Review

Der amerikanische Filmregisseur Gus Van Sant („Good Will Hunting“, „Forrester – Gefunden!“, „Milk“) präsentiert in seinem Drama „The Sea of Trees“ eine hochkarätige Besetzung.
Neben Oscar-Preisträger Matthew McConaughey (unbedingt anschauen: die erste Staffel von „True Detective“!) spielen hauptsächlich die Oscar-Nominierte Naomi Watts („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“) sowie der ebenfalls Oscar-Nominierte Ken Watanabe („Last Samurai“, „Inception“).

Zusätzlich zu diesem erstklassig besetzten Cast kann Van Sant mit dem berüchtigten „Selbstmörderwald“ Aokigahara in Japan aufwarten, in den Suizidenten aus ganz Japan zum Sterben kommen. Diesen Wald nennt man auch „Aokigahara-Baummeer“ bzw. – titelgebend – „Sea of Trees“.

Ausgezeichnete Zutaten für einen erfolgreichen Film sind also vorhanden, sie müssen nur gekonnt zusammengefügt werden.

Doch zunächst widmen wir uns dem Inhalt des Dramas:
Nach dem Tod seiner Ehefrau Joan (Watts) fliegt der Mathematiker Arthur Brennan (McConaughey) nach Japan, um sich dort das Leben zu nehmen. Dafür begibt er sich extra in den sogenannten Selbstmörderwald. Gerade in dem Moment, als der selbstmordgefährdete Arthur mit einigen Pillen sein Leben beenden will, begegnet ihm der Japaner Takumi Nakamura (Watanabe), der offenbar auch versucht hatte, sich umzubringen. Der Mann taumelt blutend auf Arthur zu und scheint völlig hilf- und hoffnungslos zu sein.

Arthur beschließt, dem Fremden den Weg aus dem Wald zu weisen, den er selbst erst kurz zuvor betreten hat. Allerdings stellt sich heraus, dass auch Arthur in dem dicht bewachsenen Wald die Orientierung verloren hat und den Rückweg nicht finden kann. Daraufhin kämpfen die beiden Männer in dem Selbstmörderwald um ihr Überleben.

Ken Watanabe & Matthew McConaughey in „The Sea of Trees“ (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Eines muss hier vorweg mal gesagt werden: Besonders McConaughey hatte in den letzten Jahren einfach ein goldenes Händchen für die richtige Rollenwahl und spielte seit 2013 u.a. in den Hollywood-Blockbustern „The Wolf of Wall Street“ und „Interstellar“ sowie in der erfolgreichen Fernsehserie „True Detective“ mit und wurde 2014 für seine Hauptrolle in „Dallas Buyers Club“ sogar mit dem Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ dekoriert.
Dieses Mal hat er allerdings ziemlich danebengegriffen.

Höhepunkt des Films, wenn man so will, sind die großartigen Aufnahmen vom Aokigahara-Wald. Die Natur ist technisch ausgezeichnet in Szene gesetzt.

Doch nun kommen wir zu den (zahlreichen) Kritikpunkten:
Bis zum Ende des Filmes ist es nicht wirklich nachvollziehbar oder glaubhaft, weshalb Arthur Brennan den weiten Weg nach Japan auf sich nimmt, um Suizid zu begehen. Der Film liefert dafür auch nur eine äußerst unbefriedigende Begründung. Nicht minder schwer nachzuvollziehen ist dann der Wandel von Arthur Brennan vom Todgeweihten zum Überlebenskämpfer. Auf einmal möchte der Mann doch nicht mehr sterben; obwohl er dafür doch extra nach Japan gereist ist.

Es folgen einige Überlebenskämpfe. Bei diesen will der Funke allerdings auch nicht wirklich auf den Zuschauer überspringen, weil keiner davon richtig fesselnd oder dramatisch inszeniert ist.

Ein häufig eingesetztes Stilmittel in diesem Film sind die Rückblenden. In diesen durchlebt der Zuschauer mit Arthur noch einmal seine teilnahmslose und brüchige Ehe mit Joan, die nie über seinen Ehebruch hinweggekommen und infolgedessen auch zur Alkoholikerin geworden ist. Dabei bedient sich der Filmemacher sämtlicher Klischeevorstellungen einer miesen Ehe. Die richtige Mischung zwischen den Rückblenden und dem aktuellen „Abenteuer“ im Selbstmörderwald findet der Regisseur dabei leider nicht.

Keine der Szenen des Dramas ist wirklich erinnerungswürdig und es mangelt an Höhepunkten.

Die prominente Besetzung wird hier leider vergeudet; schlechthin eine Talentverschwendung!

Konversation zwischen den Überlebenskämpfern (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Matthew McConaughey weiß in seiner Rolle nicht recht zu überzeugen und man nimmt ihm den ernsthaften Todeskandidaten nicht ab.
Ken Watanabe hat nicht viel an die Hand bekommen, um aus seiner Rolle etwas herauszuholen. Der Part des Takumi Nakamura ist mehr oder weniger ein redescheuer Begleiter und dient lediglich als Gesprächsteilnehmer für Brennan. Die Dialoge sind dabei alles andere als tiefgründig; leider spart der Film dennoch nicht an Konversationen zwischen diesen beiden. Äußert sich Takumi Nakamura denn doch mal gelegentlich, so muten seine „Weisheiten“ wie esoterische Kalendersprüche und religiöse Klischees an.
Am ehesten überzeugen kann noch Naomi Watts in der Rolle der labilen Ehegattin, aber auch sie vermag nicht aus diesem Drama einen sehenswerten Film zu machen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt eigentlich keinen richtig guten Grund, sich diesen Film anzuschauen. Bedauerlich!

Trailer

Inhalt

Leben und Überleben im berüchtigten Selbstmörderwald Aokigahara
am Fuße des Fuji

Arthur Brennan reist extra nach Japan, um dort im berüchtigten Selbstmörderwald Aokigahara sein Leben zu beenden. Doch der friedliche Abschied unter Bäumen wird von einem Mann gestört, der hilflos und blutend herantaumelt. Takumi Nakamura will nicht mehr sterben, aber er hat sich hoffnungslos verirrt. Arthur kann ihn einfach nicht sich selbst überlassen. Doch es scheint, als wollte der riesige, dichte Wald die beiden Todeskandidaten nicht mehr freigeben …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 13.01.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 106 Minuten

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)