Review

Ursprünglich eine Light Novel-Reihe von Sunao Yoshida, später als Manga-Serie erschienen und schließlich als eine 24-teilige Anime-Serie adaptiert, veröffentlicht Nipponart nun Letztere als Komplettbox auf DVD und Blu-ray. „Trinity Blood“ schließt sich dem Action- und Horror-Genre auf Basis des Vampir-Themas an.

Der Vatikan und besonders der junge Papst haben alle Hände voll zu tun, die Vampire unter Kontrolle zu halten (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

Der Vatikan und besonders der junge Papst haben alle Hände voll zu tun, die Vampire unter Kontrolle zu halten. (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

500 Jahre nach einem apokalyptischen Krieg, in dem alle Nationen der Welt mit eingebunden waren, ist die katholische Kirche nicht nur zum Zentrum der Menschheit geworden, sondern repräsentiert auch noch eine militärische Großmacht. Ihr eigentliches Ziel ist es aber, die Bewohner der Erde vor einer anderen Rasse zu schützen, mit der sie sich seit jeher den Planeten teilen müssen. Die selbst ernannten Methusalae, mit denen sie im Krieg liegen, weisen alle Merkmale der klassischen Blutsauger auf, warum sie von den Menschen schlicht als „Vampire“ bezeichnet werden.

Als erstes gibt es einen großen Pluspunkt bei „Trinity Blood“ dafür, dass hier nicht unbedingt das Klischee eines Untoten aufgegriffen wird, welches man aus so ziemlich allen Filmen (aber auch Animes) kennt. Die Methusalae sind eigentlich nur Menschen, die mit einem bestimmten Virus infiziert wurden, dessen Fund auf den Absturz eines außerirdischen Raumschiffs zurückzuführen ist. Die betroffenen Personen haben nicht nur den Drang nach menschlichem Blut, sondern können Waffen aus ihrem eigenen Blut entstehen und sogar Flügel wachsen lassen.

Im Mittelpunkt des Ganzen steht der katholische Priester Abel Nightroad, welcher nicht unbedingt durch Anmut oder Unnahbarkeit, aber durch ein schusseliges Auftreten besticht. Anders verhält es sich, sobald er sich in seine wahre Form, die eines sogenannten Crusnik, verwandelt. Spätestens dann werden Jäger zu Gejagten, denn ein Crusnik ernährt sich von dem Blut der Vampire. Generell sehr praktisch, da Abel einer geheimen Einheit des Vatikans angehört, um die Kontrolle über die Wesen zu behalten. Seine beiden „Formen“ unterscheiden sich besonders optisch stark voneinander, was immer wieder für einen überraschenden Kontrast sorgt.

Aber auch die anderen Character-Designs kommen bei „Trinity Blood“ gut rüber. Alle Figuren kleiden sich überwiegend in einer Mischung aus viktorianischen und dem typisch japanischen Gothic-Lolita Stil. An abwechslungsreicher Optik mangelt es daher nicht. Was die persönlichen Züge der Protagonisten angeht, so schwankt man hier zwischen interessant und Klischee-Format. Neben Abel Nightroad bringt auch der Papst eine Neuerung ins Genre, da das Oberhaupt ein weinerlicher Jüngling ist, der sich vor Unsicherheit kaum auf seinem Thron halten kann.

Außerhalb des Vatikans müssen die Priester öfter mal zu den Handfeuerwaffen greifen. (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

Außerhalb des Vatikans müssen die Priester öfter mal zu den Handfeuerwaffen greifen. (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

Wenn es etwas gibt, mit dem „Trinity Blood“ übersprüht, dann damit, dass so gut wie jedes Anime-Klischee vorkommt, das es gibt. Ganz abgesehen von den Dialogen, die so manche Szene weich spülen, sodass man nur auf die nächste Schießerei hofft, die einen davon erlöst. Außerdem kann man schon fast erahnen und mitzählen, wie oft eine weibliche Figur zur Seite geschubst wird.

Ebenfalls gibt es „emotionale“ Momente, in denen der Konsument mit den handelnden Figuren mitfühlen soll. Dies scheitert aber oft daran, dass einem die Charaktere und beispielsweise ihre Vergangenheit viel zu schnell aufgedrückt werden, sodass man die Geschehnisse mehr als Außenstehender beobachtet. Die rasende Geschwindigkeit, in der all dies abgearbeitet wird, ist ein Problem, da man sich nicht wirklich einfinden kann.

Was die visuelle Umsetzung angeht, so sei vorab gesagt: die Erstausstrahlung erfolgte 2004, man kann also nicht von einer so guten Produktion ausgehen, wie es die Möglichkeiten heutzutage bieten. Dennoch hat das Animationsstudio Gonzo (u.a. „Hellsing“, „Gantz“) sich auch hier wieder Mühe gegeben. Besonders die Umgebung wie Landschaften oder das Design des modernen Vatikans sind sehr gut gelungen. Davon profitiert auch die römische Architektur im Glanze der religiösen Themen. Allein die CGI-Effekte stechen optisch etwas hervor, aber wie gesagt: 2004. Ansonsten gestaltet sich „Trinity Blood“ durchweg ansehnlich.

Doch nicht nur die Augen werden hier bedient, sondern auch die Ohren. Guter Rat an dieser Stelle: umstellen auf den japanischen Originalton. In deutscher Fassung trifft man zwar auf bekannte Sprecher, die ihre Sache auch recht ordentlich machen, aber stellenweise einen Durchhänger zu haben scheinen.

Anders verhält es sich mit der Musik, die neben rockigen Tönen auch ein paar echt gute atmosphärische Piano-Klänge zum Besten gibt; auch wenn manchmal entweder der Gesamtsound zu laut oder die Synchron-Stimmen zu leise sind, sobald beide Tonspuren aufeinandertreffen.

Wo Vampire sich rumtreiben, kann man davon ausgehen, dass es auch blutig wird. (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

Wo Vampire sich rumtreiben, kann man davon ausgehen, dass es auch blutig wird. (Copyright: 2005 Trinity Blood Partners)

Generell muss man sagen, dass „Trinity Blood“ von der Story her eigentlich kaum etwas vorwegnimmt und sich bemüht, die einzelnen Details nach und nach zu offenbaren. Auch der moralische Aspekt wird hier aufgegriffen, da es sich nicht bei allen Vampiren um blutrünstige Monster handelt. Dennoch geht der Bezug zum Plot manchmal verloren. Vor allem wenn immer wieder neue Charaktere eingeworfen werden, die den Spannungsbogen erneut hochbringen sollen. Es ist zwar ein Anime, in den man zu Beginn super reinkommt, aber er bedient sich auch Elementen, die im Laufe der Serie weniger überraschen können. 2004 war so etwas natürlich gang und gäbe, aber wenn man es sich heute anschaut, merkt man, dass „Trinity Blood“ nicht gerade zeitlos wirkt.

Nichtsdestotrotz liegt hier auf keinen Fall ein schlechtes Werk vor. Alles läuft ziemlich flüssig ab, es gibt innovative Ansätze und auch die Charaktere sehen gut aus. Es gibt bei „Trinity Blood“ hier und da ein paar Makel, die in der Masse schwerer ins Gewicht fallen, aber es spricht nichts dagegen, dass besonders Fans sich hier bedienen müssen. Insgesamt schön rund und knackig.

Handlung

500 Jahre sind seit dem letzten Weltkrieg vergangen und die Erde ist in zwei Lager gespalten. Vampire stehen der Menschheit gegenüber und ein erneuter Krieg steht kurz bevor. Der Vatikan bildet mit seiner Armee das letzte Bollwerk gegen diese übermächtige Bedrohung und seine größte Geheimwaffe ist Abel Nightroad – ein Vampir, der sich von Vampiren ernährt.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 6
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 28.08.2015
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: ca. 600 Minuten
Extras: Bookle, Sticker

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher