Dialoge aus, entsprechend kurzweilig und auf das Nötigste beschränkt ist die Handlung angelegt, die zudem sehr rasant im Ablauf wirkt.
Was sich in der Buchvorlage langsam an Inhalt entwickelt, wird im Film kurz und bündig (auf lediglich 100 Minuten) zusammengefasst und dadurch stark gerafft. Dies macht einige Passagen unglaubwürdig und/oder lässt sie zusammenhangslos erscheinen.
Zwar birgt die Schnelligkeit der Dialoge und des Inhalts eine Art Dynamik, die zudem durch zahlreiche Stunteinlagen untermauert wird, gleichzeitig bleibt „Vampire Academy“ – trotz der Tatsache, dass versucht wird, Themen aus dem Erfahrungshorizont Jugendlicher (wie beispielsweise das Thema Freundschaft) gewichtig einzubinden – dadurch sehr oberflächlich.

Leider ist zudem der Schluss mit seinem Cliffhanger und der damit einhergehenden Aussicht auf eine Fortsetzung, die immerhin den Vorteil hätte, den Inhalt und die Figuren zu intensivieren, das spannendste Moment im Film; obwohl es sie gibt, die kleinen Schockelemente, die für einen Vampirfilm normalerweise auch dazugehören, es sei denn, es wird lieber geglitzert. Doch diese werden Fans des klassischen Blutsaugermythos‘ kaum erschrecken.

Und auch die Stimmung einer Serie wie „The Vampire Diaries“, mit welcher „Vampire Academy“ gerne und oft verglichen wird, kommt hier einfach nicht in dem Maße auf, wie erhofft und möglich gewesen wäre.

Wächter Dimitri Belikov (Danila Kozlovski) hinterlässt Spuren. (Copyright: Universum Film)

Wächter Dimitri Belikov (Danila Kozlovski) hinterlässt Spuren. (Copyright: Universum Film)

Potenzial wurde außerdem den Cast und die Spezialeffekte betreffend ein wenig verschenkt.
Zum einen, weil ziemlich sicher heutzutage weit mehr technische Möglichkeiten existieren, als hier (vermutlich aus finanziellen Gründen) gezeigt werden, sodass einige Effekte sehr künstlich und offensichtlich wirken.

Zum anderen, weil ähnlich einer Low-Budget Produktion viele Rollen dieses Vampir-Teenager-Films mit weitgehend unbekannten (und abgesehen von wenigen Ausnahmen noch dazu nicht sehr überzeugenden) Schauspielern besetzt wurden.
Dass die meisten Schauspieler keine Hochkaräter sind, sondern vielmehr etwaige Nachwuchsakteure engagiert wurden, ist insofern nicht schlimm, da unter ihnen auch ab und an ein Sternchen zu entdecken ist. Die schauspielerische Leistung ist in „Vampire Academy“ aber entsprechend nicht nennenswert herausstechend. Schön ist jedoch, dass ausnahmsweise einmal nicht mit klassischen Schönheitsidealen gespielt wird. So besitzen alle Darsteller ihre Ecken und Kanten.
Es wurde ferner versucht, keine Stereotypen darzustellen, was dazu führt, dass die Schauspieler teilweise dennoch oder gerade deswegen in ihrer Rolle overacten. Die Charakterzüge, die Richelle Mead ihren Figuren in den Romanen zugeschrieben hat, werden damit auf die Spitze getrieben. Dies muss man mögen, andernfalls wird man sich nicht mit der Besetzung anfreunden können.

Die ersten vorsichtigen Annäherungsversuche zwischen Christian (Dominic Sherwood) und Lissa (Lucy Fry) auf dem Schulball. (Copyright: Universum Film)

Die ersten Annäherungsversuche zwischen Christian (Dominic Sherwood) und Lissa (Lucy Fry) auf dem Schulball. (Copyright: Universum Film)

Dass das Bonusmaterial mit seinen 67 Minuten darüber hinaus nicht wirklich viel weniger Zeit in Anspruch nimmt als der 100-minütige Film, wundert nur bedingt. Denn da „Vampire Academy“ auf Jugendliche ausgelegt ist, bietet man jener Zielgruppe viele nette Zugaben um die Schauspieler, von denen man scheinbar hofft, dass sie einen ähnlichen Hype auslösen wie einst Jacob, Edward oder Bella, und rund um die Geschichte des Romans von Richelle Mead. Auch die Autorin selbst kommt in einem kurzen Interview zu Wort. Für das Fanherz werden also reichlich Extras (sogar bzw. logischerweise mit deutschem Untertitel) geboten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass den Ü-30-, vielleicht auch Ü-20-Jährigen sicherlich der Mehrwert fehlen wird. Und auch einige des jugendlichen Publikums werden so manchem Kritikpunkt zustimmen.
Die finale Bewertung des Films beläuft sich daher auf eine durchschnittliche Wertung von 2,5 Sternen, wobei nicht zu vergessen ist, dass die Ausrichtung von „Vampire Academy“ sehr zielgerichtet auf Teenager ausgelegt ist. Diese dürfen daher gerne einen Punkt zur Endwertung hinzuaddieren, sowie die kritischeren Zuschauer unter uns ebenso einen Punkt abziehen können.

Trailer

Inhalt

Coole Partys und jede Menge Herzklopfen: Es scheint, als führten die 17-jährige Rose (Zoey Deutch) und ihre beste Freundin Lissa (Lucy Fry) ein ganz normales Teenager-Leben. Doch die beiden Girls haben einen ziemlich ungewöhnlichen Stundenplan. Da passiert es schon mal, dass ein wenig Blut an ihren Lippen hängen bleibt – besonders, wenn man dazu ausgebildet wird … Denn Rose ist kein gewöhnliches Mädchen: Sie ist halb Vampir, halb Mensch.
An der Vampire Academy wird sie zur Kämpferin ausgebildet, um die friedlichen Vampire der Moroi gegen die feindlichen Vampire der Strigoi zu beschützen. Diese haben es ausgerechnet auf das Leben von Lissa abgesehen, die dazu bestimmt ist, einmal Königin der Moroi zu werden. Als wäre das nicht schon genug Aufregung in Rose‘ Leben, bringt sie auch noch ihr Trainer und Mentor Dimitri (Danila Kozlovsky) ziemlich durcheinander …

(Quelle: Universum Film)

Vampire Academy – Homepage
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Richelle Mead – Homepage
Richelle Mead – Facebook
Richelle Mead – Twitter

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 25.07.2014
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 101 Minuten
Bonus: Featurette „Im Gespräch mit der Buchautorin Richelle Mead“ / Entfallene Szenen / Alternativer Anfang / Interviews mit Cast und Crew / B-Roll / Wendecover

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde