Review

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des britischen Autors Tim Lebbon inszeniert Regisseur John R. Leonetti („Annabelle“) mit „The Silence“ einen Endzeit-Thriller, der dem Autor honorierend einen Cameoauftritt (als Leiche) gewährt.

In seiner Mischung aus Horror, Thriller und Drama hat „The Silence“ sowohl etwas von „A Quiet Place“, „Bird Box“ und „Don’t breathe“ als auch dystopische Ansätze von Filmen wie „Into The Forest“.

Die Handlung

Die Handlung konzentriert sich indes darauf, dass eine archäologische Expedition in einem unzugänglichen Höhlensystem in Nordamerika eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt. Zunächst ahnt niemand, wie gefährlich diese „Wespe“ genannte Spezies tatsächlich ist. Doch einmal freigesetzt, mutieren und vermehren sich diese Urzeitmonster nicht nur, sondern greifen bald auch Menschen an.

Ihre Opfer finden sie dank ihres feinen Gehörs: Schon das kleinste Geräusch lockt eine Unzahl von ihnen an. Die einst so laute Welt verstummt.

Die gehörlose Ally (Kiernan Shipka) und ihre Familie ziehen sich in die Wälder zurück, denn überleben lässt sich nur noch in völliger Stille.

Gefahr geht aber auch von anderen Menschen aus, wie die Familie bald erfahren muss: Im rücksichtslosen Überlebenskampf ist jedes Geräusch ein potenzielles Todesurteil. Und dann kreuzt eine bedrohliche Sekte ihren Weg, die es ausgerechnet auf Ally abgesehen hat …

Wieso, weshalb, warum?

Hier wird nicht gefragt, hier bleibt man dumm. Zumindest, was die Hintergründe der gesamten Geschichte angeht.
Konzentriert wird sich vielmehr auf den Ist-Zustand nach Auftreten der mysteriösen Killer-Wesen, genannt „Wespen“, die einen auf Hitchcocks Vögel machen und dabei die Putzigkeit von Gremlins besitzen.

Was es aber genau mit ihnen auf sich hat, wie sie derart lange unbemerkt haben leben können, ihre Ursprünge oder Möglichkeiten der Auslöschung ebenjener Kreaturen, all das – und vieles mehr – bleibt bis zum Schluss unklar. Statt diesbezüglich in die Tiefe zu gehen, beschränkt sich „The Silence“ darauf, den Zuschauer die Familie Andrews auf ihrer Flucht begleiten zu lassen.

Fakt ist dabei:

Sie können dich hören!

Der Zuschauer hingegen hat da so seine Schwierigkeiten. Und das liegt vor allem an der Art der Inszenierung des Films, die die Meinungen der Zuschauer sicherlich spalten wird.

Wie der Titel also schon verheißt, herrscht in „The Silence“ ebenjene: Stille. Entsprechend nehmen die Dialoge im Verlauf der Gesamtspielzeit von knapp 91 Minuten mehr und mehr ab, während untertitelte Gebärdensprache, Flüstern, Sounddesign und Bildsprache zunehmend diesen Platz einnehmen.

Das führt dazu, dass die „Lautstärke“ innerhalb des Films erheblich schwankt. Ist die Konzentration auf das Gesagte bzw. Geflüsterte sowie auf die teils vorhandenen Untertitel so hoch, dass die Spannung und Atmosphäre zum Teil darunter leiden, bekommt man prompt einen halben Hörsturz, sobald die fliegenden Kreaturen spontan mit reichlich Ton“action“ aufwarten. Kaum meint man also, es mit einem Stummfilm zu tun zu haben, schrecken laute Geräusche oder verstörende orchestrale Klänge den Hörer und die Charaktere im Film auf.

Insbesondere die (äußerst repetitiv ausfallenden) Soundeffekte sprechen damit gegen die Namensgebung des Films und strapazieren bisweilen die Nerven der Zuschauer. Dies jedoch nicht auf angenehme und durch Schock- und Überraschungsmomente zu erwartende Weise, sondern derart, dass der Filmgenuss mitunter stark vermiest wird.

Behilft man sich schließlich damit, den Film mit deutschem Untertitel für Hörgeschädigte zu schauen, um das wenige Gesagte zumindest halbwegs zu verstehen, entbehrt dies – angesichts der gehörlosen Protagonistin Ally – nicht einer gewissen Ironie.

Sehen die einen die Vision des Regisseurs womöglich als innovativ und effektvoll an, wird sie den anderen überhaupt nicht zusagen. Einen diesbezüglichen Kompromiss wird es kaum geben.

>The Sound of Silence<

Kiernan Shipka als Ally Andrews im Endzeit-Thriller „The Silence“. (Copyright: Constantin Film)

Kompromisslos zeigt sich auch der Soundtrack von „The Silence“, der dem Titel ebenfalls nicht gerecht werden will. Von Ruhe kann dabei demnach nicht die Rede sein, stattdessen kommen oftmals disharmonische Töne zum Vorschein, die der musikalischen Untermalung des Films einen verstörenden Touch verleihen.

Dient dies noch dem Aufbau beklemmender Atmosphäre, sorgt ein wiederholend auftretendes hohes Fiepen, das immer dann zum Einsatz kommt, sobald das Geschehen aus der Perspektive der gehörlosen Ally gezeigt wird, für ein gewisses Tinnitusgefühl. Angenehm ist definitiv anders. Noch dazu zerstören diese tonalen Sequenzen immer wieder die Stimmung des Films und lassen den restlichen Score zu sehr in den Hintergrund geraten.

Fazit

Durch die Wortkargheit des Films liegt der Fokus schnell und automatisch auf dem visuell Gebotenen. Die Bilder müssten daher für sich sprechen und/oder im Zusammenspiel mit der schauspielerischen Leistung viel Ausdrucksstärke mitbringen. Dies ist jedoch nur mäßig gelungen, zumal die Zuschauer des Öfteren durch die oben genannte Kritik davon abgelenkt werden.

Da „The Silence“ zudem sehr schnell (und wenig nachvollziehbar) zu Ende gebracht wird, dazwischen lange Leerlauf herrscht und auch die wenigen dramatischen und emotionalen Spitzen des Films ihre Wirkung zu oft verfehlen, lässt der Endzeit-Thriller sein Publikum eher unzufrieden zurück. Schade, denn die Buchvorlage und die Idee von „The Silence“ hätten mehr Potenzial gehabt.

 

Trailer

Handlung

Sie können Dich hören!

Als eine archäologische Expedition in einem unzugänglichen Höhlensystem in Nordamerika eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt, ahnt noch niemand, wie gefährlich diese „Wespe“ genannte Spezies tatsächlich ist. Doch einmal freigesetzt, mutieren und vermehren sich diese Urzeitmonster nicht nur, sondern greifen bald auch Menschen an. Ihre Opfer finden sie dank ihres feinen Gehörs: Schon das kleinste Geräusch lockt eine Unzahl von ihnen an. Die einst so laute Welt verstummt.

Die gehörlose Ally (Kiernan Shipka) und ihre Familie ziehen sich in die Wälder zurück, denn überleben lässt sich nur noch in völliger Stille. Gefahr geht aber auch von anderen Menschen aus, wie die Familie bald erfahren muss: Im rücksichtslosen Überlebenskampf ist jedes Geräusch ein potentielles Todesurteil. Und dann kreuzt eine bedrohliche Sekte ihren Weg, die es ausgerechnet auf Ally abgesehen hat …

(Quelle: Constantin Film)

Details

Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 07.11.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Making-of / Interviews

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde