Review

Ungefähr vor einem Jahr haben wir uns den Politthriller „Snowden“ des Hollywood-Kultregisseurs Oliver Stone angeschaut, in welchem er sich dem aktuell weltweit bekanntesten Whistleblower Edward „Ed“ Snowden und seiner Geschichte widmet. Die Geschichte der Whistleblower, also derlei Menschen, die mitunter große Risiken auf sich nehmen, um der Allgemeinheit wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang zu offenbaren, ist indes schon eine lange.

So beschäftigt sich „The Secret Man“ (Originaltitel: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House) mit der Watergate-Affäre (in Kürze: Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei) und den sich anschließenden Ereignissen, die dazu führen, dass der damalige US-Präsident Richard Nixon 1974 zurücktreten muss.

Von maßgeblicher Bedeutung ist dabei die Arbeit des Whistleblowers Mark Felt (Deckname Deep Throat, in Anspielung auf einen populären Pornofilm), zu jener Zeit der amtierende Vizechef des FBI. Während seiner Amtszeit missbraucht der republikanische Präsident Nixon massiv seine Regierungsvollmachten und nach dem Tod des Direktors des FBI J. Edgar Hoover im Mai 1972 behindern Nixons Gefolgsleute auch die Ermittlungen des FBI zur Watergate-Affäre. Aufgrund der gravierenden Ermittlungsergebnisse ist Mark Felt (Liam Neeson) von der Beteiligung der Nixon-Regierung überzeugt. Allerdings installiert der Präsident mit Patrick Gray (Martin Csokas) einen neuen FBI-Direktor, den er leicht kontrollieren kann und der die „Watergate“-Ermittlungen schnellstens beenden soll.

Im Fokus des Thrillers steht die Person Mark Felt, denn dieser ist nach 30 Dienstjahren hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral. Er entschließt sich jedoch, seine streng geheimen Informationen und Ermittlungsergebnisse mit Bob Woodward (Julian Morris), einem Redakteur der Washington Post, zu teilen. Daneben beleuchtet der Film – in Kürze – auch noch das Verhältnis von Felt und seiner Frau Audrey (Diane Lane) zu ihrer gemeinsamen Tochter Joan Felt (Maika Monroe) sowie den Prozess gegen Felt wegen seiner Ermittlungsmethoden gegen die radikalen Personen im sogenannten „Weather Underground“.

Inszeniert wurde der politische Thriller vom ehemaligen New-York-Times-Journalisten Peter Landesmann, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste. Dabei gelingt es ihm, die über Monate andauernde Affäre, in der durchaus eine große Zahl von Namen eine Rolle spielt, verständlich und interessant darzubieten.

Die Hauptrolle des Vizechefs des FBI Mark Felt übernimmt der vielseitige und wandlungsfähige Liam Neeson. Spätestens seit der „Taken“-Reihe („96 Hours“, “ 96 Hours – Taken 2″ & „96 Hours – Taken 3“) ist jener Neeson zwar auf seine alten Tage zum ergrauten und rabiaten Action-Helden avanciert (so etwa auch in: „The Commuter“, „Run All Night“, „Non-Stop“ oder auch „Unknown Identity“), aber hier gelingt es ihm auch mal wieder, in einer ruhigeren Rolle zu glänzen. Eine starke Performance seinerseits ist allerdings auch nötig, da er zweifellos im Mittelpunkt des Films steht. Er gibt seine Figur glaubwürdig hadernd und von Gewissensbissen geplagt, mit einer Körpersprache, die seine Leistung noch unterstützt.

Mark Felt (Liam Neeson) gibt Journalisten der Washington Post Hinweise, die später zum Rücktritt des Präsidenten führen. (Copyright: Wild Bunch Germany)

Abgesehen davon liefert Regisseur Landesmann einen recht sachlich-nüchternen Politthriller ohne die großen Spannungsmomente ab. Die Watergate-Affäre seit dem Kinoklassiker „Die Unbestechlichen“ von 1976 mal wieder ansprechend zu inszenieren und für ein jüngeres Publikum aus der Sicht des Whistleblowers aufzubereiten, ist ein ehrbares Anliegen und das Thema ganz sicher nicht uninteressant – allein, um zu sehen, dass es Probleme mit fragwürdigen Überwachungsmethoden schon sehr lange gibt. Allerdings ist ein allzu ruhiger Thriller ohne (sei es auch fiktive) Suspense eben auch kein sonderlich guter – es fehlt an erinnerungswürdigem Schauwert.
Dazu kommt noch die Familientragödie ohne Drama mit der ausgebüxten Tochter, die dem Film die dringend benötigte Emotionalität verleihen soll, dabei aber krachend scheitert, da dieser Aspekt des Filmes viel zu irrelevant und
belanglos bleibt. 

„Deep Throat“ Mark Felt wird durch diesen Film dennoch ein Denkmal gesetzt, manchmal womöglich zu pathetisch und lebensfremd idealistisch, aber in der Gesamtbetrachtung, gerade aufgrund der spannenden Ära, doch sehenswert.

Trailer

Inhalt

Die USA im Sommer 1972: Die Atmosphäre ist durch Vietnamkrieg und Bürgerrechtsbewegung bereits aufgeheizt, als „Watergate“ wie eine Bombe einschlägt. Nach einem rätselhaften Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei tappen viele Journalisten im Dunkeln. Ein Mann jedoch weiß mehr: Mark Felt, Vizechef des FBI, kennt die Ermittlungsergebnisse aus erster Hand und ist bereits früh von der Beteiligung der Nixon-Regierung überzeugt. Ein weiterer Grund für sein Misstrauen ist der neue, von Nixon eingesetzte FBI-Direktor Patrick Gray, der die „Watergate“-Ermittlungen auffällig schnell beenden will. Nach 30 Dienstjahren ist Mark Felt hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral. Er riskiert schließlich alles und kontaktiert Bob Woodward, Redakteur der Washington Post, um ihn mit den streng geheimen Informationen zu versorgen. Bald jagt ganz Washington den mysteriösen Whistleblower, besser bekannt als „Deep Throat“.

(Quelle: Wild Bunch Germany)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Wild Bunch Germany / Universum Film
Erscheinungstermin: 09.03.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 103 Minuten
Extras: Interviews

Copyright Cover: Wild Bunch Germany



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)